Übungen ohne Leistungsdruck : "Qigong im Park"

'Den Regenbogen schaukeln' nennt sich diese Übung, die Sabine Papenburg im heimischen Garten demonstriert. Foto: Sopha
"Den Regenbogen schaukeln" nennt sich diese Übung, die Sabine Papenburg im heimischen Garten demonstriert. Foto: Sopha

Qigong bewegt zu neuer Lebensenergie und innerer Ruhe - ohne Leistungsdenken. Die Kursleiterin Sabine Papenburg bietet vier Mal "Qigong im Park" an.

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24. Juni 2013, 08:53 Uhr

Westerrönfeld | An fünf Orten in Schleswig-Holstein wird im kommenden Monat "Qigong im Park" angeboten. In Westerrönfeld ist dieser Platz ein von hohen Bäumen umgebenes Gelände fernab vom Verkehrslärm. Die Westerrönfelder Qigong-Kursleiterin Sabine Papenburg erklärt, was Qigong (gesprochen "Tschigung") ist und was sie daran fasziniert.
Frau Papenburg, Qigong kommt ja aus China...
Richtig. Ursprünglich bedeutete es "Übungen zur Lebenspflege". Es war also das Bewusstsein vorhanden, Gesundheitsprävention zu betreiben. Qigong ist eine von fünf Säulen der Traditionellen Chinesischen Medizin. In China heißt es ja: Ein guter Arzt ist derjenige, der kaum Patienten hat.
Was genau macht man bei Qigong?
Es werden immer drei Dinge verbunden: Die Bewegung, also der Körper, mit dem Atem und dem Geist, also der Vorstellungskraft. Die Vorstellungskraft lenkt das Chi.
Was ist das Qi?
Wir haben in unserer Sprache keinen gleichwertigen Begriff. Es wird grundsätzlich übersetzt mit Lebensenergie, Vitalität oder auch mit Lebenshauch, Atem.
Und was bedeutet Gong?
Das bedeutet beharrliches Üben. Somit heißt Qigong beharrlich mit unserer Lebensenergie zu üben.
Wie muss ich mir das vorstellen?
Es gibt zwei Arten. Bewegtes Qigong heißt: Äußere Bewegung, der Körper führt sanfte, ruhige, harmonische Bewegungen aus. Dadurch kommen wir innerlich zur Ruhe. Beim Stillen Qigong ist es so, dass wir innerliche Bewegung mit Hilfe unserer Vorstellungkraft ausführen und uns in äußerer Ruhe befinden. Das sind Übungen, die man im Stehen, Sitzen oder Liegen ausführen kann.
Was passiert im menschlichen Körper durch diese Übungen?
Das Qi wird aktiviert. Es soll zu einem harmonischen Fließen gebracht werden. Nach Auffassung der chinesischen Medizin entsteht Krankheit durch Blockaden des Qi. Qigong kann diese Blockaden lösen, so dass der gesamte Körper wieder optimal mit Lebensenergie versorgt werden kann.
Wurde das wissenschaftlich untersucht?
Die Universität Oldenburg mit Professor Dr. Bölts hat Untersuchungen durchgeführt. Erwiesen ist, dass zu hoher Blutdruck gesenkt werden kann, dass das Immunsystem gestärkt und das vegetative Nervensystem harmonisiert, beruhigt wird. So können wir in einen entspannten Zustand gelangen, der uns dann unsere Aufgaben besser bewältigen lässt.
Wie sind Sie zum Qigong gekommen?
Ursprünglich habe ich Yoga gemacht. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen. Dann habe ich bei einer Kur Qigong kennen gelernt und auch gleich mein Herz an diese Übungen verloren. Ich habe dann täglich - noch vor meiner Arbeit als Grund- und Hauptschullehrerin - ungefähr 20 Minuten lang Qigong praktiziert, weil ich merkte, dass ich dadurch zu meiner Mitte fand und einfach ausgeglichener wurde.
Und jetzt Sie sind Qigong-Lehrerin?
Nein, ich bin seit Ende März Kursleiterin. Die Ausbildung, die zwei Jahre dauerte und 250 Unterrichtsstunden umfasste, habe ich bei drei Ausbilderinnen der Deutschen QiGong Gesellschaft in Hamburg absolviert. Für die nächsten zwei Jahre befinde ich mich in der Ausbildung zur Qigong-Lehrerin.
Aber es kann doch jeder diese Übungen machen?
Das spricht mich am Qigong so an und beeindruckt mich und darin sehe ich einen ganz großen Vorteil: Qigong kann wirklich jeder machen. Man kann es bis ins hohe Alter praktizieren, selbst für Rollstuhlfahrer ist es möglich. Es bedarf keiner Vorkenntnisse und auch keiner Hilfsmittel. Und es lässt sich vielerorts, zum Beispiel Zuhause oder draußen in der Natur, ausführen.
Auch im Büro?
Wünschenswert wäre ein sehr frühzeitiger Beginn. Am besten schon im Kindergarten und in der Schule. Ebenfalls erstrebenswert wäre, dass große Betriebe, die es sich leisten können, für ihre Mitarbeiter bestimmte Zeiteinheiten für Qigong zur Verfügung stellen. Die auch von den Arbeitgeber bezahlt werden, denn sie werden diejenigen sein, die davon profitieren. Ich würde mir wünschen, dass viele Menschen Qigong in den Alltag integrieren.
In Filmen sieht man große Gruppen von Chinesen im Freien stehen...
Ja, daher heißt die Aktion "Qigong im Park". Sie ist von der Deutschen Qigong-Gesellschaft initiiert worden und findet in diesem Jahr das sechste Mal statt - und zwar kostenlos.
Was erwartet die Teilnehmer?
Auf jeden Fall erst einmal vorbereitende Übungen. Man wärmt den Körper ein bisschen auf und versucht, vor allem die Gelenke, in denen sich oft Blockaden befinden, durchlässig zu machen. Teil zwei wird voraussichtlich eine Fünf-Elemente-Übung sein - eine Übung mit sanften, fließenden Bewegungen im Stehen, die wirklich jeder ausüben kann.
Und zwar seinem Leistungsstand entsprechend. Denn die Achtsamkeit mit sich selbst, die ist ganz wichtig. Es gibt kein Leistungsdenken im Qigong. Demzufolge gibt es auch kein Sich-vergleichen mit anderen. Jeder ist bei sich und akzeptiert sich wie er ist.

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