Laktose- und Fruktoseintoleranz : Unverträglichkeit von Zucker

Zwischen 15 und 20 Prozent der deutschen Bevölkerung sind laktoseintolerant. Foto: dpa
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Zwischen 15 und 20 Prozent der deutschen Bevölkerung sind laktoseintolerant. Foto: dpa

Ein Glas Milch zum Frühstück oder Früchte fürs Müsli sorgen für einen guten Start in den Tag. Doch nicht jeder verträgt Milch- und Fruchtzucker.

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23. April 2013, 12:41 Uhr

Flensburg | Morgens ein Glas Milch oder ein Stück Melone in der Sonne können das Leben schön machen. Doch beides verträgt nicht jeder. Intoleranzen gegen Milch- oder Fruchtzucker werden immer häufiger diagnostiziert. Zwischen 15 und 20 Prozent der deutschen Bevölkerung leidet an Laktose- und bis zu 30 Prozent an Fruktoseintoleranz. "Symptome sind Bauchschmerzen, Blähungen und weitere Magenbeschwerden. Als Folge treten oft Abgeschlagenheit, Erschöpfung bis hin zu Depressionen auf", erklärt Maren Wojke, Diätassistentin der Klinik für Innere Medizin in Flensburg. Sie hat schon viele Betroffene beraten und empfiehlt eine Ernährungsumstellung, die die Symptome verhindert.

"Bei einer Laktoseintoleranz fehlt dem Körper das Enzmy Lactase, dadurch rutscht der Milchzucker unverarbeitet in den Dickdarm", sagt sie. "Dort wird er dann von den Bakterien vergoren und bereitet Beschwerden." Ein wenig anders ist es bei der Fruchtzuckerintoleranz: "Hier ist der Transport das Problem. Das Transportsystem GLUT-5 funktioniert nicht ausreichend." Dieses Transportsystem ist für die Aufnahme von Fruktose im Dünndarm zuständig. Daraus ergibt sich dasselbe Problem. Der Fruchtzucker gelangt unverarbeitet in den Dickdarm und löst die Symptome aus.

Hilfe durch eine Ernährungsumstellung

Wojke empfiehlt für beide Erkrankungen zunächst eine strenge Diät von zwei bis vier Wochen. "In dieser Zeit sollte auf den entsprechenden Zucker verzichtet werden. In dieser Zeit kann der Darm sich erholen."

"Danach kommt die zweite Phase, in der jeder ausprobieren kann, welche Mengen er verträgt." Denn es besteht lediglich ein Problem aufgrund von zu viel aufgenommener Laktose oder Fruktose. "Die Menge des Milch- oder Fruchtzuckers, die jeder verträgt, ist allerdings individuell." Die Wiederaufnahme von den vorher vermiedenen Lebensmitteln rät Wojke, damit der Körper keinen Nährstoffmangel (von Calcium oder Vitaminen) erleidet. Eine ausgewogene Ernährung ist also besonders wichtig.

Traubenzucker verbessert die Fruktoseaufnahme

Laktose befindet sich in milchhaltigen Lebensmitteln. Fruktose ist in Zucker enthalten. Zucker besteht zur einen Hälfte aus Fruchtzucker und zur anderen Hälfte aus Traubenzucker. "Traubenzucker verbessert die Aufnahme der Fruktose. Darum sollte immer auf ein gutes Verhältnis zwischen Trauben- und Fruchtzucker geachtet werden", erklärt Wojke. "Ein Transportbremser des Fruchtzuckers ist hingegen Sorbit, ein Diätzucker." Er ist häufig in zuckerfreien Kaugummis, aber auch in Äpfeln, Birnen, Pflaumen und Pfirsichen enthalten. "Es sollte weggelassen werden." Auch auf Lauch und Kohl sollte verzichtet werden. "In ihnen sind besondere Kohlenhydrate enthalten, die die Beschwerden verstärken."

Wer bereits herausgefunden hat, ob er einen halben oder nur ein Viertel eines Apfels verträgt, "der sollte dabei bleiben, kann aber den Verdauungsprozess durch das Hinzufügen von Traubenzucker unterstützen", rät Wojke. Dies bedeute aber keineswegs, dass nun mehr von dem Apfel gegessen werden kann. "Aber die Geschmäcker sind unterschiedlich. Auf diese Weise kann sich jeder das heraussuchen, was er mag und die Verdauung durch den Traubenzucker unterstützen." Sie weist zudem darauf hin: "Bei beiden Unverträglichkeiten heißt es: Keine Fertigprodukte." In ihnen sind oft versteckte Zutaten enthalten. Die Zutatenliste sollte darum immer genau gelesen werden.

Lactase-Kapseln als Unterstützung

Bei Milchzuckerintoleranz gibt es eine dritte Phase. "Wenn der Patient weiß, wie viel Laktose er verträgt, kann er versuchen Lactase-Kapseln zu nehmen. Sie ersetzen das fehlende Enzym im Körper." So kann auch ein Abendessen außer Haus oder der Besuch in der Eisdiele beschwerdefrei verlaufen. "Die Ernährungsumstellung ist zwar schwierig, aber den meisten Patienten fällt es leicht, weil der Leidensdruck so hoch ist", sagt Wojke.

Die Diagnose einer Laktose- oder Fruktoseintoleranz stellt der Gastroenterologe. Die Expertin bestätigt, dass die Anzahl der Diagnosen steigt. "Das könnte zum einen daran liegen, dass Menschen mittlerweise daraufhin getestet werden. Zum anderen liegt die Ursache möglicherweise auch darin, dass unseren Lebensmitteln mittlerweile Fruktose hinzugefügt wird. Damit nehmen wir eine viel größere Menge des Fruchtzuckers zu uns." Das würde bedeuten, dass der Körper mancher Menschen mit Intoleranzen auf die Inhaltsstoffe in Fertigprodukten reagiert.

Maren Wojke steht in Flensburg für Betroffene als Ansprechpartnerin zur Verfügung (Telefon: 0461-812 1121).

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