Brustkrebs : Tumor entfernt und Brust erneuert

Ihre Brust wurde von Spezialist Dr. Peter Paluchowski (re.) rekonstruiert: Krebspatientin Tatjana Buck. Foto: Ruff
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Ihre Brust wurde von Spezialist Dr. Peter Paluchowski (re.) rekonstruiert: Krebspatientin Tatjana Buck. Foto: Ruff

Bei der Operation von Krebs-Patientinnen, wie Tatjana Buck, setzen die Regio Kliniken Pinneberg/Elmshorn auf eine sofortige Rekonstruktion.

shz.de von
24. Oktober 2012, 08:35 Uhr

Pinneberg | Vermutlich würde kein Pinneberger widersprechen, wenn man die Stadt nicht als den Nabel der Welt bezeichnet. Doch von den mittlerweile zehn Brustzentren im Norden ist jenes der Regio Kliniken in Pinneberg mit seiner Zweigstelle Elmshorn als eines der ersten bereits 2005 von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert worden. "Seitdem haben sich die Patientenzahlen verdoppelt", sagt Leiter und Chefarzt Dr. Stefan Geist. Die Einrichtung stünde auch im bundesweiten Vergleich sehr gut da. "Bei einem Benchmarking der DKG unter allen 200 Brustzentren liegen wir bei zehn der elf Indikatoren über dem Durchschnitt, darunter finden sich eine niedrige Rückfallquote, eine gute Früherkennung und sehr wenige Komplikationen." Rund 700 operative Eingriffe würden jährlich vorgenommen, darunter 350 bei Ersterkrankungen.
Besonders stolz ist Geist auf seine Zusammenarbeit mit Chefarzt Dr. Peter Paluchowski, Leiter am Brustzentrum-Standort Pinneberg, zertifizierter Brustoperateur und Spezialist für rekonstruktive Chirurgie. Letztere hat er seit seinem Arbeitsbeginn 2002 konsequent am Standort weiterentwickelt. "Früher hat man die Brust bei Krebs oft entfernen müssen, heute haben wir meistens die Möglichkeit der Erhaltung", sagt er. "In 75 Prozent aller Fälle können wir die Brust allein durch leichte Gewebeverschiebungen erhalten. Hier liegen wir über der bundesweiten Quote von 66 Prozent." Bei den restlichen 25 Prozent der Frauen könne in fast allen Fällen über eine Rekonstruktion die Brust wieder hergestellt werden.
Statt zwei OPs nur ein Eingriff
Der Vorteil des Brustzentrums der Regio Kliniken liegt laut Paluchowski darin, dass all dies in einer einzigen Operation geschehe, während in vielen anderen Kliniken die Brustkrebs-OP und der Wiederaufbau in zwei zeitlich getrennten Schritten erfolgten. "Wir verwenden Eigengewebe aus Bauch oder Rücken, Silikon-Implantate sowie seit neuestem auch Humangewebe, welches allerdings im Gegensatz zu allen sonstigen rekonstruktiven Maßnahmen noch nicht von den Kassen getragen wird", sagt Paluchowski.
Eine von seinen Patientinnen ist Tatjana Buck. Es war nur ein regulärer Kontrolltermin beim Frauenarzt, zu dem die Halstenbekerin 2007 ging. Zwar fühlte sich die heute 47-jährige schon seit einigen Wochen nicht gut, litt unter leichtem Fieber und Müdigkeit. "Aber dabei habe ich mir absolut nichts gedacht", erinnert sie sich. Doch beim Abtasten fand sich in der linken Brust eine Verhärtung. Eine Woche später folgte eine Röntgenuntersuchung (Mammographie) und eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) im Brustzentrum der Klinik für Gynäkologie am Regio Klinikum Pinneberg. "Der Knoten links war nur gutartig - aber in der rechten Brust wurde etwas entdeckt, was zu 50 Prozent ein Tumor sein konnte", sagt Buck. Im Abstand von wenigen Tagen folgte zur genauen Bestimmung eine Entnahme von Gewebe per Hochgeschwindigkeitstanzbiopsie, dann war klar: Tatjana Buck hatte Brustkrebs im Vorstadium.
