Rollator im Alltag : Senioren auf Trainingsparcours

Else Harder übt das Aussteigen aus dem Linienbus mit Mobilitätshelfer Michael Krieger. Foto: Planer
1 von 2
Else Harder übt das Aussteigen aus dem Linienbus mit Mobilitätshelfer Michael Krieger. Foto: Planer

Eine neue Aktion soll alten Elmshornern mehr Sicherheit im Umgang mit dem Rollstuhl geben - dafür setzen sich Seniorenrat, "Linie", HVV, Flora und "Red Car" ein.

shz.de von
23. April 2013, 11:27 Uhr

Elmshorn | Mit dem Rollator sicher durch Elmshorn kommen - das kann ganz schön schwierig sein. Kopfsteinpflaster, Rampen und selbst das Busfahren können für ungeübte Rollator-Nutzer schnell zum ungewollten Abenteuer werden. Um für mehr Sicherheit zu sorgen, rief der Seniorenrat eine ziemlich ungewöhnliche Aktion ins Leben: Das Rollatortraining.

Und so bot sich auf dem Firmengelände von "Red Car" an der Hamburger Straße ein ungewöhnliches Bild. Zehn Senioren versuchten mit ihren Rollatoren ihr Glück auf einem eigens aufgebauten Trainingsparcours. Die erfahreneren Teilnehmer meisterten den Hindernislauf ohne größere Probleme, Anfänger blieben insbesondere auf dem simulierten Kopfsteinpflaster gern mal hängen. "Das Hindernis haben wir ,Platz am Wasserturm getauft", sagt Klaus Lindemann vom Seniorenrat, "der Platz mit dem Kopfsteinpflaster ist zwar schön geworden, aber für Rollatorfahrer ist er kaum zu durchqueren". Nur allzu schnell bleiben die Räder zwischen den Steinen hängen und blockieren.

Mit Rollator sicher im Omnibus

Die wichtigste Übung aber war das Busfahren. Insbesondere das Ein- und Aussteigen fällt vielen Rollator-Nutzern schwer. Else Harder hatte sich nur deswegen zum Training angemeldet. Zum Busfahren verzichtete die 87-Jährige bislang oft auf ihren Rollator, nahm lieber einen Stock zur Hand. Jetzt weiß sie: Es gibt einen Trick. "Ich muss rückwärts aussteigen, dann kann ich mich gleichzeitig festhalten", berichtet sie. Dann könne der Rollator heruntergezogen werden, der sichere Stand ist immer garantiert.

Wie das genau funktioniert, konnte sie beim Training mit Michael Krieger, der als Mobilitätshelfer beim Hamburger Verkehrsverbund (HVV) für Senioren arbeitet, in aller Seelenruhe ausprobieren. Kein Fahrer, der seinen Fahrplan einhalten muss, keine anderen Fahrgäste, die ihr Ziel erreichen müssen. Das Training hat so viel Sicherheit vermittelt, dass Harder bei ihrer nächsten Bustour ihren Rollator mitnehmen will.

Dafür gab es von Krieger noch einen weiteren Tipp: "Im Bus sollte man sich nicht auf den Rollator setzen", sagt er. Zwar sehe das gemütlich aus, doch zugleich sei es auch äußerst gefährlich: Der Halt fehlt. Stattdessen sollten Rollatorfahrer auch die normalen Sitzplätze nutzen.

Die Probleme des Alltags erkennen

Beratung gab es von Andreas Neuendorf und seinen Kollegen vom Flora Gesundheitszentrum. Die Experten überprüften die mitgebrachten Rollatoren und präsentierten mehrere Modelle, von der günstigen, aber eher unhandlichen Krankenkassen-Version bis hin zur Fliegengewicht-Luxusvariante, die sich mit einem Handgriff zusammenklappen lässt, war alles dabei.

Mit der Aktion war Lindemann zufrieden. Auch, weil der Seniorenrat aus erster Hand erfahren konnte, mit welchen Problemen Rollator-Fahrer zu kämpfen haben - insbesondere beim Busfahren. "Gemeinsam wollen wir die Probleme erkennen und gemeinsam etwas dagegen tun", verspricht Lindemann. So soll der Dialog mit der Linie verstärkt werden. Außerdem soll ein Ratgeber für alle Fragen rund um den Rollator erstellt werden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen