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Erste Untersuchung : Ultraschall bei Neugeborenen

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Um Fehlbildungen oder Geburtsverletzungen bei Niere, Hirn und Hüfte frühzeitig zu erkennen und Therapien einzuleiten, kommt der Neugeborenen-Ultraschall zum Einsatz.

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erstellt am 02.Mai.2013 | 11:55 Uhr

Wenn die stolzen Eltern zum ersten Mal eine bildliche Darstellung ihres ungeborenen Kindes vor Augen haben, halten sie meist ein Ultraschallbild in den Händen. Während der Schwangerschaft überprüft der Arzt mittels Ultraschallwellen immer wieder, wie sich das Kind im Mutterleib entwickelt. Auch nach der Geburt, bei den ersten Vorsorgeuntersuchungen, hilft das Screening bei der Früherkennung von Fehlbildungen, Entwicklungsverzögerungen oder Geburtsverletzungen bei Niere und Harnwegen, Hirn und Hüfte und kann so wichtige Weichen für das restliche Leben stellen und zum Beispiel bei der Hüfte lebenslange Bewegungseinschränkungen und Schmerzen verhindern.

Hüftauffälligkeiten entdecken und beheben

Eine sogenannte Hüftdysplasie ist eine häufige Fehlbildung im Säuglingsalter. Früher wurden die daraus resultierenden Schäden erst spät entdeckt und eine Operation war dann meist unausweichlich. Heute ist in Deutschland das Hüftscreening bei der Vorsorgeuntersuchung U3 in den ersten Lebenswochen vorgesehen. "Denn die ersten drei Monate sind die Phase der schnellen Hüftnachreife. Das bedeutet, je früher man mit einer Therapie anfängt, umso schneller geht die Heilung voran", erläutert Dr. Daniel Stamm, von der Frühgeborenen- und Kinderintensivmedizin der Professor-Hess-Kinderklinik in Bremen den Vorteil.

Bei einem sogenannten Risikokind für Hüftauffälligkeiten wird deshalb schon bei der U2, nur wenige Tage nach der Geburt, ein Ultraschall, durchgeführt. Dazu zählen zum Beispiel Kinder, bei denen in der Familie Hüfterkrankungen vorkommen oder die vor der Geburt in einer Beckenendlage liegen, was bedeutet, dass das Kind nicht mit dem Kopf nach unten liegt, sondern mit dem Gesäß, wodurch die Beine nach oben gedrückt werden.

"Wird eine dezentrierte Hüfte, also ein ausgekugeltes Hüftgelenk, nicht erkannt, kommt es mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit zu einem Hüftgelenksverschleiß und dadurch zur Hüftgelenksarthrose. Bemerkt wird dies häufig erst im jungen Erwachsenenalter in Form von Hüftgelenks- oder Knieschmerzen", erklärt der Spezialist. Meist kommt man dann um eine Operation nicht herum und es wird unter Umständen am Ende sogar eine Hüftgelenksprothese notwendig. Wird die Fehlbildung hingegen frühzeitig erkannt, kann eine entsprechende Therapie eingesetzt werden.

Hirn und Nieren prüfen

Auch im Gehirn können Schäden mittels Schädelschall entdeckt werden. Dadurch dass die Schädelknochen noch nicht verwachsen sind, ist es bei den Neugeborenen möglich, durch die Öffnungen, die sogenannten Fontanellen, durch die Haut zu schallen. Bei Frühgeburten, bei denen die gesamten Strukturen des Gehirns noch nicht ausgereift sind, kann so unter anderem eine Hirnblutung erkannt oder bei einem behinderten Kind Fehlstrukturen im Gehirn ausfindig gemacht werden. Bei einem zu kleinen oder zu großen Kopf können die Experten nach Ursachen forschen und zum Beispiel eine vorangegangene Infektion erkennen.

Nieren- oder Blasenfehlbildung fallen ohne Ultraschall häufig erst spät auf, wenn es in der Kindheit immer wieder zu Nieren- oder Blasenentzündungen kommt. "Bei Kindern kann es durch eine unentdeckte Fehlbildung durch diese Entzündungen zu einer Blutvergiftung, der sogenannten Urosepsis, kommen", warnt Dr. Stamm. In allen Bereichen hat sich der Neugeborenen-Ultraschall bewährt und die Zahl der Operationen an der Hüfte aufgrund von nicht entdeckten Fehlbildungen, hat sich extrem dezimiert.

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