Rosacea: Sonne und Sauna meiden

 Neslihan  Yenigün.
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Neslihan Yenigün.

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25. Juni 2014, 09:38 Uhr

Pickel, Rötungen und erweiterte Äderchen im Gesicht, die nicht mehr verschwinden: Die Anzeichen der Hautkrankheit Rosacea sehen nicht nur unschön aus. Neben der optischen Belastung können auch Begleiterscheinungen wie Juckreiz, Brennen und Stechen unangenehm werden. Vier Millionen Deutsche leiden unter der chronisch-entzündlichen Hautkrankheit, die auch Kupferrose oder Rosenfinne genannt wird. Sie ist eine der häufigsten Hauterkrankungen im Erwachsenenalter – und trotzdem in der Bevölkerung weitgehend unbekannt.

Rosacea tritt meistens nach dem 35. Lebensjahr auf. Die Krankheit kommt schubweise und betrifft vor allem Wangen und Nase, mitunter auch Kinn und Stirn, Hals und Dekolleté. „Im ersten Stadium ist die Haut gerötet, die Blutgefäße sind sichtbar erweitert“, sagt die Kieler Dermatologin Neslihan Yenigün. Anfangs bilden sich die geweiterten Äderchen (Teleangiektasien) wieder zurück, später bleiben sie auf Dauer. Die Haut brennt oder sticht, manchmal juckt sie auch. Im zweiten Stadium treten – ähnlich wie bei Akne – Knötchen und Eiterpickel auf, die durch Entzündungen verursacht werden. Vergrößerte, wuchernde Talgdrüsen und Bindegewebe (Phyme) kennzeichnen die dritte Stufe der Erkrankung. Fast ausschließlich bei Männern bildet sich dann eine knotige Verdickung der Nase (die sogenannte „Knollen-“ oder „Säufernase“). Es gibt auch eine Form der Rosacea, bei der die Augen von Entzündungen betroffen sind (Ophthalmo-Rosacea).

Die genaue Ursache ist unklar. Verantwortlich können Faktoren wie eine gestörte Immunabwehr, die Neigung zu verstärkter Hautdurchblutung, UV-Strahlen oder Entzündungsreaktionen auf Mikroorganismen sein. „In vielen Fällen spielt eine genetische Veranlagung eine Rolle“, sagt Neslihan Yenigün.

Geheilt werden kann die Krankheit nicht. Wichtig sei es vor allem, die Haut richtig zu pflegen und auslösende Faktoren zu vermeiden: etwa Sonne, starke Hitzeschwankungen wie in der Sauna, Alkohol und scharfe Gewürze. Hautpflegeprodukte sollten keinen Alkohol, keine ätherischen Öle (Menthol, Eukalyptus), keine Duft- und Konservierungsstoffe sowie wenig Fett enthalten. „Weil ihre Haut juckt und spannt, denken viele Rosacea-Patienten, sie hätten eine trockene Haut, und benutzen fettreiche Cremes“, weiß die Hautärztin. Die verstärkten das Problem jedoch. Besser seien fettarme Gele, Fluids oder Lotionen, die die Haut mit Feuchtigkeit versorgen. Das gelte auch für Sonnenschutzmittel, die schon ab dem Frühjahr benutzt werden und einen Schutzfaktor ab 30 haben sollten. Schälende Produkte wie Peelings sind tabu.

Um die – nicht ansteckende – Krankheit zu stoppen, werden in der Regel Cremes oder Gele mit dem Wirkstoff Metronidazol verwendet. Das Antibiotikum, das entzündungshemmend wirkt, gibt es nur auf Rezept. Ein weiterer Standardwirkstoff ist Azelainsäure. Neben fertigen Präparaten verschreiben Hautärzte auch individuelle Mischungen. Kortison sei bei der Rosacea unnütz und sogar schädlich.

Reicht die äußere Therapie nicht aus, werden Tabletten verschrieben: in der Regel das Antibiotikum Doxycyclin, das niedrig dosiert meist gut vertragen werde, sagt Yenigün. Unterstützend kann bei einem Rosacea-Schub eine Gesichtsmassage nach Søbye helfen: Sie lässt die Lymphflüssigkeit aus den Gefäßen abfließen und reduziert die Schwellungen (www.rosacea-info.de/leben-mit-rosacea/gesichtsmassage). Gegen die Phyme helfen nur Operationen oder Behandlungen mit einem Laser. Der kommt auch zum Einsatz, wenn Betroffene ihre störenden roten Äderchen nicht mehr mit Make-up kaschieren, sondern – zumindest auf Zeit – loswerden wollen. „Mit der Laserhitze werden die Gefäße verklebt beziehungsweise verschweißt“, erklärt Neslihan Yenigün. Die Behandlung dauert wenige Minuten; in der Regel sind drei bis vier Sitzungen notwendig. Die Kosten, die je nach Praxis variieren, werden von der Krankenkasse nicht übernommen. Eine Garantie dafür, dass die Äderchen komplett verschwinden, gibt es nicht. Und sie können jederzeit wiederkommen, sagt die Hautärztin. Gängige Nebenwirkungen der – schmerzhaften – Behandlung sind Schwellungen und Einblutungen, die nach etwa zwei Wochen abgeklungen sind. Ist der Laser falsch eingestellt, können dunkle Flecken oder Narben zurückbleiben. Yenigün: „Die Wirkung auf die erweiterten Äderchen ist beim Laser gut, gegen flächige Rötungen richtet er aber wenig aus.“

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