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Schreibabys : "Schreien lassen hilft nicht"

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Was tun, wenn das Kind permanent schreit? Laut Experten betrifft das jedes vierte oder fünfte Kind. Für die Eltern ist es wichtig, ruhig zu bleiben.

Experten gehen davon aus, dass jedes vierte oder fünfte Kind exzessiv schreit. "Meist liegt es daran, dass Eltern und Kinder nicht richtig miteinander kommunizieren", sagt die Entwicklungspsychologische Beraterin Susanne Heinecker aus Oelixdorf (Kreis Steinburg). "Es leiden beide: Eltern und Kinder", sagt die 54-Jährige.
Doch was ist überhaupt ein Schreikind? Einer einfachen Definition nach gilt ein Baby als Schreikind, wenn es mehr als drei Stunden am Tag und mehr als drei Tage die Woche schreit - und das über mehr als drei Wochen, so Heinecker. "Ich orientiere mich aber eher an dem Punkt, an dem die Eltern glauben, das nicht mehr aushalten zu können. Dann muss ihnen spätestens geholfen werden."

Schreiphasen dauern mehrere Stunden

Denn meist sind die Eltern in der Gefahr, an der Überforderung zu zerbrechen. Und oft haben sie sich dann nicht mehr im Griff, durch Schlaflosigkeit und nervliche Anspannung besteht die Gefahr, dass sie ausrasten. "Das wäre das schlimmste", sagt Heinecker. In der Regel dauern die Schreiphasen mehrere Stunden, nach ein paar Monaten beruhigt sich oft die Lage. "Allerdings schlafen Schreikinder häufig auch später nicht so gut."
Warum es Kinder gibt, die exzessiv schreien, ist nicht wirklich erforscht. "Eltern sollten auf jeden Fall ausschließen, dass das Schreien körperliche Ursachen hat", empfiehlt Susanne Heinecker. Sind die nicht schuld am Schreien, empfiehlt sie den Eltern noch genauer ihr "Baby zu lesen". Denn meist gebe es Anzeichen dafür, was das Baby wolle - "auch wenn sie manchmal schwierig zu deuten sind", sagt Heinecker.

Eltern sollen ruhig bleiben

Bei den Schreibabys, die die Therapeutin lieber sensible oder anspruchsvolle Kinder nennt, wechselten die Phasen zwischen aufmerksam, quengelig und schreiend schneller als bei anderen Kindern. Darauf müssten die Eltern prompt reagieren. "Denn wenn das Baby sich erstmal eingeschrien hat, ist es nur schwer zu beruhigen." Und mit einer alten Lebensweisheit räumt die Therapeutin auch auf: "Schreien lassen bringt gar nichts. Dann schläft das Kind zwar irgendwann ein, aber ein Urvertrauen kann es so nur schwer entwickeln." Es sei wichtig, dass Kinder, die unruhiger seien, feste Strukturen und Rituale kennenlernen.
Wichtig für die Eltern sei, ruhig zu bleiben - auch wenn es schwer fällt. "Die Kunst liegt darin, dem Kind zu verdeutlichen, dass der Erwachsene es versteht, aber nicht die Emotionen des Kindes am Ende übernimmt. Manche Mütter sind so emotional angegriffen, dass sie am Ende mitheulen."Kinder spüren, wenn Eltern unsicher werden - und übernehmen das. Hilfreich für überforderte Eltern sei, eine dritte Person zu Hilfe zu holen - "am besten der Vater oder auch eine Oma oder gute Freundin. Die kann dann unbelasteter in die Situation eingreifen", sagt Heinecker.

Schnell reagieren, wenn Belastung zu hoch wird

Hilfen für gestresste Eltern von Schreikindern gebe es überall. "Kinderärzte und Kliniken kennen Anlaufstellen, auch Hebammen wissen oft, wo man besondere Hilfe bekommt", erklärt Susanne Heinecker. Eine Beratung bei ihr kostet 40 Euro, 30 Euro davon übernimmt der Verein Schutzengel, der junge Familien unterstützt. Auch in anderen Kreisen und Städten gibt es Fördermöglichkeiten. "Hilfe ist nicht teuer", sagt Heinecker. Und: "Eltern sollten schnell reagieren, wenn ihnen die Belastung zu hoch wird."

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erstellt am 28.Jun.2013 | 02:10 Uhr

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