imago/McPHOTO

Pflegegeld beantragen : Ein Leitfaden durch den Behörden-Dschungel

Um Pflegegeld zu beantragen, muss viel beachtet werden. Eine Checkliste für den Antrag.


von
30. Oktober 2018, 14:48 Uhr

Wird jemand pflegebedürftig, beteiligt sich die Pflegekasse an den Kosten für die Pflege. Dafür muss der Antrag bei der Kasse aber möglichst früh gestellt werden. Entscheidend für den Leistungsbeginn ist der Zeitpunkt der Antragstellung und nicht, ab wann der Betroffene tatsächlich Hilfe brauchte. Wartet jemand mit dem Antrag mehr als einen Monat – weil er zum Beispiel hofft, dass es ihm bald besser geht – entgeht ihm das Pflegegeld für den ersten Monat der Pflegebedürftigkeit.

Mehr über das Thema Pflege lesen Sie in unserem Dossier unter shz.de/pflege

Zunächst schickt der Pflegebedürftige ein formloses Schreiben an seine Pflegekasse oder ruft dort an. Die Pflegekasse gehört immer zur jeweiligen Krankenkasse. Er bekommt dann ein Antragsformular, das auch ein Angehöriger ausfüllen darf. Unterschreiben muss der Pflegebedürftige allerdings eigenhändig.

Werbung
Werbung

Wer sich nicht selbst kümmern kann oder möchte, kann eine Vertrauensperson dazu bevollmächtigen, die Abwicklung mit der Pflegekasse zu übernehmen. In so eine Vollmacht gehören der Name des Pflegebedürftigen und des Bevollmächtigten. Außerdem muss genau drinstehen, in welchen Belangen der Bevollmächtigte den Pflegebedürftigen vertritt.

Doch wie viel Geld steht dem Pflegebedürftigen zu? Das kommt auf den Pflegegrad an. Es gibt fünf Pflegegrade, anhand derer entschieden wird, wie viel Pflegegeld ausgezahlt wird.

Pflegegrad Pflegegeld pro Monat
Pflegegrad 1 0 Euro
Pflegegrad 2 316 Euro
Pflegegrad 3 545 Euro
Pflegegrad 4 728 Euro
Pflegegrad 5 901 Euro

Diese Bereiche sind: Mobilität, Kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen, Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte.

Menschen, die nach einer Begutachtung den Pflegegrad 1 zugesprochen bekommen, haben zwar keinen Anspruch auf Pflegegeld, da sie trotz Beeinträchtigung ihren Alltag noch aus eigener Kraft bewerkstelligen können. Sie können jedoch den Entlastungsbeitrag von monatlich 125 Euro für Betreeuungs- und Entlastungsleistungen bei der Pflegekasse beantragen. Damit kann an einer Betreuungsgruppe für leicht Hilfsbedürftige teilgenommen werden. Außerdem kann davon ein Alltagsbegleiter bezahlt werden. Auch möglich ist es Haushaltshilfen engagieren, die beim Putzen der Wohnung helfen oder beschwerliche Hausarbeiten übernehmen.

Doch was sagen die einzelnen Pflegegrade aus?

Pflegegrad 1

Geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit

Pflegegrad 2

Erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit

Pflegegrad 3

Schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit

Pflegegrad 4

Schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit

Pflegegrad 5

Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

imago/McPHOTO

Beim Beantragen des Pflegegeldes ist viel zu beachten.
 

Fristen sind zu beachten

Es dauert bis zu 25 Arbeitstage, bis eine Rückmeldung über die Einstufung in einen Pflegegrad vorliegt. Sollte der Antragsteller jedoch im Krankenhaus liegen oder generell in stationärer Betreuung, muss die Beurteilung innerhalb einer Woche vorliegen. Allerdings nur, wenn dies zur Sicherstellung der weiteren Versorgung erforderlich ist.

Sollten diese Fristen nicht eingehalten werden, hat die Pflegekasse für jede begonnene Woche der Fristüberschreitung 70 Euro zu zahlen. Am Besten ist es, die für Sie geltende Frist direkt mit der Pflegekasse abzusprechen.

Doch das allerwichtigste ist: Die Profis können helfen. Um denen die Bearbeitung möglichst leicht zu machen, haben wir hier eine Checkliste für Sie zusammengestellt. So klappt es mit dem Pflegegeld-Antrag.

To-Do-Liste

·  Wenn Sie denken, Sie haben Anspruch auf Pflegegeld, dann setzen Sie sich mit Ihrer Kranken-/Pflegekasse oder einem Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe in Verbindung. Selbstverständlich können das auch Familienangehörige, Nachbarn oder gute Bekannte für Sie übernehmen, wenn Sie dieser Person eine Vollmacht geben.

·  Die Landesverbände der Pflegekassen veröffentlichen im Internet Vergleichslisten über die Leistungen und Vergütungen der zugelassenen Pflegeeinrichtungen sowie über die nach Landesrecht anerkannten Angebote zur Unterstützung im Alltag. Sie können diese Liste bei der Pflegekasse auch anfordern, wenn Sie einen Antrag auf Leistungen stellen.

·  Sie haben einen Anspruch auf frühzeitige und umfassende Beratung durch Berater Ihrer Pflegekasse. Der Anspruch gilt auch für Angehörige und weitere Personen, zum Beispiel ehrenamtliche Pflegekräfte, sofern Sie zustimmen. Die Pflegekasse bietet Ihnen unmittelbar nach Stellung eines Antrags auf Leistungen einen konkreten Termin für eine Pflegeberatung an, die innerhalb von zwei Wochen nach Antragstellung durchzuführen ist. Die Pflegekasse benennt Ihnen außerdem einen Pflegeberater, die oder der persönlich für Sie zuständig ist.

·  Sobald Sie Leistungen der Pflegeversicherung beantragt haben, beauftragt Ihre Pflegekasse den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder andere unabhängige Gutachterinnen beziehungsweise Gutachter mit der Begutachtung zur Feststellung Ihrer Pflegebedürftigkeit.

·  Bitten Sie Ihre Pflegeperson, bei der Begutachtung anwesend zu sein.

·  Versuchen Sie einzuschätzen, ob die Pflege längerfristig durch Angehörige durchgeführt werden kann und ob Sie ergänzend oder ausschließlich auf die Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes zurückgreifen wollen.

·  Ist die Pflege zu Hause nicht möglich, können Sie sich über geeignete vollstationäre Pflegeeinrichtungen informieren und beraten lassen.

·  Bei allen Fragen stehen Ihnen die Pflegeberater Ihrer Pflegekasse sowie die Mitarbeiter der Pflegestützpunkte vor Ort zur Verfügung.

jetzt zu shz.de