Anzeige: Klinikum Nordfriesland : So wird Darmkrebs behandelt: Husumer Chefarzt Dr. Ulf Niemann im Interview

Eine Ultraschall-Untersuchung ist eine sehr gute Technik zur Erkennung von Veränderungen an Organen und Strukturen im Bauchraum.

Eine Ultraschall-Untersuchung ist eine sehr gute Technik zur Erkennung von Veränderungen an Organen und Strukturen im Bauchraum.

Darmkrebs tritt sehr häufig auf. Wird dieser diagnostiziert, erfolgt zunächst die stationäre Einweisung ins Klinikum.

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28. November 2019, 00:01 Uhr

Husum | Die Zahl der jährlich neu auftretenden Krebserkrankungen ist insbesondere infolge des Überalterungsprozesses der deutschen Bevölkerung gestiegen. Derzeit ist die jeweils zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen und Männern der Darmkrebs.

Jährlich erkranken insgesamt etwa 476.000 Menschen neu an Krebs. Der Krankheitsverlauf hängt vielfach vom Zeitpunkt der Entdeckung einer Krebserkrankung ab. Je früher Krebs erkannt und die oder der Betroffene einer qualifizierten Behandlung zugeführt wird, desto größer ist die Aussicht auf einen Heilerfolg. Zu den Rahmenbedingungen und der Vorgehensweise in der Klinik Husum ein Interview mit Dr. Ulf Niemann, dem neuen Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie an der Klinik Husum:

Seit dem 01. Oktober 2019 leiten Sie, Herr Dr. Niemann, die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie der Klinik Husum. Was verbirgt sich eigentlich genau hinter dem Begriff „Viszeralchirurgie“?

Der Ausdruck nimmt Bezug auf das Lateinische. Gemeint ist die Chirurgie der Eingeweide. Früher wurde das Fachgebiet als Bauchchirurgie bezeichnet.

Womit beschäftigen Sie sich innerhalb Ihres Fachgebietes genau?

Zur Viszeralchirurgie gehören die Behandlung sämtlicher chirurgisch behandelbarer Erkrankungen der Bauchhöhle sowie die der Schilddrüse. In meiner Klinik befassen wir uns intensiv mit Operationen des gesamten Verdauungstraktes von der Speiseröhre bis zum Enddarm. Einen großen Anteil nehmen Operationen bei bösartigen Darmtumoren, also Darmkrebs, ein.

Welche Operationen werden außerdem noch durchgeführt?

Eine besondere Expertise besteht zudem in der Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen und in der Operation von Bauchspeicheldrüsenerkrankungen.

Mit Hilfe einer Lupenbrille kann Dr. Ulf Niemann sehr feine Gewebestrukturen, wie zum Beispiel bei einer Operation an der Schilddrüse, erkennen.
Klaus Kasparek

Mit Hilfe einer Lupenbrille kann Dr. Ulf Niemann sehr feine Gewebestrukturen, wie zum Beispiel bei einer Operation an der Schilddrüse, erkennen.

Lassen sie uns vielleicht zunächst über das Thema Darmkrebs und die operativen Behandlungsmöglichkeiten der Erkrankung sprechen. Woran merkt der Patient, dass bei ihm möglicherweise eine Tumorerkrankung im Darm vorliegt?

Das häufigste Symptom eines Tumors im Darm ist Blut im Stuhl. Dieses wird entweder vom Patienten direkt bemerkt oder es wird bei einer Stuhluntersuchung auf okkultes Blut festgestellt.

Verursacht ein Darmtumor Schmerzen?

Nein. Zumeist nicht. Gerade deshalb ist die Darmkrebsvorsorge durch eine Darmspiegelung bei einem spezialisierten Internisten, dem Gastroenterologen, so überaus wichtig. Der Gastroenterologe hat mit der Darmspiegelung die Möglichkeit, den gesamten Dickdarm- und sogar Anteile des Dünndarms einzusehen und kann somit einen möglichen Tumor lokalisieren. Darüber hinaus können bei der Darmspiegelung bereits Vorstufen einer Darmkrebserkrankung, die Dickdarmpolypen, abgetragen und entfernt werden.

