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Endoskopie : Operationen durchs Schlüsselloch

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Neue Techniken ermöglichen Operationen ohne große Schnitte. Für den Patienten verbessert sich dadurch auch die Situation nach dem Eingriff.

shz.de von
erstellt am 24.Mär.2012 | 02:37 Uhr

Um Operationen an Organen durchführen zu können, die sich in den großen Körperhöhlen, wie zum Beispiel der Bauchhöhle oder dem Brustraum befinden, waren bis vor wenigen Jahren in der überwiegenden Anzahl der Fälle großzügige Eröffnungen der jeweiligen Eingeweidehöhle erforderlich. Dies bedeutete ein nicht unerhebliches Trauma, denn um den nötigen Überblick über das Organ und die entsprechende Krankheit gewinnen zu können, musste beispielsweise die Muskulaturder Bauchdecke oder aber auch die Verbindung zwischen den Rippen durchtrennt werden, um diese Körperhöhlen zu eröffnen.
Je nach Situation und Ausdehnung konnte dies für den Patienten mit einer längeren Verweildauer im Krankenhaus und einem zum Teil unbefriedigenden kosmetischen Ergebnis behaftet sein. Zudem war es insbesondere an den Übergängen der Körperhöhlen, wie im Bereich des Zwerchfells oder im kleinen Becken, trotz dieser großen Zugangsschnitte schwierig, einen ausreichenden operativen Überblick zu gewinnen - viele assistierende Operateure und optimale Ausleuchtungsverhältnisse waren erforderlich.
Revolution per Klammernahtgerät
Mit Hilfe neuer endoskopischer Techniken wie der Laparoskopie (Bauchraumspiegelung) und Thorakoskopie (Brustraumspiegelung), im Volksmund auch als Schlüsselloch-Techniken bezeichnet, hat sich die Situation in den vergangenen zehn Jahren für viele Patienten erheblich verbessert. Während rein diagnostische Bauchraumspieglungen schon länger möglich waren, ist die erste therapeutische laparoskopische Operation erst Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Form einer endoskopischen Blinddarmentfernung durchgeführt worden. In der Folge hat sich diese Technik rasant entwickelt.
Heute stehen, auch dank der schnellen Entwicklung, immer weiter optimierte endoskopische Operationsinstrumente sowie eine Vielzahl von Operationsmethoden in der Schlüsselloch-Technik zur Verfügung. Eine bedeutende Entwicklung war die Erfindung sogenannter Klammernahtgeräte: Instrumente, mit denen zwei Hohlorgane miteinander verbunden werden können, zum Beispiel zwei Darmenden, ohne mit Nadel und Faden eine solche Naht per Hand durchführen zu müssen. So können heute unter anderem endoskopische Operationen an Blinddarm, Gallenblase, Dünndarm, Dickdarm, Magen, Milz, Leber, Bauchspeicheldrüse und Lunge mit derselben technischen Sicherheit durchgeführt werden, wie die konventionellen Schnittoperationen.
Minikamera blickt in Bauch und Lunge
Während dies bis vor Kurzem noch hauptsächlich für gutartige Erkrankungen des Bauch- und Lungenraumes galt, so zeigen die Ergebnisse jüngster Studien, dass auch bei Operationen durchs Schlüsselloch Bösartigkeit (zum Beispiel Darmkrebs) eine endoskopische Operation mit derselben Sicherheit durchgeführt werden kann wie die offene Schnittoperation. Die Vorteile für die Patienten: eine schnellere Rekonvaleszenz und weniger Schmerzmittelbedarf. So sind auch die häufig erforderlichen Anschlussbehandlungen schneller und bei einem größeren Teil der Patienten möglich.
Ein weiterer Vorteil der Methode liegt in der Schonung der Bauchdecke oder des Brustkorbes, die Rate an Narbenbrüchen ist gering. Technisch wird unterhalb des Nabels ein etwa ein zentimeterlanger Hautschnitt angelegt und hierüber eine Hülse, ein sogenannter Trokar, eingebracht. Darüber kann mit einer sicht- und lichtverstärkten Minikamera der Bauch- oder Lungenraum eingesehen werden. Anschließend werden zwei bis drei weitere Arbeitshülsen in die Bauchdecke eingesetzt. Hierüber ist die Operation möglich. Das Kamerabild wird auf einen großen, im Operationssaal aufgehängten Flachbildschirm übertragen, sodass alle an der Operation beteiligten Ärzte, Schwestern und Pfleger den Verlauf der Operation mitverfolgen und beurteilen können.
Entscheidend: Neueste Technik und erfahrene Operateure
Durch die Vergrößerung und die optimale Ausleuchtung sind die Strukturen und Organe häufig besser und genauer zu erkennen, als es bei der offenen Operation möglich ist. Die Entwicklung neuer HD-Technologie auch in diesem Bereich hat die entsprechende Qualität der Bilder und damit die Sicherheit für den Patienten weiter optimiert.

Die Chirurgische Klinik des Malteser Krankenhauses St.Franziskus-Hospital hat bereits in den 90er Jahrenmit derUmsetzung dieser Technologie begonnen. Derzeit werden jährlich über 1000 Operationen mithilfe der Schlüsselloch-Technik durchgeführt. Darunter befinden sich Operationen am Blinddarm, an der Gallenblase, bei Leistenbrüchen, bei gut- und bösartigen Erkrankungen des Dickdarmes, die Manschettenoperation bei Sodbrennen, aber auch endoskopische Operationen bei gutartigen Lebertumoren, Nebennierenveränderungen und die Milzentfernung. Aufgrund der großen Anzahl von Operationen, die in diesem Bereich bereits durchgeführt werden, kann auch das technische Know-How regelmäßig an jüngere Mitarbeiter weitergegeben und damit der operative Standard auch in der Zukunft gehalten werden.


Zudem sind regelmäßige Investitionen in die hoch spezialisierte Technik erforderlich und umgesetzt. Besondere Bedeutung hat dieses Verfahren auch bei älteren Patienten, denn durch das schonendere operative Vorgehen ist die Rekonvaleszenz in der Regel gerade bei ihnen kürzer und die Komplikationsmöglichkeiten durch einen langen Krankenhausaufenthalt (Lungenentzündung, Thrombose) geringer. "Es handelt sich bei den endoskopischen Operationsverfahren umhochtechnische organ- und patientenschonende Verfahren, die in der Zukunft sicher auch in der Behandlung aller bösartigen Erkrankungen in ihrer Bedeutung zunehmen werden", sagt Prof. Dr. Stephan Timm, Chefarzt der Chirurgischen Klinik am St. Franziskus-Hospital. "Entscheidend ist, dass diese Eingriffe in einer Einheit mit entsprechender Erfahrung, standardisierter Ausbildung und mit den neuesten technischen Geräten durchgeführt werden."

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