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Ernährung & Gesundheit

20. August 2017 | 06:20 Uhr

Zeckenalarm : Vampire aus dem Unterholz

vom

Im Sommer lauern die winzigen Blutsauger im Grünen auf ihre Opfer. Doch mit dem richtigem Verhalten lassen sich die Angriffe reduzieren.

Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube: Zecken fallen nicht von Bäumen. Im Gegenteil: Meist lauern sie auf Grashalmen, in Büschen und im Unterholz in Wäldern, Stadtparks und Gärten und werden im Vorübergehen abgestreift. Ihr Angriff bleibt zunächst oft unbemerkt. Die Folgen sind aber manchmal umso gravierender: Denn durch den Stich einer Zecke kann man sich mit Borrelien und dem Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz dem FSME-Virus, anstecken.

Doch richtiges Verhalten beim Aufenthalt im Freien kann Zecken den gefährlichen Stich erschweren: Nach Möglichkeit sollten lange Kleidung und geschlossene Schuhe getragen werden, Socken sollten dabei über die Hose gezogen werden. So können Zecken nicht so einfach an den Beinen hochkrabbeln. Die Kleidung sollte möglichst hell sein, denn darauf lassen sich die kleinen Krabbeltiere besser entdecken. Wer sich zusätzlich schützen möchte, kann Kleidung und Hautteile mit speziellen insektenabweisenden Mitteln, so genannten Repellents, einsprühen. Wichtig ist es, nach dem Aufenthalt im Grünen den Körper nach den Plagegeistern abzusuchen, denn der Speichel der Spinnentiere enthält ein Sekret, das den Juckreiz an der Einstichstelle unterdrückt. Wird ein Stich entdeckt, sollte die Zecke schnellstmöglich und sehr vorsichtig mit einer speziellen Zeckenzange oder einer Zeckenkarte entfernt werden.

<p>Mit dem geeigneten Werkzeug lässt sich eine Zecke vorsichtig entfernen.</p>

Mit dem geeigneten Werkzeug lässt sich eine Zecke vorsichtig entfernen.

Foto: Fotolia
 

Dafür wird die Zecke im Kopfbereich möglichst nah an der menschlichen Haut angefasst und vorsichtig mit gleichmäßiger Geschwindigkeit aus der Haut gezogen. Sie darf dabei nicht zerquetscht werden, denn sonst besteht die Gefahr, dass mit Erregern infizierter Speichel schneller übertragen wird. Die Zecke darf nicht, wie manchmal empfohlen wird, mit Nagellack, Klebstoff oder Öl bedeckt werden. Solche Maßnahmen helfen nicht und führen eher dazu, dass die Zecken noch mehr infizierten Speichel absondern. Nach dem Entfernen der Zecke sollte die Wunde gründlich desinfiziert werden.

<p>Eine FSME-Impfung schützt gegen die von Zecken übertragenen Viren.</p>

Eine FSME-Impfung schützt gegen die von Zecken übertragenen Viren.

Foto: Fotolia
 

Einen sicheren Schutz vor Zecken gibt es nicht. Ärzte raten jedoch dazu, sich gegen FSME impfen zu lassen. FSME ist eine Erkrankung der Hirnhaut und des zentralen Nervensystems. Nach zunächst grippeähnlichen Symptomen kommt es bei rund 50 Prozent der Betroffenen zu einer Entzündung der Hirnhaut, bei ca. 40 Prozent zusätzlich zur Entzündung des Gehirns.

Die häufigsten Irrtümer über Zecken

Fallen Zecken von Bäumen?

Zecken lassen sich nicht gezielt von Bäumen fallen. Das wäre zu gefährlich für die kleinen Spinnentiere. Sie lauern in Gräsern und Sträuchern oder niedrigen Astlöchern. Sie können sich so geschickt am Wirt festkrallen, egal ob am Tier oder Mensch, und sichern sich dann eine geeignete Hautpartie, um sich festzusaugen.

Tritt FSME nur im Frühsommer auf?

Wie der Name schon vermuten lässt tritt die Krankheit, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), tatsächlich vermehrt im Frühsommer auf. Das heißt aber nicht, dass in den anderen Monaten keinerlei Risiko besteht. Die Tiere mögen besonders das milde, warme Klima im Frühsommer, sind aber dennoch bei Temperaturen über Null aktiv, jedoch seltener. Extreme Trockenheit, Hitze und Kälte bekommt den Zecken dagegen nicht. Und auch in 1500 Metern Höhe findet man so gut wie keine der Tiere. In Bayern und Baden-Württemberg ist das Risiko für FSME am größten, denn durch die milden Winter sind dort die meisten Zecken aktiv.

Schützt eine FSME-Impfung auch vor Borreliose?

„Die FSME-Impfung schützt nicht vor Borreliose. Borrelien sind längliche, schraubenförmige Bakterien, während die FSME durch Viren ausgelöst wird. Das Verbreitungsgebiet von Borrelien und FSME-Viren ist auch nicht deckungsgleich", sagt Prof. Dr. Winfried Kern, Leiter der Abteilung Infektiologie am Universitätsklinikum Freiburg. Die Impfung sollte alle drei bis fünf Jahre nachgeholt werden, abhängig davon wie alt die geimpfte Person ist und wie stark der Impfstoff ist.       

Können Zecken beißen?

Zecken beißen nicht: Mit ihren Schneidewerkzeugen öffnen sie die Haut und saugen sich dann mit ihrem Stechrüssel fest, und zwar mittels einer zementartigen Substanz, welche dann aushärtet. So können sie nun, verankert in die Haut, lange am Wirt verbleiben.

Sind nur ausgewachsene Zecken eine Gefahr?

Vom Ei bis zum ausgewachsenen Tier macht eine Zecke viele Entwicklungsstadien durch. Aus dem Ei wird eine sechsbeinige Larve, daraus eine Nymphe und dann eine ausgewachsene Zecke. Um ins jeweils nächste Stadium zu gelangen, braucht das Tier eine Blutmahlzeit. Das heißt also, dass Zecken in jedem Entwicklungsstadium stechen. Da nur ein Bruchteil der Larven und Nymphen sich zu ausgewachsenen Tieren entwickeln, werden Menschen und Tiere meistens von eben diesen nicht ausgewachsenen Tieren gebissen. 

Sind Zecken nur in Süddeutschland gefährlich?

Das FSME-Virus tritt innerhalb Deutschlands größtenteils in Baden-Württemberg und Bayern auf,  Borreliose kann deutschlandweit als auch im Ausland übertragen werden, aber es gibt auch Gebiete mit mehr oder weniger intensiver Übertragung. Beachten sollte man Folgendes: Sobald man eine Zecke am Körper entdeckt, muss diese umgehend entfernt werden. Umso länger sich das Tier festsaugen kann, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit für eine Übertragung der Borreliose. FSME-Viren können allerdings schon zu Anfang des Bisses übertragen werden.

Kann man auch nach dem Entfernen der Zecke erkranken?

Wenn eine Zecke gestochen hat und man sie dann entfernt, bleibt dort oft ein kleiner roter, machmal juckender Fleck zurück, was normal ist. Bildet sich um die Einstichstelle eine größere Röte, kann dies ein Anzeichen für die so genannte „Wanderröte“ sein, das heißt eine Borrelien-Infektion. Der Kreis kann sich weiter vergrößern und auch an anderen Körperstellen auftauchen und wieder verschwinden. Bei einer Hautrötung von mehreren Zentimetern Durchmesser nach Zeckenstich sollte daher ein Arzt aufgesucht werden.

 

 

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erstellt am 24.Jun.2016 | 12:30 Uhr

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