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Prostata : Sanfter Laser gegen Männerleiden

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Mit der Laser-Methode können im Klinikum Wedel gutartige Prostatavergrößerungen behandelt werden. Diese Methode ist landesweit einzigartig.

shz.de von
erstellt am 12.Jun.2013 | 05:28 Uhr

Wedel | Mit zunehmendem Alter sind immer mehr Männer davon betroffen - die gutartige Vergrößerung der Prostata. Durch deren - vermutlich hormonell bedingtes - langsames Anwachsen über Jahre verengt sie die Harnröhre, die von ihr umschlossen ist. Das Wasserlassen erfolgt gegen einen immer größer werdenden Widerstand - und ist irgendwann nur noch unter Einsatz der Bauchmuskulatur möglich. Ousman Doh, Chefarzt der Klinik für Urologie am Regio Klinikum Wedel, spricht von bis zu einem Drittel aller Männer, die im sechsten Lebensjahrzehnt eine Benigne Prostatahyperplasie (BPH) entwickeln. Tendenz im Alter stark ansteigend. Im begrenzten Ausmaß kann eine gutartige Prostatavergrößerung mit Medikamenten verzögert oder aufgehalten werden, doch bei starken Beschwerden hilft oft nur ein operativer Eingriff.
Dr. Doh, der im Juli 2011 seinen Posten als Chefarzt der Klinik für Urologie am Regio Klinikum Wedel angetreten hat, arbeitet dabei mit einer landesweit einmaligen Operationstechnik. Seit Oktober 2011 ist dort der so genannte Thulium-Laser im Einsatz. Doh hat an der Entwicklung dieses Lasers mitgewirkt, der als einziger sowohl zur Entfernung, zum Verdampfen und zum Ausschälen von Gewebe nutzbar ist. Der 39-jährige Urologe gilt als einer der erfahrensten Experten im Umgang damit. Er ist überzeugt von dem Verfahren, bei dem der mit einer Kamera ausgerüstete Laser minimalinvasiv über die Harnröhre bis zur Prostata vorgeführt wird. "Jene besteht aus einer zu erhaltenden Schale und drei Lappen, die einzeln entfernt werden. Ich schäle die Lappen mit dem Laser einzeln aus der Schale heraus, schiebe sie in die Blase, wo sie mit einem Morcellator zerkleinert und über die Harnröhre abgesaugt werden", erklärt Doh die Arbeitsweise. Die Eindringtiefe des Laserstrahls in das Gewebe sei sehr gering, wodurch besonders präzise geschnitten und benachbartes Gewebe und Organe geschont würden.

Operation mit Thulium-Laser dauert drei Tage

Andere herkömmliche minimalinvasive Verfahren, bei denen etwa mit einer Schlinge kleine Teile der Prostata einzeln entfernt werden, seien mit hohem Blutverlust verbunden. "Wir können auch Risikopatienten operieren, die Blutverdünner einnehmen müssen." Früher sei die Behandlung eine große OP gewesen. "Man musste den Bauch aufmachen und über die Blase an die Prostata gehen, das war mit mehr Wundschmerzen und bis zu zehntägigen Krankenhausaufenthalten verbunden."
Bei einer OP mit dem Thulium-Laser sind es laut Doh nur drei Tage - wie bei Christian Thesenfitz. Das Problem hatte sich bei ihm über viele Jahre angekündigt. Der 67-Jährige bekam zunehmend Schwierigkeiten beim Wasserlassen. "In der schlimmsten Phase musste ich alle halbe Stunde auf die Toilette, konnte nur noch unter Schmerzen urinieren, mein ganzer Lebensablauf war stark eingeschränkt", erinnert sich der Pinneberger. Eines Tages waren die Schmerzen unerträglich, Thesenfitz wurde sein Wasser überhaupt nicht mehr los, es kam zu massiven Stauungen. Nun erst machte er sich auf den Weg zum Urologen."

Männer gehen erst im letzten Moment zum Arzt

Viele Männer gehen erst zum Arzt, wenn sie ihren Kopf unterm Arm tragen", verdeutlicht Matthias Bauermeister, niedergelassener Facharzt für Urologie in Pinneberg, das in der Fachwelt altbekannte Problem - und erinnert sich an Thesenfitz ersten Besuch: "Es war ein akuter Notfall, ich habe zunächst unter örtlicher Betäubung einen Katheter gelegt, um den Druck abzubauen."
Erst im Anschluss folgten die eigentlichen Untersuchungen. "Im Ergebnis war die Ursache seiner Schmerzen eine gutartige Vergrößerung der Prostata, das Volumen der Blase war dadurch eingeschränkt und sie hat sich nicht mehr entleert." Von den auftretenden heftigen Schmerzen durch die überfüllte und stark gedehnte Blase abgesehen sei diese Erkrankung auch aus einem anderen Grund gefährlich. "Das nicht abfließende Urin kann sich bis in die Nieren zurückstauen, dort geht mit der Zeit das Filtrationsgewebe kaputt", so Bauermeister. "Das kann bis hin zu einer Blutvergiftung und irreversibler Schädigung der Nieren führen. Dann hilft nur noch die Dialyse." Bei Thesenfitz war es für den Einsatz von Medikamenten zu spät: "Normalerweise sollte die Prostata die Größe einer Kastanie haben, bei ihm war es eine Apfelsine, sechsfach vergrößert, da hilft nur noch eine Operation."

Patient ist nach ein paar Wochen trocken

Und hier kommt ein spezieller Verbund ins Spiel. Bauermeister ist Vorsitzender des Netzwerks Urologie in Schleswig-Holstein-Süd, kurz NUSS. Darin sind derzeit zehn niedergelassene Urologen aus der Region vereint, die mit Dr. Doh und dem Urologischen Zentrum des Regio Klinikums Wedel kooperieren. "Ich mache die Voruntersuchungen und die Indikation zur OP, danach wird der Patient mit Befund ohne Zeitverlust in der Klinik angemeldet", fasst Bauermeister die Vorteile des Netzwerks zusammen.
Von dem sollte auch Christian Thesenfitz profitieren. "Ich behielt für den Übergang den Katheter, zehn Tage später hatte ich bereits meinen OP-Termin in der Klinik." Morgens die Anreise, Voruntersuchungen, die OP unter Vollnarkose am Mittag. "Noch am gleichen Tag konnte ich aufstehen, mich bewegen, essen, der Harndrang war weg, ich hatte keine Schmerzen", erinnert sich Thesenfitz. "Der Schließmuskel der Blase muss direkt nach der OP erst wieder aktiviert werden, nach ein paar Wochen ist der Patient aber trocken, er bleibt nicht inkontinent", betont Doh. Ebensowenig sei die Potenz durch den Eingriff beeinträchtigt.

Mehr als 1000 Operationen ausgeführt

Doh hat bereits über 1000 Operationen durchgeführt, davon allein gut 300 in Wedel. Das Haus gilt heute als Referenzzentrum für diese Technik. "Im Jahr kommen 20 bis 30 Ärzte zu uns, um das Verfahren kennenzulernen", erzählt Doh. "Ich bilde bundes- und weltweit Ärzte aus, reise mehrfach jährlich zu Urologenkongressen, halte dort Vorträge und operiere."Christian Thesenfitz ist begeistert von dem Erfolg der Operationsmethode: "Ich bin extrem dankbar, dass mein Problem auf eine so elegante Weise gelöst wurde. Ich habe keine Probleme mehr beim Wasserlassen und fühle mich total befreit."

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