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Zahnmedizin : Streit um professionelle Zahnreinigung

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Experten sind sich uneinig, wie sinnvoll die Reinigung tatsächlich ist. Egal, wie ihre Entscheidung ausfällt, die eigene Mundhygiene darf dennoch nicht vernachlässigt werden.

Kiel | Zahnärzte empfehlen sie ihren Patienten, doch die Wirkung der professionellen Zahnreinigung, kurz PZR, ist umstritten. Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. kommt in einer kürzlich veröffentlichten Bewertung zu dem Ergebnis, dass die Wirkung bei Erwachsenen ohne Parodontitis (Abbau des Zahnhalteapparates) "unklar" ist.
"Es gibt bisher keine aussagekräftigen Studien, die untersucht haben, ob die PZR die Zahngesundheit tatsächlich positiv beeinflusst", erklärt Pressesprecherin Christiane Grote. Der Präsident der Zahnärztekammer in Schleswig-Holstein, Dr. K. Ulrich Rubehn, ist da anderer Meinung: "Eine PZR unterstützt die Maßnahmen zur vollständigen Beseitigung aller bakteriellen Beläge auf den erreichbaren Zahnoberflächen. Besonders für Patienten mit hohem Kariesrisiko und entzündlichen Erkrankungen des Zahnhalteapparates, wie Parodontitis, ist sie deshalb die wichtigste Maßnahme eines oralprophylaktischen Hygienemanagements".

Das Putzen ist dennoch unverzichtbar

Zudem verweist Rubehn darauf, dass sich die Mundgesundheit der schleswig-holsteinischen Bevölkerung in den letzten Jahren durch zahnmedizinische Präventionsmaßnahmen deutlich verbessert habe. "Insbesondere vor dem Hintergrund, dass in der erwachsenen Bevölkerung etwa 50 bis 70 Prozent an parodontalen Erkrankungen leiden und diese in der wissenschaftlichen Literatur in einem kausalen Zusammenhang mit Erkrankungen wie dem Diabetes mellitus benannt werden, gibt es keine Zweifel über den medizinischen Nutzen einer PZR", stellt er heraus.
Gregor Bornes, Patientenberater bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschlands, hat sich auf den Bereich Zahnmedizin spezialisiert. "Eine PZR kann durchaus die tägliche Mundhygiene zuhause unterstützen. Wenn ich aber meine Zähne nicht gründlich putze, nützt sie mir nichts. Umso wichtiger ist die ärztliche Anleitung zur richtigen Mundhygiene", bringt es der Experte auf den Punkt. Menschen mit Parodontitis könnten zwar von einer PZR profitieren, aber auch hier gelte: sie müssen gut putzen. "Denn bereits nach 48 Stunden wachsen entfernte Zahnbeläge wieder nach".

Der Griff in den eigenen Geldbeutel

Die gesetzlichen Krankenkassen tragen bei Erwachsenen die Kosten für folgende Maßnahmen: zweimal jährlich eine Untersuchung der Zähne, einmal jährlich die Zahnsteinentfernung und jedes zweite Jahr die Untersuchung des Zahnhalteapparates. Dieses Angebot wird von vielen Zahnärzten als unzureichend angesehen. So wurde die professionelle Zahnreinigung Anfang 2012 in die Gebührenordnung für Zahnärzte als eine medizinisch notwendige Maßnahme aufgenommen.
Die Kosten für diese prophylaktische Leistung werden jedoch von den gesetzlichen Krankenkassen meist nicht übernommen. Einige finanzieren sie im Rahmen von freiwilligen Leistungen. Je nach Anzahl der Zähne kostet sie zwischen 35 und 120 Euro pro Sitzung. Doch was verbirgt sich hinter einer PZR? Sie ist eine Intensivreinigung mit Spezialinstrumenten, die krank machenden oder kosmetisch störenden Belag auf der Zahnoberfläche entfernt. Ebenfalls werden die Zähne poliert und fluoridiert.

Zahnpflege sollte Priorität haben

Am Anfang stehen zunächst eine gründliche Untersuchung der Mundhöhle und des Zahnsystems. Art und Umfang der festgestellten Beläge und vorhandenen Zahnfleischtaschen bestimmen dann das weitere Vorgehen, je nach individueller Situation des Patienten. Eine PZR dauert im Regelfall bei Erwachsenen rund eine Stunde. Üblich sind jährliche oder halbjährliche Termine im Rahmen einer Prophylaxebetreuung. Manchmal können häufigere Zeitintervalle nötig sein. Aber sich bei der persönlichen Zahnpflege allein auf die PZR zu verlassen, reicht nicht aus. Patienten müssen für ihre Mundgesundheit auch selbst aktiv werden.
Die Bundeszahnärztekammer empfiehlt neben einer gesunden Ernährung eine gründliche und regelmäßige Zahnpflege mit einer Zahnpasta mit Fluorid und Wirkstoffen gegen Plaquebakterien sowie das Benutzen von Zahnseide und/oder Zahnzwischenraumbürsten. Außerdem sei alle sechs Monate eine Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt fällig. "Pflege, Kontrolle und professionelle Zahnreinigung sind der beste Weg zu umfassenden Schutz vor Karies und Parodontitis", rät die Bundeszahnärztekammer.

Patienten, die Fragen zum Nutzen der PZR haben, können sich bei ihrem behandelnden Zahnarzt, der Patientenberatungsstelle der schleswig-holsteinischen Zahnärzte oder bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschlands näher zum Thema informieren.

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erstellt am 21.Dez.2012 | 12:19 Uhr

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