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Angeborene Herzfehler : Sport für herzkranke Kinder

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Herzerkrankungen und sportliche Betätigung passen für viele zunächst nicht zusammen. Mittlerweile wissen Ärzte, dass Sport durchaus sinnvoll sein kann.

Sport und Herzerkrankungen schließen sich nicht gegenseitig aus. Dr. Gunther Fischer, Kardiologe am Uniklinikum in Kiel, bestätigt, dass die Empfehlungen der Ärzte sich geändert haben. Die früher ausgesprochenen Sportverbote seien überholt. "Mit dem zunehmenden medizinischen Wissen um einzelne angeborene Herzerkrankungen und auch der zunehmend besseren Behandlungsmöglichkeit wuchs auch das Wissen um die Bedeutung der sportlichen Betätigung für die körperliche und soziale Entwicklung im Kindes- und Jugendlichenalter." Darum gelte das Prinzip einer "größtmöglichen Schonung" nicht mehr. Sie habe letztendlich vor allem "zur Stigmatisierung der Patienten, etwa durch Ausgrenzung in der Schule, geführt".
Auch Dr. Peter Müller, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Kinderkardiologe aus Kiel, erklärt: "Sport ist immer sinnvoll. Manche Menschen sind von ihrer Herzerkrankung kaum beeinträchtigt", bei anderen wiederum müsse man sehr auf das Pensum achten. Eine geringe bis gar nicht vorhandene Beeinträchtigung tritt beispielsweise auf, wenn eine Korrektur-Operation vorgenommen werden konnte. Beide Ärzte weisen darauf hin, dass in Einzelfällen immer noch Sportverbote notwendig sein können. Jedoch werde versucht, dieses zumindest "zeitlich zu beschränken - etwa vor einem größeren operativen Eingriff", sagt Fischer. Grundsätzlich sei es immer gut, das Herzkreislaufsystem zu trainieren, ergänzt Müller.

Von Fall zu Fall abwägen

Wie viel und in welcher Form Sport betrieben werden kann, hängt also von der jeweiligen Herzerkrankung ab. Wichtig ist es, dies mit dem behandelnden Kardiologen abzusprechen und gegebenenfalls seine Empfehlung einzuholen. Diese kann dann beispielsweise eine sportliche Betätigung grundsätzlich befürworten, aber von Hochleistungssport oder Kraftsport abraten. Gerade bei Kindern sei allerdings festzustellen, "dass es Patienten gibt, die sich aufgrund ihres Herzfehlers selbst begrenzen", sagt Fischer. Damit ist gemeint, dass sie "sehr gut selbst und gefahrlos ihre körperlichen Leistungsgrenzen einschätzen können".
Müller kann diese Beobachtung bestätigen, weist aber auch auf Schwierigkeiten mit älteren Kindern ab etwa 10 Jahren hin, die das Bedürfnis haben, normal zu sein und alles genauso zu können, wie ihre Freunde, die keine Erkrankungen haben. Hier rät er den Eltern, "immer mit den Kindern in Kontakt zu bleiben und das Gespräch darüber suchen". Eine weitere Möglichkeit sind Belastungsuntersuchungen, in denen die Kinder unter ärztlicher Aufsicht ihre Grenzen kennenlernen, um sie im Alltag nicht zu überschreiten. Auch Fischer sieht Gefahren, wenn Kinder im Alltag beginnen, ihre Grenzen herausfinden zu wollen. Dies berge Gefahren wie den plötzlichen Herztod - und müsse darum unbedingt vermieden werden. Doch er spricht sich zur Vorbeugung ebenfalls für eine "einfühlsame Betreuung und Förderung" aus.
Eine angemessene Betreuung sehen die beiden Ärzte in der Kinderherzsportgruppe in Bordesholm. Organisiert wird sie von der Kinder-Herz-Hilfe Schleswig-Holstein. Hier werden die Kinder "in vielerlei Hinsicht gefördert und an adäquate sportliche Betätigung herangeführt", sagt Fischer. Außerdem wird dort nach Müller dafür gesorgt, dass die Kinder aufgrund fehlender Bewegung keine Defizite im Koordinationsvermögen entwickeln, das käme durch erteilte Sportverbote durchaus vor.

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erstellt am 05.Jun.2013 | 09:38 Uhr

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