Anzeige: Fasten im Februar : Studie zeigt: Verzicht und Selbstdisziplin machen glücklich

Auf die Gesundheit achten wollen und regelmäßig Zucker konsumieren? Das macht nur bedingt glücklich.
Auf die Gesundheit achten wollen und regelmäßig Zucker konsumieren? Funktioniert nicht und macht auch nicht glücklich, sagt Psychologe Wilhelm Hofmann.

Neujahrsvorsätze oder Fastenzeit – aufs Auto, Zucker oder das Handy verzichten soll Stress abbauen.

schoppmeier_jule-.jpg von
07. Februar 2020, 00:01 Uhr

„Die ersten Tage waren wirklich hart, aber danach fühlte ich mich wie neugeboren“ – der Satz ist schon so bekannt, dass man ihn beinahe mitsprechen kann. Fasten liegt im Trend. Hört man sich in seinem Bekanntenkreis um, dann hat schon jede/r Zweite mindestens Erfahrung mit irgendeiner Form des nahrungsbasierten Fastens gemacht.

Übrigens: In diesem Jahr beginnt die offizielle Fastenzeit am 26. Februar und geht bis zum 11. April. Einige fasten aber auch  bereits mit dem Start ins neue Jahr oder in regelmäßigen Abständen im Laufe des Jahres. Das ist abhängig von dem Hintergrund des Verzichts und den individuellen Vorlieben.

Dabei geht es beim Verzicht längst nicht nur ums Essen oder Trinken. „Wissen wachse, Müllberg schrumpfe“ – der BUND ruft auch im Jahr 2020 zum Plastikfasten auf. Der Verzicht auf Plastiktüten, Verpackungen und Mikroplastik soll gegen die 14 Millionen Tonnen Kunststoff ankämpfen, die Deutschland aktuell produziert. Oder wie wäre es mit noch mehr Nachhaltigkeit? Das Auto stehen lassen und stattdessen den Drahtesel bemühen – das ist eine weitere Fastenmethode, die der Umwelt und indirekt auch der eigenen Gesundheit zugute kommt. Denn Plastik im Organismus will keiner haben und auf Autoabgase und schmelzende Polkappen können sowohl Tiere als auch Menschen verzichten.

Beim Verzicht auf den Wagen schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Gesundheit und Umwelt kommt das zugute.
Unsplash/Gabor
Beim Verzicht auf den Wagen schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Gesundheit wird gefördert, die Umwelt geschont.

Verzicht für mehr Dankbarkeit und Gesundheit

Im Mittelpunkt des Fastens steht die Gesundheit, der Glaube oder ein Nachhaltigkeitsgedanke. Im christlichen Glauben wird durch den Verzicht dem Leiden und Sterben Jesu gedacht. Der Fastenmonat Ramadan im Islam zeigt die Abhängigkeit des Menschen zum Schöpfer und im Judentum erinnern gleich mehrere Fastenphasen an die jüdische Geschichte. Dankbarkeit und Besinnung auf die ursprünglichen Dinge sollen erlangt werden.

Auch ohne den religiösen Hintergrund steht besonders der Verzicht auf Nahrung hoch im Kurs. Laut einer DAK-Studie aus dem Jahr 2019 verzichteten viele der 1046 Befragten ab 18 Jahren vorrangig auf Süßigkeiten oder Alkohol. Aber auch Zigaretten und die private Handy- und Internetnutzung stehen auf der Verzichtsliste ganz weit oben. Seit ein paar Jahren rückt auch der Nachhaltigkeitsgedanke immer mehr in den Fokus. Im vergangenen Jahr wollten 20 Prozent der Befragten während der Fastenzeit auf ihr Auto verzichten.

Der größte Anteil der 1046 Befragten über 18 Jahren gab an, während der Fastenzeit auf Alkohol verzichten zu wollen.
Statista

Der größte Anteil der 1046 Befragten über 18 Jahren gab an, während der Fastenzeit auf Alkohol verzichten zu wollen.

Verzicht macht bewiesenermaßen glücklich

Dabei zeigt sich, dass Fasten glücklich machen kann, ganz nach dem Motto: Quantität ist nicht gleich Qualität. Die Lebensmitteldiscounter halten laut einem Lebensmittelreport des Handelsverbands Deutschland aus dem Jahr 2018 in Deutschland pro Standort etwa 60.000 Artikel für den Abnehmer bereit. Da kann die Wahl buchstäblich schon zur Qual werden.

Umso logischer scheint es zu sein, dass Verzicht und eine reduzierte Auswahl aus psychologischer Sicht durchaus bedeutsam und gar entspannend wirken kann. Ein Luxusproblem für Länder voller Überfluss. In Zeiten des Modeworts „Achtsamkeit“ gilt bewusstes Handeln als Non-Plus-Ultra der gesunden Lebensweise. Bewusstes Für oder Wider erfordert Disziplin und Entscheidungsfreudigkeit. Laut einer Studienreihe des „Journal of Personality“ des US-amerikanischen Psychologen Wilhelm Hofmann von der University of Chicago führt Selbstdisziplin zu mehr Glückshormonen.

Beim Wasserfasten wird gänzlich auf Nahrung verzichtet. Nur Wasser wird getrunken.
Unsplash/Jana Sabeth

Beim Wasserfasten wird gänzlich auf Nahrung verzichtet. Nur Wasser wird getrunken.

