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Schönheit : Schönheit lässt sich nicht erzwingen

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Für den Friedrichstädter Klinik-Chef Felix-Rüdiger Giebler sind kosmetische Opterationen eine ganzheitliche Angelegenheit.

shz.de von
erstellt am 27.Jun.2013 | 10:01 Uhr

Friedrichstadt | "Die Menschen sind seit 15000 Jahren die gleichen", sagt Prof. Dr. Dr. Felix-Rüdiger G. Giebler. Nur das Umfeld habe sich verändert. "Die digitale Revolution halte sich mit Falten nicht auf. "Jeder liest im Internet alles Mögliche über unsere Arbeit. Und das daraus resultierende Halbwissen siedelt näher an der Lüge als an der Wahrheit."
Der Mann weiß, wovon er redet. Gern nehmen Menschen seine Kunstfertigkeit in Anspruch, um sich die Brust vergrößern oder die Nase richten zu lassen. Den Begriff "Schönheitschirurg" hört Giebler trotzdem nicht gern. Der Mediziner und Chefarzt der Vincemus-Klinik in Friedrichstadt ist "kosmetischer Chirurg" und sieht sich in der Rolle eines Aufklärers. Schönheit entstehe nicht durch chirurgische Eingriffe, sondern durch Bewusstheit, sagt er.

Rund zehn Prozent der OPs werden rückgängig gemacht

Grundvoraussetzung für kosmetische Operationen sei das Vertrauen zwischen Arzt und Patient. Und das müsse sich alle Jahre wieder gegen einen wahren Tsunami von Gesetzesregelungen behaupten. In der Praxis - aber auch aus fachlicher Überzeugung - setzt Giebler daher auf schrittweise Veränderungen. Es habe lange gedauert, bis dieser Ansatz Schulmedizin geworden sei, sagt er - "und die Folgen der totalen kosmetischen Operationen waren teilweise verheerend". Nicht von ungefähr sei die Zahl von "Undo-OPs", also jener Eingriffe, deren Ergebnisse später wieder rückgängig gemacht wurden, überproportional angestiegen. Giebler spricht von zirka zehn Prozent. Mit der Step-by-step-Methode aber könne er mit jedem neuen Eingriff den vorherigen korrigieren und das Risiko minimieren. Denn das verräterische Zeichen einer Narbe wolle niemand haben.
Die kosmetische Chirurgie hält Giebler für die "kreativste Chirurgie überhaupt - wir kennen allein 250 Verfahren, ein Ohr anzulegen", erläutert er. Aber gerade weil das so ist, legt der Wahl-Friedrichstädter großen Wert auf eine ganzheitliche Betrachtungsweise: "Ein Arzt ohne Allgemeinbildung ist für mich gar kein Arzt", lautet sein kategorischer Imperativ. So erklärt sich auch, dass er einer bildschönen jungen Frau, die sich die Brust operieren lassen wollte, seine Dienste versagte. Mehr noch: Giebler riet entschieden ab und versuchte ihr - "leider vergebens" - zu erklären, dass weniger in diesem Fall mehr wäre. Schließlich ließ sich die junge Frau andernorts operieren - "und mir blieb am Ende nur, den Eingriff wieder rückgängig zu machen".

Intensive Vorbereitung ist wichtig

Vor diesem Hintergrund ist es dem Chirurgen auch so eminent wichtig, die persönliche Lebensgeschichte und aktuelle Situation seiner Patienten zu kennen. "Ich bin ein Augenmensch", sagt Giebler. "Ich will sehen, was ist." Deshalb setzt der leidenschaftliche Maler und Zeichner auf eine intensive Vorbereitung. Schnelle Schnitte sind seine Sache nicht.
Unter anderem sei die Frage zu klären, ob der Patient den Eingriff wirklich möchte oder "nur auf einen Wunsch seines Lebenspartners reagiert". Und es gibt durchaus Situationen, in denen Giebler besagten Lebensgefährten enttäuschen muss.

Mehr als ein Wechsel der Jacke

Manchmal brächten die Patienten auch Fotos mit, die zeigen, wie ihre Nase oder Brust nach der OP aussehen soll. "Das alles wirft neben rein operativen auch viele andere Fragen auf, die es zu beantworten gilt", sagt Giebler. Immerhin gehe es hier nicht darum, eine Jacke oder den Schal zu wechseln.
Sein ganzheitlicher Ansatz ist gewiss Gieblers überbordender Neugier und Kreativität geschuldet. Die Malerei ist nur eines seiner Steckenpferde. Darüber hinaus besucht er regelmäßig Kongresse - und zwar nicht nur als Zuhörer, sondern auch als Dozent -, schreibt Abhandlungen für Fachzeitschriften, aber auch Gedichte und ist - als sei das alles noch nicht genug - diplomierter Konzertsänger. Viele der Operationstechniken, nach denen kosmetische Chirurgen heute arbeiten, sind das Ergebnis seiner Überlegungen und praktischen Erfahrungen aus rund 20000 Operationen. Und auf organisatorischer Ebene war und ist Giebler ebenfalls aktiv. So hat er unter anderem die Deutsche Akademie für kosmetische Chirurgie gegründet und war lange Zeit Präsident der American Society of Cosmetic Breast Surgery.

Männer haben gezielte Vorstellungen

Noch sind es vor allem Frauen, die seine Dienste in Anspruch nehmen. "Aber die Männer holen auf", sagt er und schätzt, dass ihr Anteil mittlerweile bei zehn bis 25 Prozent liegen dürfte. Der Unterschied liege darin, dass Männer relativ gezielte Vorstellungen hätten. Bei einer Frau könne es dagegen schon vorkommen, "dass ich auf die Frage, wie die Brust denn hinterher aussehen soll, ,schön als Antwort erhalte."
All das macht deutlich, warum Giebler so großen Wert darauf legt, den Menschen, den Patienten in seiner Gesamtheit zu betrachten. "Es geht hier nicht um ein künstliches, sondern um ein natürliches Ohr. Jeder kann das Ergebnis beurteilen und ich - ohne psychologische Aspekte - meinen Beruf gar nicht ausüben." Umso mehr ärgern ihn Vertreter seiner Zunft, die - ganz im Stil der Zeit - auf die Methode "billig und schnell" setzen. "Das ist unärztliches Handeln", sagt er.Volles Verständnis hat Giebler dagegen für einen 80-Jährigen, der sein Leben lang unter einem Makel gelitten hat und "mit angelegten Ohren in die Grube fahren will", wie der Mann selbst es formulierte.

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