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Weltgesundheitstag 2016 : Null Teelöffel pro Tag - mein Leben ohne Zucker

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Für unsere Redakteurin Barbara Maas ist Zucker tabu. Ihr Aufschrei zum Weltgesundheitstag: „Keine Sorge, das ist okay.“

von
erstellt am 06.Apr.2016 | 20:25 Uhr

Ich bin heute genau ein Jahr, zwei Monate und 25 Tage clean. Kein Zucker, kaum Obst, kein Honig, kein Agavendicksaft oder Ahornsirup. Aber auch keine Wurst, kein Ketchup und kein Fertigessen, denn die enthalten fast immer Fructose- oder Glucosesirup. Ich habe das nicht statistisch erhoben, aber im letzten Jahr viele Etiketten auf Lebensmitteln gelesen. Warum? Ich habe mehrere Nahrungsmittelintoleranzen entwickelt, unter anderem gegen Fructose. Ja, das geht noch mit Mitte 30. Einfach so.

Am 5. April ist Weltgesundheitstag. In diesem Jahr steht Diabetes im Mittelpunkt. Hoher Zuckerkonsum erhöht das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken - und kann auch andere Schäden anrichten.

Wenn ich erzähle, was ich esse und was nicht, gucken die Leute immer gleich so mitleidig. Ich möchte sie dann gern anschreien: „Das ist okay. Mir geht es gut. Ich esse gern. Ich esse genug – vor allem genug Kohlenhydrate.“ Wenn jemand im sh:z-Newsroom Geburtstag hat und tonnenweise Schokolade mitbringt, laufe ich ohne irgendein Verlangen daran vorbei. Das hat nichts mehr mit Selbstkontrolle zu tun. Ich weiß einfach: Zucker macht mich krank.

Dass Zucker nicht nur mich, sondern auch viele andere krank macht, findet die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Wer viel Zucker isst, wird schneller übergewichtig und steigert damit sein Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zum Weltgesundheitstag 2016 hat die WHO dieses Video veröffentlicht:

Der Darmflora schadet viel Zucker auch.

Vor einem Jahr hat die WHO deshalb eine Zucker-Empfehlung herausgegeben: höchstens zehn Prozent der Gesamtenergie, das sind für einen durchschnittlichen normalgewichtigen Erwachsenen 50 Gramm täglich – zwölf Teelöffel. „Die WHO schlägt eine weitere Reduzierung auf unter fünf Prozent der Gesamtenergie vor“, heißt es weiter. Das sind sechs Teelöffel – schon eine Dose Cola liefert mehr.

Der WHO geht es nicht um Zucker, der in Obst und Gemüse steckt, sondern nur um „freien“ Zucker wie in Haushaltszucker, Honig und Fructosesirup. Zwölf Teelöffel pro Tag – das sind im Jahr 18,25 Kilo. Durchschnittlich isst jeder Deutsche allerdings 36 Kilo Zucker im Jahr.

Ich glaube, ich kam auf noch mehr. In den letzten Jahren war ich ein Zuckerjunkie. Also, ich hatte das natürlich total im Griff. Ich kaufte mir nur jeden zweiten Tag in der Mittagspause was Süßes. An den anderen stand ich spätestens um 16 Uhr leicht zappelig reihum an den Schreibtischen der Kollegen: „Hast du noch was?“ Und manche Kollegen hatten. Lakritz. Kekse. Schokolade. Weingummi. 200 Gramm für mich allein - kein Problem. Ein Löffelchen Honig in den Tee, Zucker in den Kaffee, Schokobrötchen, mittags mal ne Currywurst. Abends kippte ich Dressing aus der Flasche über meinen Salat. Normal, oder?

Dass etwas nicht in Ordnung war, war offensichtlich: Ständig hatte ich Bauchschmerzen, Blähungen und Ausschlag am Körper und im Gesicht. Ich war müde. Und ich bekam jeden Infekt, der in der Luft lag. Den kalten Entzug verordnete ich mir nach einer Konsultation bei Dr. Google selbst, die Diagnose Fructoseintoleranz stellte dann später ein Arzt.

Die ersten Wochen waren hart. Mir war ständig kalt. Vor allem nachmittags fiel es mir schwer, mich zu konzentrieren. Innerhalb von sechs Wochen verlor ich fünf Kilo - zehn Prozent meines Körpergewichts. Als das Schlimmste vorbei war, hatte ich Geburtstag. Für mich gab es Kartoffelchips, für meine Gäste außerdem Schokoküsse und Gummibärchen. Als ich die Weingummi-Tüte aufriss, wurde mir fast schlecht. Zum ersten Mal fiel mir auf, wie künstlich Gummibärchen riechen.

Auch meine Geschmacksnerven sind viel empfindlicher als früher. Kokoswasser, Mandeln und Erdmandeln, Zimt und Vanille schmecken für mich inzwischen sehr süß und sind genauso gute Seelenstreichler wie Schokolade. Ins Rhabarberkompott kommt Stevia. Und für den absoluten Zuckerkick esse ich alle paar Wochen eine Banane.

Rhabarber-Barbara kocht Kompott. #eatclean #stevia #vanille

Ein von Barbara Maas (@bamafle) gepostetes Foto am

Alles gut also. Blöd nur, dass mir das nach wie vor kaum jemand glaubt. Als ich Weihnachten meine Eltern besuchte, aßen die beiden auch viel weniger Schokolade und Plätzchen als die Jahre zuvor. Das dachte ich jedenfalls. Als ich meine Mutter darauf ansprach, antwortete sie: „Wir essen das alles immer noch. Aber nur, wenn du nicht da bist. Wir wollen dich ja nicht quälen!“

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