Anzeige: Zahnarzt Carsten Nehring : Professionelle Zahnreinigung – Abzocke oder sinnvolle Prophylaxe?

In der Praxis Zahnerhaltung am ZOB sind zwei Mitarbeiterinnen auf die Durchführung von professionellen Zahnreinigungen spezialisiert.

In der Praxis Zahnerhaltung am ZOB sind zwei Mitarbeiterinnen auf die Durchführung von professionellen Zahnreinigungen spezialisiert.

Der Flensburger Zahnarzt Carsten Nehring erklärt, warum die PZR keine Luxusbehandlung sein sollte.

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08. November 2021, 00:01 Uhr

Es dürfte wenige volljährige Menschen hierzulande geben, die sie noch nicht von ihrem/r Zahnärzt/in bekommen haben: die Empfehlung, eine professionelle Zahnreinigung (PZR) durchführen zu lassen. Viele entscheiden sich aufgrund der Kosten von 60€ oder mehr dagegen. Doch die Unsicherheit bleibt: Tue ich mir und meinem Geldbeutel damit einen Gefallen, oder wäre es eigentlich gut investiertes Geld? Der Zahnarzt Dr. Carsten Nehring von der Praxis Zahnerhaltung am ZOB erklärt im Interview, was bei einer PZR passiert und warum sie eine wichtige Prophylaxe-Maßnahme für so gut wie alle Patienten ist.

Herr Nehring, ich stelle die grundlegende Frage einfach mal zuerst: Warum halten Sie es für sinnvoll, regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung machen zu lassen?

Carsten Nehring: Je früher man damit heutzutage anfängt, desto länger kann man der den Dritten entrinnen. Das entscheidet tatsächlich mit darüber, ob man im hohen Alter noch seine echten Zähne hat oder die dritten. Es gibt wenige Ausnahmen, die die Pflege zu Hause wirklich so perfekt hinbekommen, dass sich keinerlei Beläge bilden, aber das ist selten.

Früher wurde das ganz häufig als kosmetischer Eingriff verschrien. Aber die Datenlage ist erdrückend: Wer schlecht putzt und sich die regelmäßige PZR spart, dem machen wir im Vergleich zu anderen, die die PZR fahren, erheblich früher die Dritten. Außerdem gibt es zahlreiche weitere Auswirkungen auf die Gesundheit, die mit der Zeit auftreten können, wenn es an der Mundhygiene mangelt.

Die regelmäßige Tiefenreinigung des Gebisses ist wichtig, damit man sich möglichst lang seiner eigenen Zähne erfreuen kann.
Giesbrecht

Die regelmäßige Tiefenreinigung des Gebisses ist wichtig, damit man sich möglichst lang seiner eigenen Zähne erfreuen kann.

 

Welche Auswirkungen wären das zum Beispiel?

Die häufigste Folge mangelnder Mundhygiene ist hartnäckiger Zahnbelag. In den letzten zehn bis 15 Jahren wurden die Spätfolgen von hartnäckigem Zahnbelag zum ersten Mal gründlicher erforscht, mit erschreckendem Ergebnis: Parodontitis, Herzinfarkt, Schlaganfall sind als Spätfolgen nicht unüblich. Gerade der Zusammenhang zwischen Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist enorm. Menschen, die eine schlechte Mundhygiene haben, auf die regelmäßige PZR verzichten und Parodontitis-anfällig sind, haben ein um bis zu vier Mal höheres Risiko für Herzinfarkte als der Durchschnitt. Deswegen empfehlen wir in jüngeren Jahren ein- bis zweimal und im fortgeschrittenen Alter zwei- bis dreimal jährlich eine PZR.

Woran erkennen Sie, dass Patient/innen eine PZR benötigen? Und gibt es Patientengruppen, die besonders von der Behandlung profitieren?

Es gibt Zahnfleisch-Indikatoren, zum Beispiel Durchblutung, Taschentiefe, Schwellungen etc., an denen wir ablesen können, wie gut die individuelle Mundhygiene ist und ob mit einer PZR nachgeholfen werden sollte. Der Bedarf ist auch vom Lebensstil abhängig: Starke Teetrinker, Kaffeetrinker oder Raucher etwa haben massivste Ablagerungen an den Zahninnenseiten. Diese rauen Oberflächen sind der perfekte Nährboden für Bakterien und damit für hartnäckige Ablagerungen.

Was genau passiert eigentlich bei der professionellen Zahnreinigung? Und ist das bei jedem Arzt gleich oder gibt es Unterschiede in den Leistungen?