Aus diesen Polypen im Darm entsteht der Darmkrebs?

Er kann daraus entstehen. Polypen im Darm können sich im Laufe der Zeit verändern und – wie wir sagen – bösartig entarten.

Das Wachstum der einzelnen Zellen verläuft dann viel schneller als gewöhnlich und unkontrolliert. Im Darmbereich können zum Beispiel Blutungen auftreten. Unter Umständen kann ein heranwachsender Tumor den Darm auch komplett verschließen – der Patient erleidet dann einen Darmverschluss, der zeitnah operativ behandelt werden muss.

Nehmen wir einmal an, dass bei einer Darmspiegelung eine Darmkrebserkrankung festgestellt wird. Wie verläuft die chirurgische Behandlung?

Es erfolgt die stationäre Einweisung ins Klinikum. Für den operativen Eingriff ist eine Reihe von vorbereitenden Untersuchungen erforderlich. Blutentnahme, EKG und Computertomographie des Bauches sind heute gängige Untersuchungen, die erforderlich sind, um sich einen genauen Überblick über das Ausmaß der Erkrankung zu verschaffen. Nachdem diese Untersuchungen erfolgt sind, wird ein ausführliches Gespräch zwischen Patient und Chirurg über die geplante Operation und zwischen Patient und Narkosearzt über die vorgesehenen Narkoseverfahren geführt.

Werden alle Operationen in Vollnarkose durchgeführt?

Im Bereich der Bauchchirurgie handelt es sich immer um die sogenannte „Vollnarkose“. Bei Eingriffen an Armen und Beinen oder bei zum Beispiel Leistenbruchoperationen können auch andere Narkoseverfahren zum Einsatz kommen.

Welche Krebs-Operationen können Sie in Husum durchführen?

Wir führen in Husum sämtliche Eingriffe bei bösartigen Erkrankungen am Verdauungstrakt mit hoher Expertise durch. Die häufigsten Erkrankungen sind in diesem Bereich die Darmkrebserkrankungen des Dickdarmes und des Mastdarmes. Des Weiteren behandeln wir Patienten mit Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse, des Magens und der Leber.

Eine Frage zu den Abläufen im Klinikum. Was passiert am Tag der Operation?

Am Operationstag wird der Patient von der Station in den Operationstrakt gebracht. Dort werden die notwendigen Überwachungsgeräte angeschlossen, zum Beispiel das EKG. In einem Vorbereitungsraum unmittelbar vor dem eigentlichen Operationssaal beginnt dann die Narkoseeinleitung durch das betreuende Narkoseteam. Anschließend wird im OP der Eingriff durchgeführt. Nachdem der operative Eingriff durchgeführt wurde, wird der Patient in den sogenannten Aufwachraum gebracht. Dort wird die unmittelbare Phase nach der Operation besonders überwacht. Anschließend erfolgt die Verlegung auf die Station oder auf die Intensivstation zur weiteren intensivmedizinischen Betreuung.

Darf man nach einer Darmoperation sofort wieder essen und trinken?

Ja, im Regelfall versucht man direkt mit einer leichten Ernährung zu beginnen, schluckweise Wasser oder Tee zu trinken, einen Jogurt zu essen. Die Nahrungsaufnahme wird dann schrittweise gesteigert bis im Idealfall nach wenigen Tagen wieder die normale Kostform erreicht ist.

Muss man nach einer OP mit Übelkeit und mit starken Schmerzen rechnen?

Glücklicherweise ist durch die modernen Narkoseverfahren die Übelkeit nach einer OP eher eine Seltenheit, so dass man als Patient diesbezüglich beruhigt sein kann. Die Anästhesie verfügt heute über sehr moderne und hocheffektive Methoden zur Schmerzbekämpfung. In diesem Zusammenhang ist die Periduralanästhesie ein Stichwort. Dabei handelt es sich um ein so genanntes rückenmarknahes Verfahren, welches in hervorragender Weise geeignet ist, die Schmerzen nach einer Operation auszuschalten. Auf der Station werden die Patienten außerdem durch speziell ausgebildete „pain nurses“ betreut.