Die Angst kam vor der OP
"Für mich passierte das alles wie in einem Film, ich habe das gar nicht richtig wahrgenommen, als wenn es jemand anders getroffen hat. Alle haben geweint, und ich habe sie getröstet", erinnert sich Buck. Ihr Mann hingegen sei glücklicher Weise immer gelassen und optimistisch geblieben, habe ihr Halt gegeben. "Denn als ich aus dem Vorgespräch zur Operation kam, habe ich dann doch gedacht, oh, Gott, was jetzt? Ich hatte Angst, dass mein 17-jähriger Sohn ohne Mutter weiterleben muss." Am Tag der Operation nahm Tatjana Buck Abschied von ihrer "alten Brust", wie sie sagt. "Ich war auf Toilette, habe sie noch einmal angefasst, das war schon ein sehr seltsames Gefühl."
Rund drei Stunden dauerte der Eingriff. "Während dessen hat ein Pathologe das entnommene Gewebe untersucht", sagt Operateur Paluchowski. "Daraus hat sich ergeben, dass wir sowohl die Haut als auch die Brustwarze erhalten konnten. Ein Implantat allein hat in diesem Fall jedoch nicht gereicht, dafür war die verbliebene Hautschicht zu dünn." Aus dem Rücken der Patientin habe er etwas Muskel- und Fettgewebe entnommen, mit dem das Brustimplantat umhüllt werden konnte.
Psychologische Hilfe als Unterstützung
"Als ich aufgewacht bin, tat mir erst einmal alles weh. Sehen konnte ich wegen des Verbands ja zunächst nichts", so Buck. "Am nächsten Tag sah das gruselig aus, ich habe da gar nicht hingeschaut und auch nicht angefasst. Das war ja auch alles taub wie ein eingeschlafener Arm." Eine Woche musste Tatjana Buck zur Kontrolle und Regeneration in der Klinik bleiben. Im Anschluss bekam sie eine ambulante Betreuung durch eine Psychoonkologin. "Viele Frauen muss man nach solch einer Operation erst einmal dahin bringen, wieder den Kontakt mit ihrer Brust aufzunehmen", erklärt Geist. "Die Operation bedeutet massiven psychischen Stress, es ist für die Patientinnen schwer, mit der neuen Situation umzugehen."
"Die Schmerzen waren nach acht Wochen weg, aber ich hatte den Eindruck, da sei etwas völlig Fremdes an meinem Körper", erinnert sich Buck. "Außerdem habe ich gedacht, alle Menschen würden mir auf die Brust schauen und eine Veränderung bemerken - was ja Quatsch ist." Drei Monate nach der OP und viele gute Gespräche mit der Psychoonkologin später hatte sie sowohl wieder Gefühl in ihrer Brust, als auch ein Gefühl für ihre Brust. Bestrahlung oder Chemotherapie als Nachbehandlung waren ohnehin nicht nötig, weil das befallene Gewebe komplett entfernt worden war. Sechs Monate nach der Kontrolluntersuchung stand die Telekom-Beamtin wieder im Berufsleben.
Rechtzeitige Diagnose durch Vorsorge
"Mir geht es seitdem sehr gut, meine Brust sieht gut aus", sagt Tatjana Buck selbstbewusst. Geblieben ist einzig eine kleine Narbe. Im sozialen Umfeld habe es viele Reaktionen gegeben, was wohl auch ihrer offenen Art im Umgang mit dem Thema zu verdanken sei. "Ich kenne Verwandte und Bekannte, die ganz plötzlich zur Mammographie gegangen sind", sagt sie lächelnd. Eine regelmäßige Kontrolle möchte Tatjana Buck heute allen Frauen ans Herz legen.

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