Sich selbst zu kontrollieren, bedeutet dabei, ein aktuelles Bedürfnis aufschieben zu können, um wichtigeren Dingen nachzukommen. Bei 400 befragten Männern und Frauen zeigten besonders diejenigen eine größere Lebenszufriedenheit, die sich eher zurückhielten, als jene, die sich ihren Sehnsüchten sofort hingaben.

Das war laut Studie besonders dann der Fall, wenn die Sehnsüchte im Konflikt mit höheren Zielen standen. Beispielsweise dem ärztlichen Rat, abzunehmen. Bestellt man sich dennoch eine Pizza mit Käserand und ein Eis zum Nachtisch, so führt das nur zu einer kurzweiligen, jedoch keiner langfristigen Zufriedenheit. Bewusster Verzicht bedeutet laut Studie also in den meisten Fällen ein erhöhtes Wohlbefinden.

Das passiert beim Verzicht auf Nahrung

Reserven werden in „guten Zeiten“ mit regelmäßiger Ernährung und vielen Nährstoffen im Körper gelagert, von denen in Zeiten des Fastens gezehrt wird. Wenn die Muskeln und das Gehirn nach Energie verlangen und keine zusätzliche Nahrung aufgenommen wird, dann braucht der Körper zunächst die Fettspeicher des Körpers auf. Ketose nennt sich der Prozess, bei dem der Körper Alternativenergien mobilisiert, um weiterhin versorgt zu werden.

Eine Low-Carb-Ernährung versucht, auf zuckerhaltige Lebensmittel zu verzichten. Auf dem Speiseplan steht dann viel frisches Gemüse, Fisch und Fleisch.
Unsplash/Louis Hansel

Eine Low-Carb-Ernährung versucht, auf zuckerhaltige Lebensmittel zu verzichten. Auf dem Speiseplan steht dann viel frisches Gemüse, Fisch und Fleisch.

Diesen Stoffwechsel kann man auch langfristig in Gang bringen, sodass die Pfunde auf Dauer purzeln und sich nichts auf den Hüften absetzt. In den Zustand gerät der Körper, wenn auch Zucker verzichtet wird und auf eine Low-Carb-Ernährung geachtet wird. Brot, Pasta und zuckerhaltige Nahrungsmittel sollten dann für eine bestimmte Zeit weggelassen werden. Besonders wichtig ist dabei, den Verzicht nicht zu übertreiben und weiterhin ausgewogen zu essen.

Der menschliche Körper benötigt generell Zucker, um zu funktionieren. Allein das menschliche Gehirn verbrennt 130 bis 140 Gramm Glucose (Zucker) am Tag. In Gemüse, Vollkornprodukten und Milch ist genügend Zucker enthalten, die ein Mensch zum Überleben braucht. Auf Süßigkeiten, Softdrinks und Haushaltszucker kann dagegen gut verzichtet werden.

Wie kann ich fasten?

Wenn der Körper durch Verzicht auf Nahrung gereinigt und entgiftet werden soll oder die Ernährungsgewohnheiten umgestellt, dann sind unterschiedliche Herangehensweisen möglich. Nicht jede Form des Fastens passt dabei zu jedem Menschen. Ein Beratungsgespräch beim Arzt oder Ernährungsberater und ausgiebiges Informieren helfen dabei, die passende Methode zu finden. Grundsätzlich sollte die Fastenzeit genau geplant werden. Wie der Körper auf den Nahrungsentzug reagiert, bleibt jedoch individuell.

Basenfasten

Durch falsche oder ungesunde Ernährung ist der Körper schnell übersäuert. Basenfasten soll das Gleichgewicht des Basen-Säure-Haushaltes wieder herstellen. In rund 14 Tagen wird die Darmgesundheit wiederhergestellt. Die Nahrung besteht dabei aus Gemüse und Obst. Verzichtet wird auf tierische Eiweiße und Getreide. Während der Fastenzeit wird leichte Bewegung empfohlen, zusätzlich sollte viel getrunken werden. Basenfasten ist eine eher mildere Form des Fastens.

Suppenfasten

Ähnlich wie beim Basenfasten wird hier auf Kohlenhydrate verzichtet. Täglich werden leichte Suppen und Säfte zu sich genommen. Der Körper bekommt somit viel Wasser zugeführt. Durch leichten Sport kann viel Fett verbrannt werden.

Intervallfasten

Das Intervallfasten kann unterschiedlich aufgeteilt werden. Entweder wird einen Tag in der Woche lang gefastet und den Rest der Woche normal gegessen. Oder innerhalb eines Tages werden an sechs Stunden die Mahlzeiten regulär eingenommen, danach wird nichts mehr gegessen. Intervallfasten spiegelt das Essverhalten unserer Urahnen wider. Das Essverhalten war stark abhängig von der Jagd, wodurch immer wieder Phasen ohne Nahrungsaufnahme entstanden.

Wasserfasten

Bei dieser Fastenform wird nur in der Vorbereitungsphase Nahrung in kleinen Portionen aufgenommen. Dazu gehört Gemüse, gekochter Reis und Obst. Anschließend wird nur noch stilles lauwarmes Leitungswasser zu sich genommen. Nach der Fastenzeit wird der Körper etappenweise wieder an die feste Nahrung gewöhnt.

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