Von Unterfunktionen und Hormonen : Kleines Organ mit großer Wirkung: Die Schilddrüse

<p>Auch ständige Müdigkeit kann ihren Ursprung in einer Fehlfunktion der Schilddrüse haben. Hält eine intensive Trägheit trotz ausreichender Nachtruhe an, sollte ein Arzt aufgesucht werden.</p>

Auch ständige Müdigkeit kann ihren Ursprung in einer Fehlfunktion der Schilddrüse haben. Hält eine intensive Trägheit trotz ausreichender Nachtruhe an, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Konzentrationsschwäche, Trägheit und Depression - all diese Merkmale können ein Zeichen dafür sein, dass die Schilddrüse nicht richtig funktioniert. Das schmetterlingsförmige Organ spielt für den Körper eine große Rolle.

shz.de von
17. April 2018, 04:02 Uhr

Sie regelt einen ausgeglichenen Stoffwechsel und sorgt dafür, dass ausreichend Hormone gebildet werden, die die Herzfrequenz, den Energieverbrauch, die Körpertemperatur und den Mineralstoffhaushalt steuern. Die von der Schilddrüse gebildeten Botenstoffe beeinflussen also den gesamten Körper. Umso wichtiger ist es, Symptome, die auf eine Unter- oder Überfunktionen schließen lassen, frühzeitig zu erkennen.

Welche Körperfunktionen von Schilddrüsenhormonen beeinflusst werden:

  • Stoffwechsel
  • Kreislauf
  • Wachstum
  • Psyche

   1. Was ist die Schilddrüse?

Das Organ befindet sich knapp unterhalb vom Kehlkopf und hat die Form eines Schmetterlings. Sie besteht aus zwei Schilddrüsenklappen, die jeweils links und rechts von der Luftröhre liegen. Sie hängen über eine schmale Verbindung, den sogenannten Isthmus, zusammen. Manchmal ist noch ein dritter, pyramidenförmiger kleiner Lappen vorhanden, der vom Isthmus nach oben zeigt. Ist die Schilddrüse gesund, ist jeder Lappen in etwa so groß wie das Daumenendglied des Menschen. Bei Frauen kann die Schilddrüse übrigens bis zu 18 Gramm, bei Männern bis zu 25 Gramm wiegen.

   2. Welche Funktion hat die Schilddrüse?

Aufgabe der Schilddrüse ist es, zwei lebenswichtige Hormone zu bilden: Trijodthyronin und Tetrajodthyronin (Thyroxin). Sie enthalten drei beziehungsweise vier Jodatome und werden abgekürzt auch T3 und T4 genannt. Beide Botenstoffe wirken auf den gesamten Körper. Sie erhöhen zum Beispiel die Herzfrequenz, den Sauerstoff- und Energieverbrauch, die Körpertemperatur oder beeinflussen den Mineralstoffhaushalt. Außerdem haben sie auch Einfluss auf die Schweiß- und Talgdrüsenaktivität der Haut sowie die Darmmotorik. Im Nervensystem bewirken sie eine gesteigerte Erregbarkeit der Nervenzellen. Schilddrüsenhormone können aber auch das seelische Gleichgewicht, die Sexualität und die Fruchtbarkeit beeinflussen. Bei Kindern steuern sie zudem die geistige und körperliche Entwicklung. Ein Mangel an Schilddrüsenhormonen im Mutterleib kann zu schweren Entwicklungsstörungen des Ungeborenen führen.

Als oberste Instanz kontrolliert übrigens das Gehirn die Schilddrüse, damit sie immer die richtige Menge an Hormonen ausschüttet. Die sogenannte Hirnanhangdrüse (Hypophyse) misst den Hormongehalt im Blut. Sind zu wenige Schilddrüsenhorme vorhanden, sondert die Hypophyse Threotropin (TSH) ab. Dieser Botenstoff gibt der Schilddrüse das Signal, aktiv zu werden.

<p>Bei einer Depression und anderen psychischen Problemen wie z. B. Angstzuständen sollte immer auch die Schilddrüsenfunktion untersucht werden. Die Schilddrüse und die Psyche stehen nämlich in einem engen Zusammenhang.</p>
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Bei einer Depression und anderen psychischen Problemen wie z. B. Angstzuständen sollte immer auch die Schilddrüsenfunktion untersucht werden. Die Schilddrüse und die Psyche stehen nämlich in einem engen Zusammenhang.

 

   3. Welche Erkrankungen können auftreten?

Ein Kropf am Hals liefert den am deutlichsten sichtbaren Hinweis auf eine mögliche Schilddrüsenerkrankung, ist aber natürlich nicht bei allen Störungen vorhanden. Eine verlässliche Diagnose kann nur der Arzt vornehmen. Auch die Symptome können, müssen aber nicht zwangsläufig für eine Fehlfunktion sprechen. Schlafstörungen können beispielsweise bei den verschiedensten Problemen auftreten, chronische Müdigkeit und Antriebslosigkeit können auch Anzeichen für eine Depression sein.

