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Renaissance der Städte - Urbaner Lebensstil zieht Jugend an

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Berlin (dpa) - Jahrelang war der Speckgürtel um die Großstädte beliebt, die Leute zogen raus aufs Land. Die Lust an Magazinen rund ums Landleben scheint das noch immer zu belegen. Doch Experten sagen: Das Stadtleben steigt in der Gunst der Deutschen. Warum eigentlich?

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erstellt am 26.Mai.2013 | 11:44 Uhr

Berlin (dpa) - Jahrelang war der Speckgürtel um die Großstädte beliebt, die Leute zogen raus aufs Land. Die Lust an Magazinen rund ums Landleben scheint das noch immer zu belegen. Doch Experten sagen: Das Stadtleben steigt in der Gunst der Deutschen. Warum eigentlich?

Deutschland schrumpft. Bestimmten Landstrichen droht sogar die Bedeutungslosigkeit: Die jungen Leute ziehen weg, Arbeitsplätze und gesellschaftliches Zusammenleben mit ihnen. Ein Problem, das noch vor nicht allzu langer Zeit die deutschen Großstädte überschattete. Zersiedelung der Landschaft, Flucht aufs Land und das Häuschen im Grünen waren die Schlagworte. Doch dem scheint ein Ende gesetzt: Die Deutschen zieht es wieder in die Städte.

Wissenschaftler sehen in der Statistik nämlich schon länger eine Trendumkehr. «In den 90er Jahren war es so, dass die Menschen eher aus den Städten rausgezogen sind», sagt Wissenschaftler Steffen Kröhnert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Mittlerweile liefern Zahlen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung ganz andere Muster.

Kröhnert hat sie ausgewertet: Während zwei Drittel der deutschen Kleinstädte in den fünf Jahren bis 2010 mehr als ein Prozent ihrer Einwohner verloren haben, konnte knapp die Hälfte der Großstädte mehr als ein Prozent zulegen. Bei den Mittelstädten war das nur ein Fünftel.

Kröhnert führt das auf verschiedene Gründe zurück. «In den 90er Jahren waren die Babyboomer aus den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts im Häuslebau-Alter. Das ist eine große Gruppe, und die wollte ihr Haus draußen bauen, weil es die angesagte Wohnform war.» Das sei nun nicht mehr der Fall - der Wegzugsdrang von Familiengründern sei abgeflaut.

Zudem habe der Abbau von Arbeitsplätzen in den großen städtischen Industriezentren auch in vielen Städten sein Ende gefunden. «In der Wende zur Wissensgesellschaft entstehen die Jobs eben vorwiegend in den Metropolregionen», sagt Kröhnert.

Vor allem die Jüngeren zieht es in die ganz großen Städte. In einer Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov etwa lagen in fast allen Altersgruppen die Millionenstädte Hamburg und München bei der Wahl des beliebtesten Großstadt-Wohnorts vorn - bis auf die jungen Erwachsenen bis 25 Jahre. Bei ihnen toppte die Hauptstadt Berlin (etwa 3,5 Millionen Einwohner) als Zentrum der Jugend- und Szene-Kultur die Rangliste.

Jürgen Block, Geschäftsführer der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland, führt das auch auf geschicktes Marketing zurück. «Städte geben über ihr Marketing nach außen ein Versprechen.» Im Fall von Berlin sei das eben kein Versprechen wirtschaftlichen Wohlstands. «Berlin verspricht ein bestimmtes Image», sagt der Experte für Stadtwerbung.

Unweigerlich drängt sich in diesem Zusammenhang der von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit geprägte Ausdruck «Arm, aber sexy» auf. Wobei wohl vor allem das «sexy» seine anziehende Wirkung bei der jungen Generation besitzt. Block sieht das denn auch ein wenig als gesellschaftliche Mode. Man könne nicht wissen, wie lange ein Trend anhalte. «So ein Image kann auch kippen», sagt er.

Für Demograf Kröhnert dagegen handelt es sich um einen langfristigen Trend. Der wirtschaftliche Kulturwandel sei doch recht tiefgreifend. «Die Jobs, die Fläche brauchen - die sehe ich in Zukunft eher nicht.» Wissensintensive Jobs brauchten eher die Nähe zueinander und zur Bildung. Neben der ausgeprägteren kulturellen Vielfalt in den Städten habe aber auch noch etwas Anderes geholfen: «Die deutschen Städte sind viel attraktiver und familienfreundlicher geworden.»

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