Urlaub ohne Schmerz : Rückenentlastung auf Reisen

Rücken- und Nackenschmerzen verhageln häufig die Reiselust - das muss nicht sein. Foto: dpa
Rücken- und Nackenschmerzen verhageln häufig die Reiselust - das muss nicht sein. Foto: dpa

Der Rückenexperte Dr. Markus Quante erklärt, wie man das lange Sitzen auf Reisen so übersteht, dass nicht Schmerzen die Urlaubsstimmung gleich zu Beginn verhageln.

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04. Juli 2013, 03:14 Uhr

Neustadt | Urlaubsreisen sind schön. Doch Reisen bedeutet fast immer eine Herausforderung für den Rücken, denn es ist mit langem Sitzen verbunden. Im Auto, im Bus oder im Flugzeug. Dr. Markus Quante, Rückenexperte der Schön-Klinik Neustadt, gibt Tipps.
Ich möchte ans andere Ende der Welt. Was kann ich falsch machen?
Ob Sie mit der Bahn, mit dem Flugzeug oder mit dem Auto reisen, ist letztlich gleich. Alle drei Reisearten lassen Sie über viele Stunden in einer Zwangshaltung verharren und führen zu einer einseitigen Belastung des Bewegungsapparates. Dadurch verkrampfen die Nacken- und Rückenmuskulatur. Die einseitige Belastung sollte also so oft wie möglich unterbrochen werden. Aktivieren Sie deshalb alle ein bis zwei Stunden die Muskulatur.
Wenn Sie im Auto fahren, sollten Sie rasten und die Beine vertreten. Sind Sie mit dem Bus unterwegs, dann machen Sie Übungen auf dem Sitz. Im Flieger können Sie zwischen den Sitzreihen spazieren gehen. Wenn Sie nur sitzen, sind Sie nach zehn Stunden verspannt. Das passiert auch auf Nachtreisen. Wenn Sie sich um 22 Uhr in den Bus setzen, tut Ihnen um 7 Uhr morgens einiges weh.
Was tut dann weh?
Nach dem Schlafen haben die meisten Reisenden Nackenschmerzen, Schmerzen in der unteren Lendenwirbelsäule undin den Oberschenkeln. Der Kopf fällt beim Schlafen nach vorne oder seitlich auf die Schulter. So wird auf einer Seite über Stunden die Muskulatur überbeansprucht. Das gibt üble Schmerzen. Dagegen kann man leicht etwas tun: Beim Fliegen hat sich das aufblasbare Nackenkissen durchgesetzt, das ist auch beim Busfahren sinnvoll, weil es den Kopf im Schlaf in der physiologisch passenden Position hält, und es funktioniert genauso für Beifahrer im Auto. Für den Lendenbereich ist es die einseitige Belastung auf die Gelenke und die dauerhaft sehr kurze oder sehr lange Einstellung der Muskelgruppen.Gibt es mehr Hilfsmittel?
Ein normales Kissen für die Lendenwirbelsäule kann die natürliche S-Form der Wirbelsäule unterstützen.
Was mache ich, wenn mein Auto keine ergonomischen Luxussitze hat?
Stellen Sie Ihren Sitz gut ein. Man sollte immer mit leicht angewinkelten Armen und Beinen sitzen. Bei den Beinen ist es besser, wenn der Sitz nicht an der Kniekehle anschließt, sondern eine Handbreite davor. So haben Sie einen freien venösen Abfluss. Die Rückenlehne sollte bei etwa 110 Grad eingestellt sein.
Ist es sinnvoll, vor der Reise Krankengymnastik zu machen?
Nein. Wer bereits seine Rückenprobleme kennt, nimmt oft vorbeugend Medikamente ein, zum Beispiel Antirheumatika. Aber es ist sehr sinnvoll, schon vor und während der Reise so genannte "Rückenübungen" zu machen. Auch wenn es widersprüchlich klingt, generell gilt: Am besten übersteht man das lange Sitzen, indem man sich viel bewegt.

Bewegung auf einem Sitzplatz

Dr. Quante rät: Gut ist es, die Schultern nach unten und hinten zu ziehen, so dass sich der Brustkorb nach vorne wölbt. Das fördert die Rückenmuskulatur. Zusätzlich können Sie die Handflächen an die Außenseite der Oberschenkel anlegen und dann die Oberschenkel nach außen und die Hände nach innen drücken. Dabei aktivieren sie Muskeln in Oberschenkeln und Armen. Sie können auch die Beine leicht anheben und mit den Füßen kreisen. Das erleichtert den venösen Rückfluss. Wenn Sie aufstehen können (Bus und Flugzeug), sollten Sie kurz umhergehen, auf den Zehenspitzen wippen, die Arme in die Luft strecken und dabei in die Luft greifen. So lockert sich die Schultermuskulatur.

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