Die vorbereitenden Untersuchungen sind erfolgt, die Operation ist durchgeführt und der Patient nach einer Krebsoperation wieder aus dem Klinikum entlassen. Wie geht es dann mit der Behandlung weiter? Wie läuft das Zusammenspiel zwischen der MVZ-Praxis Onkologie von Karin Bendig in Husum und Ihrer Abteilung?

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist sehr gut und tägliche Praxis. Alle Patienten mit einer Krebserkrankung werden in der Klinik Husum gemeinsam mit Frau Bendig sowie den Experten aus den weiteren Abteilungen des Klinikums in einer Tumorkonferenz gemeinsam besprochen. Am Ende einer Besprechung steht dann ein protokolliertes Ergebnis mit einer klaren, leitliniengerechten Therapieempfehlung. Wir gewährleisten durch diese Zusammenarbeit ein Höchstmaß an Expertise und damit auch an therapeutischer Sicherheit für unsere Patientinnen und Patienten.

Dr. Ulf Niemann mit einem Geräteturm für die minimal-invasive Chirurgie. Diese Technik kommt ohne großen Bauchschnitt aus und überträgt über eine in den Bauchraum eingeführte Kamera Bilder auf den Bildschirm rechts. Der linke Bildschirm dient der Einblendung von wichtigen Informationen zum Patienten und zum Betriebsmodus der Gerätetechnik.
Klaus Kasparek

Dr. Ulf Niemann mit einem Geräteturm für die minimal-invasive Chirurgie. Diese Technik kommt ohne großen Bauchschnitt aus und überträgt über eine in den Bauchraum eingeführte Kamera Bilder auf den Bildschirm rechts. Der linke Bildschirm dient der Einblendung von wichtigen Informationen zum Patienten und zum Betriebsmodus der Gerätetechnik.

Schließt sich nach einer Darmkrebsoperation eigentlich immer eine Chemotherapie an?

Nein. Die Entscheidung, ob eine Chemotherapie durchgeführt werden sollte, hängt vom Ausmaß der Erkrankung ab, dem sogenannten Tumorstadium. In einer nationalen Leitlinie ist festgelegt, wann die Empfehlung für eine Chemotherapie ausgesprochen werden sollte.

Kann der Patient den Heilungsverlauf nach der Operation beeinflussen?

Durchaus. Der Patient selbst besitzt einen großen Einfluss auf den Verlauf nach einem bauchchirurgischen Eingriff. Ganz entscheidend ist die frühe Mobilisierung des Patienten. Hier spielt die Physiotherapie eine wichtige Rolle.

Zum Abschluss unseres Gespräches noch eine Frage, inwieweit eine Krebserkrankung im Magen-Darm Trakt eigentlich zu vermeiden ist. Wie kann man als Patient vorbeugen?

Man kann einige Dinge tatsächlich im positiven Sinne beeinflussen, um das Krebsrisiko zu senken. Bei einigen Maßnahmen ist man sich in der Wissenschaft sehr sicher, dass ein eindeutiger, nachweisbarer Effekt auf das Absenken des Krebsrisikos besteht. Bei anderen Faktoren wiederum gelingt ein sauberer wissenschaftlicher Nachweis des Zusammenhanges derzeit nicht oder noch nicht. Ein Beispiel: Es besteht Konsens, dass Rauchen das Krebsrisiko, nicht nur beim Lungenkrebs, erhöht. Das Vermeiden von Übergewicht, eine ausgewogene Ernährung, viel Bewegung also eine allgemeine gute Fitness scheinen das Risiko zu senken – der genaue Zusammenhang ist hier noch nicht bis ins Detail verstanden. Das Darmkrebsrisiko reduziert man sehr effektiv durch die Teilnahme an den empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen, zum Beispiel durch den Test auf verborgenes Blut im Stuhl und durch die Darmspiegelung.

Herr Dr. Niemann, vielen Dank für das Gespräch.

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