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Sommer bewusst erleben : Strandleben trotz Tumortherapie

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Sommer, Sonne, Strand: Auch Patienten, die eine Krebsbehandlung durchmachen, können den Sommer genießen - wenn sie sich an einige Regeln halten.

shz.de von
erstellt am 08.Jun.2012 | 11:45 Uhr

Die Sonne lacht und viele Menschen tun es auch: Wärme und Licht sind Balsam auf die von Winterkälte noch geschundenen Seelen. Doch ausgerechnet diejenigen, die die Erholung am meisten brauchen, sitzen jetzt oft drinnen: Patienten, die an Krebs erkrankt sind, gehen der Sonne häufig aus dem Wege, denn während der Chemotherapie können sie leichter als sonst einen Sonnenbrand bekommen, und nicht selten lösen Medikamente unter dem Einfluss von UV-Strahlung eine Sonnenallergie aus.
Dennoch raten Experten den Betroffenen, jetzt an die frische Luft zu gehen und den Sommer trotz aller notwendigen Einschränkungen bewusst zu erleben. Das stärke Psyche und Körper gleichermaßen. "Wer vorbeugende Regeln beachtet, notwendige unterstützende Maßnahmen rechtzeitig einsetzt und sich der direkten Sonne nur in Maßen aussetzt, kann die schönen Tage genießen", empfiehlt etwa die Deutsche Krebsgesellschaft.
Viel Flüssigkeit und mehrere kleine Mahlzeiten am Tag
Professorin Petra Feyer, Fachärztin für Nuklearmedizin an der Berliner Charité, rät den Betroffenen den Belastungen durch sommerliche Hitze und Therapie gezielt entgegen zu wirken. "Viel Flüssigkeit ist besonders wichtig, daneben den Körper nicht durch große Mahlzeiten belasten. Besser sind mehrere kleine Mahlzeiten." Ihre Flensburger Kollegin Nadezda Basara, Chefärztin am St. Franziskus-Hospital empfiehlt den Patienten, direkte Sonne "zwischen 11 und 16 Uhr" zu meiden. Sonnenhüte, -schirme und Sonnenschutzcreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor (15 bis 30) helfen, den Körper vor zuviel sommerlichem Stress zu bewahren. "Gänzlich aufs Sonnenbaden verzichten muss aber niemand", sagen die Expertinnen: "Letztlich ist alles eine Frage der Dosis." Auch Baden im Meer oder in Seen ist erlaubt, nicht aber im Schwimmbad.
Wer sich trotz aller Vorsicht, trotz Meeresrauschen und entspannender Brise aber matt und abgeschlagen fühlt, wer vielleicht sogar unter Fieber, Übelkeit oder Schwindel leidet, der sollte sofort zu seinem behandelnden Arzt gehen. Mediziner begleiten die Patienten während ihrer ambulanten Therapie und sind die wichtigsten Ansprechpartner, wenn es um individuelle Fragen der Lebensqualität geht. "Schon vor einer Chemotherapie finden zwischen Arzt und Patient umfangreiche Beratungsgespräche statt", erläutert Dr. Janka Benk, Oberärztin am St.Franziskus-Hospital. "Dann folgt die Gabe von Begleitmedikamenten zur Optimierung der Therapieverträglichkeit."
Chronisch erschöpft, matt und abgeschlagen
So bekommen die Betroffenen etwa Infusionen, um die Nieren durchzuspülen, und vorbeugend Medikamente gegen Übelkeit. Benk: "Es gibt heute so wirksame Arzneien, dass eigentlich niemand mehr unter Übelkeit leiden muss. Allerdings glauben viele, sie müssten die Nebenwirkungen klaglos hinnehmen." Dabei reicht zumeist schon ein Hinweis an das medizinische Personal aus, um Abhilfe zu schaffen. Gegen die möglichen und im Sommer besonders schlimmen Schleimhautveränderungen im Mund empfehlen die Medizinerinnen, schon während der Infusion Eiswürfel zu lutschen. Daneben verweisen sie auf spezielle Mundspülungen, die die Situation erträglicher machen.
Trotz aller Vorsorge: Viele Patienten sind während und nach der Therapie chronisch erschöpft, müde, matt und abgeschlagen. Das sommerliche Wetter kann das verstärken. Nicht wenige Menschen erleben jetzt aber auch einen Aktivitätsschub. Die Stimmungslage hellt sich auf. Letztlich reagiert jeder ganz individuell. "Deshalb ist es immer das Wichtigste, den Patienten eng zu begleiten", sagt Janka Benk. Sie ist überzeugt: Trotz aller Schwierigkeiten ist die "Chemotherapie ein wertvoller Baustein um Krebs zu heilen, Beschwerden zu lindern und Lebenszeit zu schenken".

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