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Leben ohne Sucht : „Selbsthilfe braucht Sachverstand“

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Allein im Kreis Rendsburg-Eckernförde gibt es 8000 Alkoholkranke. Am Suchtselbsthilfetag trafen sich Organisationen zum Erfahrungsaustausch.

Rendsburg | Der Weg zu einem Leben ohne Suchtmittel ist hart und steinig. Aber wer "clean" (sauber) werden will, kann sich helfen lassen. Unter dem Motto "Wir finden den Weg" standen daher die Fachvorträge und Erfahrungsberichte beim 14. Suchtselbsthilfetag gestern in der Imland-Klinik. Das Blaue Kreuz in der Evangelischen Kirche, Landesverband Schleswig-Holstein, die Guttempler, der Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe und das Blaue Kreuz Deutschland stellten ihre Arbeit vor; rund 150 Teilnehmer folgten der Einladung.
"Die qualifizierte Selbsthilfe braucht den professionellen Sachverstand der Kliniken", machte Peter Staben, Landesgeschäftsführer des Blauen Kreuzes Schleswig-Holstein, deutlich. Deshalb habe man als gemeinsamer Ausrichter mit der Landesstelle für Suchtfragen die Imland-Klinik als Veranstaltungsort gewählt. Dr. Uwe Niehus, Oberarzt Psychiatrie und Psychosomatik, unterstrich: "Die Selbsthilfegruppen sind wichtiger Teil des Therapiekonzepts." Am Anfang stehe die Behandlung in der Klinik, danach die Betreuung in den Selbsthilfegruppen. Und damit die Patienten über die Angebote nach dem Klinikaufenthalt informiert sind, kommen einmal in der Woche Vertreter der vier Selbsthilfeorganisationen im Wechsel in die Imland-Klinik.

Kinder sind die Leidtragenden

Die enge Zusammenarbeit zwischen der professionellen Hilfe und der ehrenamtlichen Selbsthilfe sei entscheidend für den Therapieerfolg, betonte Christina Brandes von der Landesstelle für Suchtfragen. Sie kritisierte, dass die Finanzierung der Selbsthilfe zu gering sei. "Wir brauchen mehr Unterstützung durch die Politik." Aber die Zusammenarbeit zwischen den Selbsthilfeorganisationen im Land sei gut, betonte Peter Staben. In anderen Bundesländern gebe es eher eine Konkurrenzsituation.
Dr. Anna Christina Schulz-Du Bois, Chefärztin der Psychiatrie und Psychosomatik an der Imland-Klinik, wies darauf hin, dass auch die Angehörigen von Suchtkranken Betroffene seien. Zwei Millionen Suchtkranke in Deutschland - allein- nannte die Ärztin als erschreckende Zahlen. Besonders Kinder würden durch die Erkrankung ihrer Eltern stark belastet. Prävention müsse im Vordergrund stehen, "sonst sind die Kinder die zukünftigen Patienten".

Persönliche Erfahrungen in Bildern

Einer, der den Weg aus der Sucht gefunden hat, ist Christoph Simonis. Über 22 Jahre lang war er Medikamentenabhängig, später betäubte er sich auch mit Alkohol. Doch in Kiel gelang ihm der Absprung. Seine persönlichen Erfahrungen hat er in einer Rückschau festgehalten, die unter dem Titel "Schlucken & Schweigen" ab Dienstag als Ausstellung im Rendsburger Kreishaus zu sehen ist. Öffnungszeiten (bis 16. Juli: Mo.-Fr. 8-12, Di. 14-17.30, Do. 14-16 Uhr.

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erstellt am 17.Jun.2013 | 01:37 Uhr

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