Atopie : Sensibel für Allergien

Allergiebeschwerden auf der Tagesordnung: Atopie ist vererbbar. Foto: dpa
Allergiebeschwerden auf der Tagesordnung: Atopie ist vererbbar. Foto: dpa

Wer zu Allergien neigt, hat möglicherweise eine Atopie. Bei Neugeborenen und Kindern können vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden.

shz.de von
06. April 2013, 02:31 Uhr

Einige Menschen neigen eher zur Ausbildung einer Allergie als andere. "Atopie ist eine vererbbare Neigung zur Entwicklung von Allergien der Haut und Schleimhäute gegenüber Umweltstoffen", erklärt Dr. Thyra Caroline Brandholz, Hautärztin in Kiel und Landesvorsitzende des Berufverbandes deutscher Dermatologen in Schleswig-Holstein.

Eine der wohl häufigsten Ausformungen der Atopie ist die atopische Dermatitis - häufig auch Neurodermitis genannt. Heuschnupfen, Nesselsucht und Bronchialasthma können ebenfalls aufgrund einer Atopie auftreten.

Verschiedene Anzeichen für Atopie

Menschen mit einer atopischen Veranlagung weisen zudem sehr häufig verschiedene körperliche Merkmale auf (siehe Infokasten unten). Das Vorhandensein oder Fehlen dieser Anzeichen kann eine Atopie allerdings nicht beweisen oder ausschließen. Doch bei Atopikern treten sie sehr viel häufiger auf als bei anderen Menschen. Einige dieser Zeichen sind beispielsweise eine doppelte Lidfalte am Unterlid sowie dunkle Haut im Bereich unter den Augen. Als weißen Dermographismus bezeichnet man es, wenn die Haut nach mechanischer Reizung - also Kratzen oder das feste Streichen mit einem stumpfen Gegenstand - mit weißen Streifen reagiert. Bei gesunden Menschen erscheinen diese Stellen rot.

Die eigene Veranlagung zu kennen, kann entscheidend sein, denn Atopie ist vererbbar. Ist man allerdings informiert, kann man bei den eigenen Kindern vorbeugend tätig werden, damit es nicht zu einem Ausbruch kommt. Es wird niemals eine bestimmte Allergie vererbt, sondern nur die Anlage dazu, überhaupt eine Allergie auszubilden.

Atopie ist vererbbar

Die Wahrscheinlichkeit einer Atopie liegt für ein Kind laut Brandholz bei "etwa 45 Prozent, wenn beide Elternteile erkrankt sind". Ist nur ein Elternteil Atopiker, schwanken die Angaben zwischen sieben und 20 Prozent. Liegt keine Vorbelastung durch die Eltern vor besteht noch ein Risiko von sechs bis zehn Prozent.

Doch bereits in der Schwangerschaft können Mütter in Einzelfällen durch eine allergenarme Ernährung vorbeugen. Gleiches gilt für die Zeit des Stillens. Die häufigsten Nahrungsmittelallergene befinden sich in Eiern, Milch, Soja, Weizen, Erdnüssen und einigen Fischarten.

Ausbruch der Atopie

Außerdem empfiehlt Brandholz das "Stillen bis zum vierten Lebensmonat". Sollte dies nicht möglich sein, rät sie zu "partiell oder extensiv hydrolysierte Milchprodukte" - hierbei sind allergene Stoffe in den Produkten möglichst weit reduziert.

In den ersten zwei Lebensjahren sollte dann auch auf die hochallergenen Lebensmittel verzichtet werden. "Es gibt aber Hinweise auf den schützenden Effekt von Fisch im 1. Lebensjahr", gibt Brandholz zu bedenken.
Die Expertin verweist zudem auf "Innenraumluftschadstoffe und Kfz-Emissionen, denen betroffene Kinder nach Möglichkeit nicht ausgesetzt werden sollten". Ebenso sollte besonders in der Schwangerschaft auf das Rauchen verzichtet werden. Aber auch später kann aktives und passives Rauchen den Ausbruch der Atopie laut der Expertin begünstigen.

Anzeichen für Atopie:

• Doppelte Lidfalte am Unterlid (Dennie-Morgan-Falte)
• Dunkle Haut im Bereich unter den Augen
• Ausdünnung der seitlichen Augenbrauen
• Weißer Dermographismus
• Juckende und trockene Haut
• Trockene Kopfhaut
• Veränderung der Finger und Zehenkuppen
• Keratosis Pilaris (Reibeisenhaut)
• Tiefe Furchung der Handlinien
• Gesichtsblässe
• Dirty Neck (dunkle Haut im Nackenbereich)
• Glänzende Fingernägel
• Hühnerhaut

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