Klassifizierung, Ursachen, Maßnahmen : Stress, Gewicht, Bluthochdruck: Gegen Rückenschmerzen kann man viel tun

Probleme im Rücken müssen zuerst lokalisiert werden.

Probleme im Rücken müssen zuerst lokalisiert werden.

Problem erkannt, Problem gebannt. Bei Rückenschmerzen gibt es aber nicht nur viele Maßnahmen, sondern auch viele Ursachen.

Lisa-Marie Spring von
19. Oktober 2018, 14:02 Uhr

Rückenschmerzen gelten in Deutschland als Volkskrankheit. Die Ursachen dafür scheinen bekannt zu sein. Es wird immer wieder festgestellt, dass vor allem Berufstätige, die viel vorm Computer sitzen, und Menschen, die wenig Sport machen, häufig unter Rückenschmerzen und ständig neue Behandlungsmethoden und Mittel auf den Markt kommen, nimmt die Anzahl der Leidenden seit Jahren zu. Grund genug also, um das Thema Rückenschmerzen mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Rückenschmerzen klassifizieren

Zunächst sind Rückenschmerzen in zwei Gruppen zu unterteilen: die spezifischen, die durch Verletzungen, Erkrankungen und Fehlstellungen entstehen und die unspezifischen, deren Ursache Verspannungen, Reizungen oder Verhärtungen sein können. Vor allem spezifische Rückenschmerzen sollte man schnellstmöglich durch einen Arzt, in der Regel durch einen Orthopäden, behandeln lassen.

Unspezifische Rückenschmerzen treten allerdings deutlich häufiger auf und Betroffene können selber viel dagegen unternehmen. Bilden sich die Schmerzen nach ein bis zwei Wochen allerdings nicht von alleine zurück und verschlimmern sich sogar, empfiehlt sich auch hier der Gang zum Arzt.

Bewegung an der frischen Luft ist in vielerlei Hinsicht wichtig für die Gesundheit.
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Bewegung an der frischen Luft ist in vielerlei Hinsicht wichtig für die Gesundheit.

 

Zudem lassen sich Rückenschmerzen durch ihre Dauer klassifizieren: Akute Rückenschmerzen verschwinden nach spätestens sechs Wochen. Dauern sie länger, aber nicht mehr als drei Monate, bezeichnet man sie als subakut. Chronisch sind sie dann, wenn sie länger als drei Monate bestehen.

Die Wirbelsäure lässt sich in fünf Bereiche unterteilen. Über dem Steiß- und dem Kreuzbein liegt die Lendenwirbelsäule (unterer Rücken). Sie ist meistens die Problemzone, wenn es um Rückenschmerzen geht. Die darüber liegende Brustwirbelsäule führt sehr selten zu Beschwerden, die Halswirbelsäule (Nacken) schon eher häufiger. Aber Vorsicht: Bei dumpfen, bewegungsunabhängigen Schmerzen, die seitlich der Wirbelsäule im Lendenbereich auftreten, kann es sich auch um Nierenschmerzen handeln.

Den Schmerzen entgegenwirken

Damit es gar nicht erst zu den (unspezifischen) Schmerzen kommt, kann man ihnen durch Ursachenbekämpfung präventiv entgegenwirken. Aber auch dann, wenn es bereits weh tut, können folgende Maßnahmen helfen.

Bewegung

Es ist keine große Überraschung: Bewegung ist gut für die (Rücken-)Gesundheit. Umstritten ist allerdings die Frage, ob es "falsche" Bewegungen gibt. Wichtig zu wissen ist, dass die Muskulatur sich auch mal entspannen muss und Bewegungsabläufe vielseitig – auf keinen Fall eintönig – sein sollten. So verhindert man eine Überbelastung mit Rückenschmerzen als Folge.

Wer bereits unter Beschwerden leidet, sollte, sofern es nicht ausdrücklich durch den Arzt angeordnet wurde, nicht auf Bettruhe zur Genesung setzen, sondern besser in Bewegung bleiben und vor allem die nicht schmerzenden Körperbereiche mobilisieren.

Sitzhaltung

Etwa 34 Prozent der Deutschen ab 18 Jahren mit Rückenschmerzen gehen davon aus, dass das viele Sitzen am Schreibtisch während der Arbeit eine Ursache für ihre Beschwerden ist. Daher sollte man jede Gelegenheit nutzen, um mal aufzustehen und in Bewegung zu kommen. Außerdem ist es wichtig, dass man häufig seine Sitzposition ändert. Auch das hat damit zu tun, dass man keine Muskelgruppe überbelasten sollte.

Wichtig ist außerdem die richtige Einstellung des Bürostuhls: Man sollte so hoch sitzen, dass die Kniegelenke leicht unter den Oberschenkeln sind und die Fußsohlen einen festen Kontakt zum Boden haben. Außerdem sollte die Sitztiefe es erlauben, dass zwischen Wade und Sitz nicht mehr als drei Finger passen. Die Rückenlehne sollte flexibel sein. Wer sich während der Arbeit öfters mal gegen sie lehnt, entlastet dabei den Rücken.