Die Leistungen bei einer PZR können sich von Arzt zu Arzt unterscheiden, aber es gibt sozusagen einen Goldstandard. Dazu gehört, dass alle Oberflächen erstmal grob mit Handinstrumenten und Ultraschall gereinigt werden, danach geht man mit Pulverstrahl über die Zahnoberflächen. Das ist eigentlich das Interessante: Der Pulverstrahl sorgt dafür, dass alles, was da noch an Mikrofilm ist, wirklich alles vom Zahn runter kommt. Das geht sogar ein kleines Stück unter den Zahnfleischrand. Wenn das gemacht ist, kommt eine ausgiebige Politur. Danach wird am besten nochmal nachfluoridiert. Bei dieser ganzen Prozedur ist der Pulverstrahl das zeitaufwändigste. Eine vernünftige PZR ist nicht in 30 Minuten zu machen, sondern dauert etwa eine Stunde plus x – je nach Zustand der Zähne.

Der wichtigste Effekt der PZR ist die Vorbeugung von Karies und anderen Zahnleiden - doch als netter Nebeneffekt kann man sich auch auf eine leichte Aufhellung der Zähne freuen.
Giesbrecht

Der wichtigste Effekt der PZR ist die Vorbeugung von Karies und anderen Zahnleiden - doch als netter Nebeneffekt kann man sich auch auf eine leichte Aufhellung der Zähne freuen.

Macht eine PZR meine Zähne auch heller?

In der Regel werden die Zähne tatsächlich ein wenig heller, denn alles, was an Verfärbungen in den Porositäten auf den Zähnen auftritt, bekommt man durch die PZR gut weg. Ich sage immer, das ist das Schmankerl: Darauf kommt es zwar nicht an, aber es ist ein netter Nebeneffekt zusätzlich zur Prophylaxe.

Um wieder auf den Kostenaspekt zu kommen, der so viele abschreckt: Warum kostet die PZR so viel?

Erstens muss man diese Kosten differenziert betrachten: Wenn man bedenkt, wofür die Menschen alles ihr Geld ausgeben, sind die Kosten für eine medizinische Leistung wie die PZR doch sicher gut investiertes Geld. Die Kosten in dieser Höhe kommen zustande, weil das eben mindestens eine ganze Arbeitsstunde ist, und auch wegen der Materialien. Diese sind in der Zahnmedizin nicht billig, da sie alle den Prozess der Medizinprodukte-Zulassung durchlaufen müssen.

Wenn eine PZR aber sehr teuer wird, auch im Vergleich zwischen verschiedenen Behandlern, dann ist das nicht mehr gerechtfertigt. Das ist keine Luxusbehandlung und sollte es auch nicht sein, das ist der falsche Weg. Im Gegenteil, ich möchte nicht der Billigheimer sein, aber ich möchte das schon so gestalten, dass es für jeden erschwinglich ist. Wir dürfen nicht in eine Zwei-Klassen-Medizin abdriften!

In den letzten Jahren sind auch immer mehr Krankenkassen auf den Zug aufgesprungen und bezuschussen die PZR. Das würden sie nicht tun, wenn das eine reine Schönheitsgeschichte wäre. Die Krankenkassen haben sich jahrzehntelang gesträubt, den Leuten ihre PZR als Prophylaxe-Leistung zu bezahlen. Mittlerweile honorieren das aber fast alle Krankenkassen.

Die PZR ersetzt nicht die gründliche Mundhygiene im Alltag - ein fester Bestandteil sollte die Verwendung von Zahnseide sein.
Giesbrecht

Die PZR ersetzt nicht die gründliche Mundhygiene im Alltag - ein fester Bestandteil sollte die Verwendung von Zahnseide sein.

 

Was raten Sie Patient*innen, die trotz allem den Eindruck haben, in ihrer Zahnarztpraxis beschwatzt zu werden?

Wenn einem etwas absolut spanisch vorkommt, sollte man sich eine zweite Meinung einholen. Der Patient ist keine goldene Kuh, die gemolken werden soll. Es gibt einfache und eindeutige Tests, die jeder Arzt durchführen kann, um zu sehen ob der Patient eine PZR braucht oder nicht. Das wird eh häufig im Rahmen der Routineuntersuchung mit gemacht. Also: Einfach mal woanders hingehen und fragen, und wenn auch der zweite Arzt sagt: Nee sorry, du brauchst das, dann hat das auch seinen Grund.

Die Aufklärung ist, wie bei fast jeder Behandlung, das A und O. Es geht nicht darum, den Leuten möglichst schnell etwas zu verkaufen, sondern sie sollen auch wirklich verstehen, wie die Zusammenhänge sind. Das dauert halt dann mal eine Viertelstunde, aber wenn der Patient es einmal verstanden hat, ist das für alle Seiten ein Gewinn.

Vielen Dank, Herr Nehring!

Sehr gerne!

Zahnarzt Carsten Nehring - Zahnerhaltung am ZOB


Süderhofenden 12
24937 Flensburg

Tel: 0461 236 90

E-Mail: zahnerhaltungamzob@web.de

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Lesen Sie hier weiter: Angst vor dem Zahnarzt? – Aufklärung schafft Abhilfe

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