Golf als Therapie : Schläge gegen den Schlaganfall

Kleiner Ball, großes Ziel: Gerald Stecher will mit Hilfe seiner Physiotherapeutin Astrid Kalla wieder beweglicher werden. Foto: Euler
Kleiner Ball, großes Ziel: Gerald Stecher will mit Hilfe seiner Physiotherapeutin Astrid Kalla wieder beweglicher werden. Foto: Euler

Reha-Patienten aus Nordfriesland finden über den Sport ins Leben zurück.

shz.de von
07. April 2010, 06:00 Uhr

Seine erste Golfstunde hatte Gerald Stecher mit 60 Jahren. Nach einem Schlaganfall konnte der Mann aus St. Peter-Ording seine linke Körperhälfte kaum noch bewegen, der Arm hing schlaff herunter. Das war im Januar 1999. Elf Jahre und zwei Monate später steht der 65-Jährige auf dem Grün des Nordsee-Golfclubs St. Peter-Ording und übt das Putten. Um ihn herum die weitgehend naturbelassene Dünenlandschaft der Nordseeküste, gleich neben ihm Astrid Kalla (58), seine Physiotherapeutin. Sie hatte vor Jahren die Idee zu einer im Norden wohl einzigartigen Selbsthilfegruppe. Die Schläge und Schwünge sollen dem halbseitig gelähmten Stecher und anderen Schlaganfall-Patienten helfen, die "unbrauchbar" gewordene Hälfte des Körpers zu stimulieren.
Die nämlich wird von Schlaganfall-Patienten gewöhnlich gemieden. Sie ist schlichtweg nicht zu spüren. Das Golfspiel mit seinen ausholenden Bewegungen beiderseits der Körpermitte durchbricht diesen Teufelskreis. "Durch den Ball wird der Patient abgelenkt", sagt Astrid Kalla, Bobat-Therapeutin in der DRK-Nordsee-Rehaklinik Goldene Schlüssel in St. Peter-Ording. "Und er wird gezwungen, ein Bein zu benutzen, das gar nicht zu spüren ist."
Bei Gerald Stecher sind die Erfolge nicht nur auf dem Golfplatz sichtbar. Er findet durch die Arbeit mit Astrid Kalla zu Selbstvertrauen, Humor und Schlagfertigkeit zurück. Zwar würde er ohne die Hilfe und Fürsorge seiner Frau Hedda im täglichen Leben nach wie vor nicht zurecht kommen - doch durch das Golfspiel ist er stabiler als in der Anfangszeit nach dem Schlaganfall. Und vor allem: er mag sich wieder in der Öffentlichkeit zeigen. "Ich habe neuen Lebensmut gefasst", sagt der 65-Jährige, als er im Clubhaus sitzt. Kaffee und Kuchen in Gemeinschaft am "19. Loch" - auch das ist für die Schlaganfall-Golfer eine Form der Motivation.

Saisonstart
Am 15. April trifft sich die Selbsthilfegruppe zum Saisonauftakt. Gäste und Interessierte sind willkommen, Einzelheiten bei Thorsten Schulz, Pro im Nordsee-Golfclub unter Tel. 0171/7454325.

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