Kooperationsvertrag : Nord-Kliniken bündeln ihre Kräfte

Sehen viele Vorteile in der Kooperation (v.l.): Christian Utler (Klinischer Direktor St.Franziskus), Florian Friedel (Geschäftsführer Helios Schleswig), Christian Peters (Krankenhausdirektor Diako) und Klaus Deitmaring (Geschäftsführer St. Franziskus). Foto: Eisenkrätzer
Sehen viele Vorteile in der Kooperation (v.l.): Christian Utler (Klinischer Direktor St.Franziskus), Florian Friedel (Geschäftsführer Helios Schleswig), Christian Peters (Krankenhausdirektor Diako) und Klaus Deitmaring (Geschäftsführer St. Franziskus). Foto: Eisenkrätzer

Die Flensburger Krankenhäuser Diako und St. Franziskus schließen einen Kooperationsvertrag mit dem Helios-Klinikum in Schleswig.

shz.de von
22. Oktober 2012, 06:45 Uhr

Schleswig-Flensburg | Der Flensburger Krankenhausverbund aus Diako und St. Franziskus sowie das Schleswiger Helios-Klinikum wollen die Patientenversorgung im Norden verbessern. Dafür sollen die Schwerpunkte der einzelnen Häuser aufeinander abgestimmt und Doppelstrukturen abgebaut werden. Ein entsprechender Kooperationsvertrag wurde gestern im Sozialministerium in Kiel unterzeichnet. Er tritt am 1. Januar 2013 in Kraft.
Ziel der Verzahnung der drei Kliniken ist es, vor dem Hintergrund eines anhaltenden Kostendrucks die medizinische Qualität zu verbessern, eine wohnortnahe Versorgung der Patienten sicherzustellen und wirtschaftlicher zu arbeiten, erklärten die Vertragspartner. St.-Franziskus-Geschäftsführer Klaus Deitmaring sieht in der Kooperation eine Fortentwicklung der erfolgreichen Zusammenarbeit der Flensburger Kliniken und fasst die Strategie so zusammen: "Man macht nicht mehr alles, aber was man macht, macht man besser als andere."
Eine engere Verzahnung der Angebote
Das heißt: Die Kliniken beteiligen sich gegenseitig an bereits bestehenden medizinischen Zentren an den einzelnen Häusern und ermöglichen eine engere Verzahnung der Angebote. So besteht beispielsweise bereits heute eine Zusammenarbeit zwischen dem Traumazentrum an der Diako und Helios Schleswig bei der Versorgung von Schwerverletzten. Diese Zusammenarbeit soll künftig auf die Neurochirurgie und die Perinatalmedizin (Risikoschwangerschaften, Frühgeborene) ausgeweitet werden.
Außerdem wird Helios Mitglied im "Onkologischen Zentrum Nord" am Franziskus-Hospital. Dort wird künftig die umfassende Betreuung von Krebspatienten (OP/Bestrahlung/Chemotherapie) aus der Region konzentriert. In Schleswig wird schwerpunktmäßig die Proktologie (Darmerkrankungen) angesiedelt. Außerdem sollen künftig Patienten auch aus Flensburg auf der Schleswiger "Weaning-Station" von der künstlichen Beatmung entwöhnt und die Brustkrebs-Früherkennung in Schleswig zertifiziert werden. Für die Rehabilitation soll Flensburger Patienten künftig auch die Helios-Klinik in Schönhagen offen stehen.
"Novum für Schleswig-Holstein"
Die Gespräche über die Kooperation der drei Krankenhäuser begannen bereits unter der Federführung des damaligen Vorstandsvorsitzender der Damp-Holding, Carl-Heinz Schleifer, bevor der Helios-Konzern die Damp-Gruppe als Träger der Schleswiger Kliniken (Martin-Luther-Krankenhaus, Fachklinik) übernahm. Schleifer begleitete den Verhandlungsprozess bis zum Abschluss und bezeichnete das Ergebnis gestern als "Novum für Schleswig-Holstein", weil der Vertrag nicht nur von den drei Klinikträgern, sondern auch vom Sozialministerium unterschrieben wurde.
Das mache deutlich, dass das Vorhaben "als Ehe auf Dauer" angelegt sei. Festgelegt sei, dass die Träger das Ministerium einmal jährlich über ihre Kooperationserfahrungen informieren. Auch sei eine eventuelle Kündigung des Vertrages durch einen der Partner nur unter Einbeziehung der Behörde möglich, erklärte er.
"Die Vereinbarung stärkt die gesundheitliche Versorgung"
Gesundheitsministerin Kristin Alheit bezeichnete die Kooperation zwischen privaten (Helios) und frei-gemeinnützigen Trägern (Krankenhausverbund Flensburg) als "innovativ und beispielhaft für unser Land". "Die Vereinbarung stärkt die gesundheitliche Versorgung im Norden des Landes und zeigt, dass Kooperation von Krankenhausträgern trotz Wettbewerbs auf dem Gesundheitsmarkt möglich ist", sagte sie. Gerade vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und des großen Fachkräftebedarfs sei dies der richtige Weg.
Das bekräftigte auch Klaus Deitmaring. Eine Verbesserung der Patientenversorgung könne nur gelingen, wenn ausreichend hoch qualifiziertes medizinisches Personal zu bekommen sei. Die Abstimmung der Schwerpunkte untereinander schaffe die Möglichkeit, die Attraktivität der Arbeitsplätze zu steigern und biete somit Zukunftssicherheit wie Weiterentwicklungs-Potenzial für die Mitarbeiter, sagte er. Unisono versicherten die Vertragspartner, dass im Zuge der Kooperation weder Versetzungen noch der Abbau von Arbeitsplätzen geplant seien. Diako-Direktor Christian Peters: "Das wäre kontraproduktiv. Wir sind ja froh über jeden qualifizierten Mitarbeiter, den wir haben."

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