Maus und Tastatur sollte man erreichen, wenn die Ellenbogen in einem rechten Winkel gebeugt sind. Der obere Rand des Computerbildschirms sollte sich maximal auf Augenhöhe befinden.

Körpergewicht

Je mehr ein Mensch wiegt, desto mehr Gewicht muss bei jeder Bewegung getragen werden und die Muskulatur wird stärker belastet. Daher gilt auch Übergewicht als häufige Ursache für Rückenschmerzen und sollte vermieden werden.

Psychische Verfassung

Viele Menschen sehen Stress als Ursache für ihre Rückenprobleme an. Durch Stress nimmt man Schmerzen weniger wahr und bemerkt es so vorerst nicht, wenn man sich langfristig in einer ungünstigen Körperhaltung befindet. Vor allem dann, wenn man sich in Stresssituationen wenig bewegt – den Stress nicht abbaut –, kann der Schaden besonders groß sein.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass laut einer Satista-Studie Yoga mit am häufigsten als effektive Maßnahme gegen Rückenschmerzen von Betroffenen genannt wird. Yoga verhilft zu mehr Beweglichkeit und mehr Entspannung.

Ernährung

Nicht nur im Bezug auf das Körpergewicht spielt die Ernährung bei Rückenschmerzen eine wichtige Rolle. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung und die regelmäßige Aufnahme von Flüssigkeit sind ebenfalls wichtig, um die Knochen zu stärken – dafür braucht der Körper Kalzium – und damit zum Beispiel die Bandscheiben, die zu einem Großteil aus Wasser bestehen, intakt bleiben.

Schlaf

Es ist nicht nur wichtig, dass man für einen schmerzfreien Rücken entspannt und ausreichend schläft, auch auf was man schläft, ist entscheidend. Das Lattenrost sollte verstellbar sein, damit man es seiner Schlafposition anpassen kann. Bei Rückenschläfern sollten die Verstellschieber eine V-Form haben, die sich zur Kopfseite öffnet. Bei Bauchschläfern sollten sie allesamt nach außen geschoben werden.

Auch die Wahl der Matratze ist entscheidend. Hier lohnt sich die Beratung durch einen Experten, denn es gibt viele unterschiedliche Faktoren, die zu beachten sind. Es gibt zwar sicher für jeden die richtige Matratze, aber eben nicht die eine richtige für alle. Tests von Stiftung Warentest haben gezeigt, dass Matratzen häufig empfehlenswerter sind als Boxspringbetten.

Schuhwerk

Einen großen Einfluss auf das Rückenwohl haben außerdem Schuhe. Als Laie ist es nicht immer einfach zu erkennen, ob und wie rückenfreundlich ein Schuh ist. Auch hier lohnt sich der Gang zum Fachhändler.

Klar ist aber: Wenn ein Schuh drückt oder zu groß ist, dann passt er nicht. Im besten Fall ist er ergonomisch und angepasst an die Anatomie des Fußes. Außerdem sollte er dämpfend und flexibel sein. Doch leider passiert es nicht selten, dass ein Schuh diese Eigenschaften schnell verliert. Bei natürlichen und/oder hochqualitativen Materialien ist das aber weniger der Fall. Sie sind sehr nachhaltig.

Auch die Ernährung spielt bei Rückenschmerzen eine Rolle. Spinat ist gut, da er viel Kalzium enthält.
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Auch die Ernährung spielt bei Rückenschmerzen eine Rolle. Spinat ist gut, da er viel Kalzium enthält.

 

Viele Rückenleidende empfehlen außerdem Physio-Tapes und Wärmepflaster, Medikamente, die Behandlung durch einen Chiropraktiker oder Osteopathen und Akupunktur. Bei Medikamenten wird meistens nicht die Ursache, sondern der Schmerz bekämpft. Viele greifen dann zu Schmerzmitteln und -salben.

Im Rahmen einer Statista-Studie von 2016 hat man die häufigste Nebendiagnosen von Patienten mit Hauptdiagnose Rückenschmerzen in deutschen Krankenhäusern untersucht. Mit Abstand am häufigsten lautete die Nebendiagnose Bluthochdruck. Weitere Diagnosen bezogen sich unter anderem auf Probleme mit den Bandscheiben.

Ursachen herausfinden durch Ausprobieren

Letztendlich gibt es viele Ursachen, die zu Rückenschmerzen führen können. Kurzfristig hilft es, wenn man sich ausprobiert und zum Beispiel die Körperhaltung oder die Einstellung der Matratze verändert. Auch das Führen eines Schmerztagebuchs kann helfen, um Muster zu erkennen. Wer langfristig unter Rückenschmerzen leidet, sollte sich aber in professionelle Behandlung begeben, um langfristige gesundheitliche Schäden zu vermeiden. 

Eine wohltuende Massage entspannt nicht nur die Muskulatur, sondern auch den Geist.
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Eine wohltuende Massage entspannt nicht nur die Muskulatur, sondern auch den Geist.

(Mit Statista, rueckenschmerz-wissen.de, special-rueckenschmerz.de, apotheken-umschau.de)

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