Schilddrüsenüber und -unterfunktion:
Bei der Schilddrüsenüberfunktion produziert die Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormone. Typische Anzeichen dafür können zum Beispiel Herzklopfen, vermehrtes Schwitzen oder Konzentrationsstörungen sein. Bei der Schilddrüsenunterfunktion bildet die Schilddrüse dagegen zu wenig Hormone. Häufigste Ursache ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Durch die Unterfunktion verlangsamt sich der gesamte Körperstoffwechsel und es treten zum Beispiel Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Gewichtszunahme auf. Besonders bei Schwangeren ist eine Unterfunktion der Schilddrüse gefährlich. Durch den Hormonmangel kann es nämlich zu Entwicklungsstörungen beim Ungeborenen kommen.

Vergrößerung der Schilddrüse:
Eine Vergrößerung der Schilddrüse wird als Kropf (Struma) bezeichnet. Die häufigste Ursache in Deutschland ist ein chronischer Jodmangel. Bei starker Ausprägung kann ein Kropf zu einem Druck- und Engegefühl im Halsbereich führen und wird als Schwellung im Halsbereich sichtbar. Häufig geht ein Kropf mit einer normalen Schilddrüsenfunktion einher. Es kann aber auch sein, dass das Schilddrüsengewebe nicht nur wächst, sondern unkontrolliert Hormone produziert, was eine Schilddrüsenüberfunktion zufolge haben kann.

Schilddrüsenentzündung:
Wenn es mal ganz doof kommt, dann kann eine akute, subakute und chronische Form der Schilddrüsenentzündung auftreten. Bei der akuten Form kommt es innerhalb sehr kurzer Zeit zu einer Entzündung der Schilddrüse mit oder ohne Eiterbildung. Ursachen sind Bakterien oder Viren, die über die Blutgefäße in das Schilddrüsengewebe dringen. Insgesamt tritt die akute Thyreoiditis sehr selten auf. Die genaue Ursache für eine subakute Schilddrüsenentzündung ist unbekannt, vermutlich ist aber eine vorangegangene Virusinfektion der Auslöser. Subakut bedeutet, dass es innerhalb von 14 bis 30 Tagen zu Symptomen wie Fieber, Halsschmerzen, Abgeschlagenheit, vorübergehendem Ansteigen der Schilddrüsenhormone, Entzündungszeichen im Blut und Schmerzen kommt. Die subakute Schilddrüsenentzündung klingt meist nach einigen Wochen oder Monaten von alleine wieder ab. Ursache der chronischen Schilddrüsenentzündung ist eine Autoimmunerkrankung. Dabei richtet sich das Immunsystem gegen die körpereigenen Schilddrüsenzellen und zerstört diese mit der Zeit. Die Schilddrüse ist permanent entzündet und funktioniert daher nicht mehr richtig.

Schilddrüsenkrebs:
Schilddrüsenkrebs ist ein bösartiger Tumor der Schilddrüse. Erste Verdachtsmomente darauf können ein positiver Tastbefund und/oder ein kalter „Knoten“ sein, der im Rahmen einer Szintigrafie auffällt. Hier muss immer an ein Karzinom gedacht und eine weitere Abklärung eingeleitet werden. In sehr seltenen Fällen verbirgt sich auch hinter einem „heißen Knoten“ ein bösartiger Tumor. Radioaktive Strahlen können die Entwicklung eines Schilddrüsenkarzinoms begünstigen. Auch eine familiäre Vorbelastung ist ein Risikofaktor.

<p>Zur Produktion ihrer Hormone benötigt die Schilddrüse Eiweiß und Jod. Da der menschliche Körper kein eigenes Jod herstellt, muss er es in ausreichender Menge über die Nahrung zu sich nehmen. Bei Jodmangel kann sich die Schilddrüse vergrößern und einen Kropf bilden.</p>
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Zur Produktion ihrer Hormone benötigt die Schilddrüse Eiweiß und Jod. Da der menschliche Körper kein eigenes Jod herstellt, muss er es in ausreichender Menge über die Nahrung zu sich nehmen. Bei Jodmangel kann sich die Schilddrüse vergrößern und einen Kropf bilden.

 

   4. Welche Behandlungen gibt es im Fall einer Krankheit?

Die Therapie richtet sich nach der Art der Erkrankung. Grundsätzlich können die meisten Schilddrüsenprobleme inzwischen mit einer hohen Erfolgsrate behandelt werden.

Hormonersatztherapie
Bei einer Unterfunktion muss das körpereigene Hormon Thyroxin durch Tabletten ersetzt werden (Substitutionstherapie), um die Stoffwechsellage zu normalisieren. Die Einstellung der richtigen Dosis kann mitunter einige Wochen oder Monate dauern. Die Symptome einer Unterfunktion können in dieser Zeit bestehen bleiben. Zwischendurch kann es auch zu Anzeichen einer Überfunktion kommen, wenn das Hormon überdosiert wurde. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind daher wichtig.

Hormonblocker:
Bildet die Schilddrüse zu viele Hormone, können Schilddrüsenblocker, sogenannte Thyreostatika, diese Überproduktion bremsen. Oft vergehen einige Wochen, bis die richtige Dosierung gefunden und sich die Stoffwechsellage im Körper wieder normalisiert hat. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind daher wichtig, damit die Behandlung erfolgreich ist.

Jodid-Substitution:
Diese Behandlung kommt zum Einsatz bei normaler Schilddrüsenfunktion und einem durch Jodmangel entstandenen Kropf. Die Tabletten ersetzen das fehlende Jod. Mit der Zeit bildet sich die Vergrößerung der Schilddrüse wieder zurück.

(Mit Material der BARMER)

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