Ein Blick zurück : Vegetarier - wieso eigentlich?

Der Verzicht auf Fleisch ist kein moderner Lebensstil. Schon in der Antike gab es die ersten Vegetarier. Foto: dpa
Der Verzicht auf Fleisch ist kein moderner Lebensstil. Schon in der Antike gab es die ersten Vegetarier. Foto: dpa

Fleischloses Essen ist auf dem Vormarsch. Gründe für den Verzicht gab es in der Geschichte viele. Ein historischer Rückblick zeigt welche es waren.

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03. Oktober 2012, 09:52 Uhr

Immer mehr Menschen entscheiden sich gegen tierische Produkte auf ihrem Speiseplan. Ihre Motive sind dabei ganz unterschiedlich - aber die Vorurteile kennen sie wohl alle: "die wollen nicht, dass Tiere für sie sterben", "die leben gesünder" vielleicht noch "die haben öfter mal Vitamin B12 Mangel". Tatsache ist: Vegetarier leben nicht schlechter oder gesünder als "Allesfresser" - nur anders. Und das schon seit Jahrhunderten, wie Sönke Tilgner berichtet:
Eigentlich ist der Mensch selbst ja ein Omnivore, das heißt Allesfresser, und bezeichnet den Umstand, dass der Mensch sowohl pflanzliche, als auch tierische Nahrung zu sich nehmen kann. Deswegen war er von jeher Jäger und Sammler. Die ersten Vegetarier hatten dann aber die religiöse Motivation der Gewaltlosigkeit gegenüber Mensch und Tier. Vor allem in Indien verzichteten viele Menschen auf Fleisch. In der Antike gab es einen großen Streit zwischen mehreren philosophischen Lagern, ob Vegetarismus gerechtfertigt sei oder nicht. Dieser Streit zieht sich bis in die moderne Philosophie hinein.
Die Motivation zum Verzicht ist vielseitig
Im Mittelalter waren es vor allem Mönche und Einsiedler, die in Askese leben wollten und deshalb auf Fleisch verzichteten. Aber auch die Regeln einiger Mönchsorden, zum Beispiel die der Benediktiner, verboten Fleisch. In ihrem Fall war es jedoch nur das Fleisch von vierfüßigen Tieren. Andere Ordensregeln verbaten sämtliche fleischliche Nahrung, aber nie den Genuss von Fisch. Den Mönchen und Nonnen ging es dabei weniger um den Tod der Tiere, sondern um den freiwilligen Verzicht. Ein sehr berühmter Vegetarier war übrigens das Universalgenie Leonardo da Vinci (1452 bis 1519). Er hatte ethische Gründe. Im Allgemeinen lebte im Mittelalter und in der Antike allerdings ein Großteil der Bevölkerung fleischarm, aber nicht aus Prinzip, sondern aus Not. Fleisch war damals eher den Adligen vorbehalten.
Um 1801 wurde dann der erste Vegetarier-Verein in London gegründet. Diesem ging eine Stimmungsmache von kleinen christlichen Gemeinden in England und Nordamerika voraus. Bald gab es auch in anderen englischen Städten solche Vereine. Den ersten Vegetarier-Verein in Deutschland eröffnete 1868 Gustav Struve. 1892 wurde der Deutsche Vegetarier-Bund mit Sitz in Leipzig gegründet. 1908 schließlich entstand die internationale Vegetarier Union. Sie löste sich aber 1935 auf, um der Gleichschaltung durch die Nazis zu entgehen - Hiltler selbst ernährte sich übrigens sehr fleischreduziert.
Wenige Vegetarier in Deutschland
Ein sehr prominenter Vegetarier war schließlich der indische Morallehrer Mahatma Gandhi (1869 bis 1948). In Indien geben bis zu 40 Prozent der Bevölkerung an Vegetarier zu sein, wohingegen in Deutschland laut einer Studie von 2007 nur 1,6 Prozent und in Frankreich nur 2 Prozent Vegetarier sind. In England ergab eine Studie von 1995, dass dort immerhin 4,9 Prozent der Erwachsenen auf Fleisch verzichten.

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