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Ernährung & Gesundheit

18. Oktober 2017 | 15:19 Uhr

Zahnmedizin : Stressabbau im Schlaf

vom

Nächtliches Zähneknirschen wird meist durch Stress ausgelöst. Das Ergebnis: Abbau der Zahnsubstanz und Schmerzen im Kiefer, Kopf und sogar Rücken.

shz.de von
erstellt am 21.Dez.2012 | 12:19 Uhr

"Zähne zusammenbeißen und durch" - nach diesem Motto handeln viele, wenn unangenehme Situationen bevorstehen. Dass dieses Muster auch den Schlaf durchziehen kann, ist den wenigsten bewusst. Spätestens wenn Betroffene mit morgendlichen Kopf-, Nacken- oder Kieferschmerzen aufwachen, sollte jedoch ein Besuch beim Zahnarzt erfolgen, denn nach Angaben der Bundesärztekammer leidet jeder Zweite - zumindest zeitweise - an nächtlichem Zähneknirschen, in der Fachsprache Bruximus genannt.
Dr. Gundula Körber, Bruximus-Expertin am Zentrum für Integrative Psychologie in Kiel, erklärt: "Bruxismus bezeichnet das unbewusste, meist nächtliche Zusammenpressen oder Reiben der oberen mit den unteren Zähnen. Im schlimmsten Fall kann es zu Entzündungen und Zerstörung der Kiefergelenke kommen." Immerhin ist der Kiefer der kräftigste Muskel im menschlichen Körper und kann einen Druck von bis zu 40 Kilogramm pro Quadratzentimeter auf die Zähne ausüben.

Stress- und Angst-Verarbeitung

Bruximus kann verschiedene Auswirkungen haben. Zum einen äußert sich das Zähneknirschen durch starke Abnutzungserscheinungen an den Zähnen, die eine erhöhte Kariesgefahr und Schmelzrisse bedingen können. Außerdem zieht sich durch den hohen Druck auf die Zähne das Zahnfleisch zurück. Die Folge: Die Zähne werden locker und können ausfallen. Weitere Symptome, so Körber, seien Muskelschmerzen in Gesicht, Hals, Nacken, Rücken und auch Schmerzen und Knacken im Kiefer.
Die Gründe für nächtliches Zähneknirschen sind vielfältig. Physische Ursache können eine Kieferfehlstellung oder falsch sitzende Kronen, Füllungen oder Brücken sein. Daher sollte auch zunächst der Zahnarzt aufgesucht werden. Dieses seien aber nicht die alleinigen Auslöser, erklärt Körber. Wesentlich häufiger sind es psychologische Gründe, wie Stress oder Angst, die durch das nächtliche Zähneknirschen abgebaut werden. Die Physiotherapeutin und Osteopathin Catrin Cappelle aus Eckernförde ergänzt: "Zähneknirschen ist der Ausdruck eines Spannungsphänomens im Körper. Dabei wirkt der Kiefer nachts als Kompensationsmechanismus."

Nächtliches Tragen einer Schiene

Die Behandlungsmöglichkeiten sind zwar vielfältig, es gibt jedoch keine standardisierte Therapie, verdeutlicht Cappelle: "Der Mensch funktioniert als Einheit und muss in seinem Gesamtzusammenhang betrachtet werden. Dabei sind innere und äußere Einflüsse, die das Zähneknirschen hervorrufen, zu analysieren. Daraufhin kann eine individuelle Therapie erfolgen."
Zunächst hilft eine vom Zahnarzt verschriebene und vom Zahntechniker gefertigte Aufbiss-Schiene, die in der Nacht für eine gleichmäßige Belastung der Kiefermuskeln sorgt und die weitere Abnutzung der Zähne verhindert. Darüber hinaus ist es wichtig die Ursachen des Zähneknirschens zu verringern. Das kann durch eine Physiotherapie oder auch durch Entspannungstechniken, wie Autogenes Training, erreicht werden. "Ziel ist es die Stressfaktoren zu verringern, sodass sich die Kieferfunktion wieder normalisieren kann", erklärt die Osteopathin.

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