Plötzlich Infarkt: Jeder kann helfen

Lebensrettend: Die Herzdruckmassage ist nach einem Infarkt mit Herzstillstand die wichtigste Erste Hilfe. Foto: sh:z
Lebensrettend: Die Herzdruckmassage ist nach einem Infarkt mit Herzstillstand die wichtigste Erste Hilfe. Foto: sh:z

Jeder, der miterlebt, wenn jemand einen Herzinfarkt erleidet, kann helfen, sagt Christian Wehr, Fachdienstleiter des Rettungsdienstes Nordfriesland.

shz.de von
06. April 2011, 04:47 Uhr

"Wenn jemand bewusstlos zusammenbricht, muss zuallererst der Rettungsdienst (Notruf 112) alarmiert werden", sagt er. Sind bei der bewusstlosen Person noch sichere Lebenszeichen zu bemerken, sollte sie in die stabile Seitenlage gelegt werden. Sichere Lebenszeichen sind Bewegungen, Reaktionen auf Rütteln oder bestehende Atmung nach Überstrecken des Kopfes.
Sollten sichere Lebens zeichen fehlen, müssen von einem Herz-Kreislauf-Stillstand ausgegangen werden. Dann den Bewusstlosen auf den Rücken legen und umgehend mit der Herzdruckmassage beginnen. Dazu beide Hände übereinander in der Mitte des Brustkorbs auflegen und das Brustbein etwa 100 mal pro Minute etwa fünf Zentimeter tief eindrücken. Die Massage fortführen, bis der Rettungsdienst eintrifft. Auf eine Mund-zu-Mund-Beatmung und eine Pulskontrolle sollte verzichtet werden, wenn diese Methoden nicht sicher beherrscht werden. Sind mehrere Helfer anwesend, wechseln Sie sich etwa alle zwei Minuten mit der Herzdruckmassage ab.
In 85 Prozent aller plötzlicher Herztode liegt ein Kammerflimmern vor
Wichtig ist auch die Frage, ob ein Defibrillator in der Nähe ist. An Flughäfen, Bahnhöfen und vielen anderen öffentlichen Orten wurden und werden vermehrt automatische Defibrillatoren installiert, die auch von Laien bedient werden können. Die automatischen "Schockgeber", sogenannte externe Defibrillatoren (AEDs) - abgekürzt Defis - können im Notfall Leben retten.
Warum ist der Elektroschock wichtig? In 85 Prozent aller plötzlicher Herztode liegt anfangs ein so genanntes Kammerflimmern vor. Ein Defibrillator kann diese elektrisch kreisende Erregung im Herzen durch gleichzeitige Stimulation von gut 70 Prozent aller Herzmuskelzellen unterbrechen. Dabei werde eine große Anzahl von Zellen gleichzeitig depolarisiert, also entladen. Der kreisenden Welle werde dadurch der Weg abgeschnitten und das natürliche Erregungsleitsystem könne die Stimulation des Herzens wieder übernehmen, erklärt Professor Abderrahman Machraoui, Kardiologe aus Flensburg. Doch: Der erfolgreiche Einsatz eines Defibrillators steht und fällt mit der richtigen Herz-Lungen-Wiederbelebung. Der Defi ist nur eine Ergänzung, kein Ersatz.
Ein "Defi" kann Leben retten
Wie funktioniert das Gerät? Ein AED ist ein batterie-, bzw. akkubetriebenes Gerät, das automatisch ein EKG erstellt, auswertet und dem Benutzer über ein Sprachmodul genaue Anweisungen gibt. Nach dem Einschalten des AEDs fordert das Gerät den Nutzer auf, die Elektroden am Patienten anzubringen. Nach der Analyse des EKGs trifft der Defi eine Entscheidung: Liegt ein Befund vor, empfiehlt das Gerät die Defibrillation. Die Entladung erfolgt wiederum auf Knopfdruck. "Helfer können dem Gerät in jedem Fall vertrauen", sagt Christian Wehr.
Was soll der Laie tun, wenn ein Gerät in der Nähe ist? Bei mehreren Helfern muss die Herzdruckmassage unbedingt fortgeführt werden, während das Gerät ausgepackt und die Elektroden aufgeklebt werden. Keinesfalls darf durch den Einsatz eines AEDs die Herzdruckmassage länger als unbedingt nötig unterbrochen werden. Das Kommando, wann der Helfer mit der Herzdruckmassage pausieren muss, wird vom Defi laut hörbar gegeben.
Die Landesarbeitsgemeinschaft Herz und Kreislauf hat sich mit dem Projekt "herzintakt" die Verbreitung von öffentlichen Defibrillatoren an Orten, die von vielen Personen aufgesucht werden, zum Ziel gesetzt. Insgesamt sind inzwischen 206 Defis registriert.

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