Arbeit mit Taubstummen : Soziales Jahr in Entenhausen

Barbara Lauritzen freut sich darauf, nach dem Abi erstmal für den guten Zweck zu arbeiten - 'raus aus dem Mama-Papa-Trott'. Foto: Kahlen
Barbara Lauritzen freut sich darauf, nach dem Abi erstmal für den guten Zweck zu arbeiten - "raus aus dem Mama-Papa-Trott". Foto: Kahlen

Barbara Lauritzen aus Freienwill arbeitet ab September ein Jahr lang im norwegischen Andebu mit taubstummen Menschen.

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07. Juni 2013, 10:57 Uhr

Freienwill | Ihre Trompete darf sie auf keinen Fall vergessen, wenn sie abreist. Das Instrument muss mit, wenn Barbara Lauritzen aus Freienwill sich im September auf den Weg nach Norwegen macht, denn sie will es in Andebu - "das heißt auf Deutsch Entenhausen, das finde ich total lustig" – in ihre Arbeit einbeziehen.
Am 1. September geht es erstmal zum Vorbereitungsseminar nach Berlin, zwei Wochen lang. Dann geht der Flieger nach Oslo, wo ein weiteres Seminar folgt - und bald darauf lernt Barbara Andebu kennen, das etwas über 100 Kilometer südlich von der Hauptstadt liegt. Hier wird die 18-Jährige, die an der Handelslehranstalt in Flensburg gerade Abi mit den Schwerpunkten Mathe und BWL macht, ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) leisten. Sie entschied sich nicht wie viele andere Freiwillige für Afrika, Asien oder Australien, sondern bleibt in Europa. In Norwegen aber wartet eine besondere Aufgabe auf sie: Sie wird in der Einrichtung der "Signo"-Stiftung mit taubstummen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen arbeiten, ihre Freizeit mitgestalten - und hier könnte ihre Trompete zum Einsatz kommen, bei einem Band- oder Theater-Projekt.

"Ich wollte schon immer mal nach Norwegen"

Barbara, die im TSV Hürup Handball spielt und Mitglied des Posaunenchors Hürup-Rüllschau ist, sagt: "Ich wollte schon immer mal nach Norwegen, irgendwie zieht es mich nach Skandinavien. Ich spreche gut Dänisch." Doch auch speziell die Aufgabe, die sie erwartet, hat sie ganz bewusst gewählt: "Die Organisation Sühnezeichen gefiel mir von Anfang an gut. Für sie leistet man als Freiwilliger Dienst, damit die Geschichte nicht vergessen wird. Die Nazi-Zeit war ja auch in Norwegen Thema, wegen der deutschen Okkupation. Diesen historischen Hintergrund fand ich sehr interessant." Sie ergänzt: "Aber der Grund für das FSJ ist auch, dass ich auf eine Wirtschaftsschule gehe und noch nicht weiß, ob ich doch lieber im sozialen Bereich arbeiten will. Das möchte ich mit dem FSJ herausfinden, mal was ganz anderes ausprobieren."
Zur Einrichtung in Andebu gehören eine Sonderschule für Taubstumme, Blinde und Menschen mit weiteren Behinderungen, ein Internat für Gehörlose und auch Werkstätten. Zudem gibt es Wohnhäuser. Beim vorherigen Seminar in Oslo wird Barbara auch noch ein wenig Norwegisch und Gebärdensprache erlernen. "Meine Aufgabe in Andebu ist es dann, die Betreuer der behinderten Menschen zu unterstützen, mit ihnen Ausflüge zu unternehmen, in den Werkstätten zu helfen."

"Da gibt es bestimmt auch Konflikte - trotzdem freue ich mich"

Ganz allein ist sie dort nicht: Eine weitere Freiwillige - noch weiß Barbara nicht, wer es ist - wird mit ihr in einem einige Kilometer von der Einrichtung entfernten Haus wohnen und hat dieselben Aufgaben. "Wir wohnen im so genannten Freiwilligenhaus. Von dort können wir mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Jeder von uns bekommt dort zwei Abteilungen zugeteilt." Sie sei aber von früheren Freiwilligen schon vorgewarnt worden: "Da ist quasi nichts, es ist einsam, man hat nicht allzu viele Kontakte", weiß Barbara nun. Andebu gelte zwar als Kleinstadt, "es gibt aber nur drei Frisöre, einen Einkaufsladen und eine Tankstelle. Aber da habe ich kein Problem mit". Über etwas anderes mache sie sich aber durchaus Gedanken: "Ich habe auch Ängste, denn die Arbeit mit den Menschen dort ist bestimmt nicht leicht. Es ist eine große Herausforderung, da gibt es bestimmt auch mal Konflikte - aber ich freue mich trotzdem total."
In Andebu bekommt Barbara ein Taschengeld und Verpflegung. Im Vorhinein muss sie - wie bei vielen Auslandsaufenthalten von Organisationen üblich - "Paten" sammeln, um ihren Aufenthalt zu finanzieren. "15 müssen es sein, die pro Monat 15 Euro geben. Ich habe eine große Familie und deshalb zum Glück schon viele gefunden", sagt sie lächelnd. "Die letzten fünf werden vielleicht etwas schwieriger."
Im Oktober hatte sie sich für das FSJ beworben, besuchte daraufhin ein viertägiges Auswahl-Seminar - und bekam schon eine Woche später die Zusage. "Ich wollte nach dem Abi einfach ein Jahr Pause machen, arbeiten, mal aus dem Mama-Papa-Trott raus", betont Barbara. Sie hätte auch gern etwas mit älteren Menschen gemacht, sagt sie, "aber das hier finde ich genauso spannend. Ich denke, allein die Erfahrungen, die ich sammle, werden mich unglaublich prägen".

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