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Zahngesundheit : Per Laser des Übels Wurzel packen

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Die Photoaktivierte Chemotherapie ist ein spezielles Verfahren zur Zahnbehandlung und kann - etwa bei Entzündungen von Wurzeln - die Erfolgsquote auf 95 Prozent steigern.

Wanderup | Die Szene wirkt auf den ersten Blick ein wenig befremdlich: Der Patient auf dem Behandlungsstuhl trägt eine überdimensionierte Sonnenbrille, ein blaues Spanngummituch legt sich einem Knebel gleich über seinen geöffneten Mund, und der Zahnarzt hält eine stiftartige Lichtquelle in seiner Hand. Doch was hier passiert, ist nicht etwa Hokuspokus oder ein okkultes Ritual, sondern modernste Zahnmedizin. Photoaktivierte Chemotherapie - kurz PACT - heißt das Verfahren, welches seit einigen Jahren in immer mehr deutschen Zahnarztpraxen zur antibakteriellen Behandlung von entzündeten Zahnwurzeln, aber auch von Parodontose, Karies und Implantat-Entzündungen angewendet wird.

Zum Beispiel bei Peter Hansen in Wanderup (Kreis Schleswig-Flensburg). "Die eine Komponente ist eine spezielle Farbstofflösung, die bei der Behandlung in den zu desinfizierenden Bereich eingebracht wird", erklärt der 49-Jährige. "Innerhalb von ein bis zwei Minuten nimmt jedes einzelne Bakterium, das damit in Berührung kommt, diesen Farbstoff auf. Er heftet sich an die Bakterienmembran. Durch die anschließende Belichtung mit einem Rotlichtlaser entstehen Sauerstoffradikale, welche die Membranen der Bakterien schädigen und zerstören."

Ein überzeugendes Ergebnis

Das Verfahren mit der an sich harmlosen Markerflüssigkeit Toloniumchlorid komme ursprünglich aus der Tumorforschung, die ersten Geräte für Zahnbehandlungen seien bereits Anfang der 2000-er Jahre aus England nach Deutschland gekommen. "Ich habe auf einer ärztlichen Fortbildung 2004 zum ersten Mal davon erfahren und dachte spontan: ,Wow, genial. Es kann nur helfen, das zu verwenden". Bis zu 99,99 Prozent der Bakterien können laut wissenschaftlichen Untersuchungen mit PACT abgetötet werden.

Während bei der üblichen konservativen Wurzelbehandlung samt mechanischer Reinigung der Wurzelkanäle per Feile und nachfolgender chemischer Spülung die Erfolgsquote allgemein bei rund 50 Prozent liege, sei mit diesem zusätzlich angewendeten Verfahren theoretisch eine ungleich höhere Quote von 90 bis 95 Prozent möglich, sagt Hansen und betont: "Das erreicht man allerdings nicht durch PACT allein, sondern nur in Verbindung mit sehr sorgfältiger und fachmännischer Arbeit."

Der Verzicht auf die Technik steht außer Frage

Hansen hat deshalb zur Vertiefung seines Wissens eigens eine mehrjährige berufsbegleitende Zusatzausbildung zum Spezialisten für Endodontie gemacht, der Lehre vom Inneren des Zahnes. "Dort lernt man unter anderem viel über das Gewebe um die Wurzeln herum und über Abfülltechniken bei Wurzelfüllungen." Wichtig sei zum Beispiel, dass jenes oben genannte Spanngummituch, der so genannte Kofferdam, bei der Wurzelbehandlung um den zu desinfizierenden Zahn gespannt werde, um damit Bakterien aus der Mundhöhle fernzuhalten. "80 Prozent aller Zahnärzte machen das nicht", so Hansen.

Seit 2006 wendet er das PACT-Verfahren in seiner Praxis an, als einer der ersten Zahnärzte in Schleswig-Holstein, wie er sagt. "Ich mache heute keine Wurzelbehandlung mehr ohne, denn ich denke, alles, was eine Behandlung besser macht, sollte man auch nutzen." Einer seiner ersten PACT-Behandelten war Michael Schween - ein besonders schwieriger Fall. Dem 48-jährigen Galeristen aus Harrislee zerstörte ein schwerer Arbeitsunfall im Jahre 1983 den Großteil seines Gebisses. "Ich habe dann vor dem Wiederaufbau meiner abgebrochenen Zähne zunächst normale Wurzelbehandlungen bekommen", erinnert Schween sich. "Aber es gab über die Jahre immer wieder Probleme." Eitrige Entzündungen der Zähne plagten ihn ausdauernd, Füllungen lösten sich, mehrfach musste er sich erfolglos komplizierten Operationen unterziehen, bei denen etwa entzündete Wurzelspitzen entfernt wurden.

Gesetzliche übernehmen die Kosten nicht

Die Erlösung kam durch einen Zufall, als Peter Hansen sich in Schweens Galerie nach Bildern für die Deckendekoration in seinen Behandlungsräumen umschaute. "Wir kamen ins Gespräch, da habe ich ihm von meinem Problem berichtet und ihn gefragt, ob er sich das mal anschauen kann. Er hat mir dann bei einem Termin die Behandlung ganz genau und super erklärt, da habe ich mich entschlossen, alles neu zu machen." Hansen ersetzte in mehreren Sitzungen unter anderem acht Wurzelfüllungen unter Einsatz der PACT-Behandlung.

"Ich wurde komplett saniert mit dem Verfahren, und ich bin sehr begeistert", so Schween. "Seitdem habe ich absolut keine Beschwerden mehr mit meinen Zähnen, das langjährige Drama ist vorbei." Doch einen Haken gibt es bei PACT. Das verhältnismäßig neue Verfahren wird bislang nur von einigen privaten Krankenkassen getragen - von den gesetzlichen Krankenkassen jedoch noch nicht. Für Michael Schween ist das nach seinen Erfahrungen kein Thema. "Ich würde mich immer wieder für diese Behandlung entscheiden."

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erstellt am 27.Mär.2013 | 06:16 Uhr

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