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Stammzellenspender : "Nicht schlimmer als Blut spenden"

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"Berat will leben" heißt die Stammzellen-Aktion für ein Sylter Kleinkind. Der Tinnumer Olaf Kirsten hat bereits einmal einem Leukämie-Patienten Stammzellen gespendet.

Sylt | Als 2007 der Anruf der Deutschen Knochenmarksdatei kam, hatte Olaf Kirsten schon fast vergessen, dass er dort registriert war. Zehn Jahre zuvor war der heute 42-Jährige mit seinem Betrieb zu einer Typisierungsaktion nach List gefahren, dort wurde ihm Blut abgenommen. Mit diesem Pieks war sein Engagement erstmal vorbei. Dann klingelte zehn Jahre später das Telefon. Denn durch diesen Pieks wurde Olaf Kirsten zu einem von heute gut 3,7 Millionen Menschen, die weltweit in der Deutschen Knochenmarks-Datei (DKMS) registriert sind. Wenn ein Leukämiekranker ohne Stammzellenspende nicht überleben kann, wird diese Datei durchsucht, ob sich jemand findet, dessen Gewebemerkmale denen des Kranken so ähnlich sind, dass er als Stammzellenspender in Frage kommt.
Das war bei Kirsten der Fall - nachdem er noch einmal zum Blutabnehmen zum Arzt musste, war klar, dass er mit einer Stammzellenspende das Leben eines anderen retten kann. "Ich wurde gleich am Anfang gefragt, ob ich überhaupt noch Interesse habe, zu spenden", betont der Tinnumer Tischlermeister, "ohnehin fand ich es sehr positiv, dass die DKMS mich die ganze Zeit über jeden einzelnen Schritt aufgeklärt hat, und ich auch ohne schlechtes Gewissen hätte Nein sagen können." Aber Olaf Kirsten sagte Ja: "Weil ich doch auch wollen würde, dass jemand spendet, wenn mein Kind oder meine Frau das braucht." Wer seine Stammzellen erhält, dass weiß der Spender nicht: "Meine Frau war damals mit unserer Anna schwanger - ich hatte im Kopf immer die Vorstellung, dass ich für ein Kind spenden würde."

Sämtliche Kosten werden von der DKMS übernommen

Mit diesem Bild im Kopf flogen Kirsten und seine Frau gut drei Monate nach dem ersten Telefonat nach Dresden, in einer dortigen Klinik sollten Kirsten die Stammzellen aus dem Blut "gefiltert" werden. Die Spenden-Variante, bei der Knochenmark durch Punktion des Beckenknochens entnommen wird, ist heutzutage in den meisten Fällen nicht mehr notwendig.
Für Spender und Begleitung werden sämtliche Kosten wie Flug, Hotel oder Lohnfortzahlung von der DKMS übernommen. "Das Spenden selbst war nicht wirklich unangenehmer als Blut abnehmen", erinnert sich Kirsten. Er habe mit einer Kanüle im Arm in einer Art bequemem Zahnarztstuhl gesessen und einen Film gesehen. Währenddessen wurden zwei Stunden lang Stammzellen aus seinem Blut "gefiltert" - davon merke man gar nichts. "Danach haben meine Frau und ich uns Dresden angesehen - da wir dort vorher noch nicht waren, war das ein schöner Nebeneffekt.

Nur die Fluggesellschaft sorgt für Schrecken

Einzig an einen wirklich schlimmen Momente erinnert sich Kirsten - und der wurde nicht durch sein Spender-Engagement, sondern durch eine Fluglinie ausgelöst: Fünf Tage vor der Spende müssen die Spender einen Wirkstoff vom Hausarzt gespritzt kriegen oder sich selbst spritzen, der dafür sorgt, dass viele Stammzellen ins Blut übergehen. Während dieser Zeit wird das Immunsystem des Leukämie-Patienten heruntergefahren, damit sein Körper die Stammzellenspende annimmt. Das heißt, ab diesem Zeitpunkt ist es für den Patienten überlebenswichtig, dass die Spende auch wirklich kommt. "Und dann war auf dem Flug in die Klinik beim Zwischenstopp in München auf einmal meine Tasche weg, in der die letzte nötige Spritze für mich war", erinnert sich Kirsten. Nach einem Riesenschreck und nachdrücklichen Erklärungen bei der Fluggesellschaft tauchte die Tasche eine gute Stunde später wieder auf - "alles andere wäre auch zu schrecklich gewesen."
Nach seinem Ausflug nach Dresden ging das Leben von Familie Kirsten seinen üblichen Gang. Viele Spender und erfolgreich behandelte Patienten wollen sich kennen lernen, ist die Erfahrung der DKMS. Ein Treffen ist erst nach zwei Jahren erlaubt, vorher können sich die beiden anonymisiert Briefe schreiben, die die DKMS weiterleitet. Bei Olaf Kirsten kam es dazu nicht: Ein Jahr nachdem er in Dresden war, erfuhr er von der DKMS, dass der 50-Jährige, dem er Stammzellen gespendet habe, ein halbes Jahr später an einer Lungenentzündung gestorben. sei. "Da war ich schon traurig. Nicht, weil ich dachte, dass meine Spende umsonst war. Die hat ihm vielleicht für die Monate geholfen." Sollte die DKMS bei Olaf Kirsten noch einmal anrufen, "dann sage ich wieder ja. Man ist doch für einen Menschen vielleicht die letzte Chance."

Was ist die DKMS:
Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) wurde 1991 gegründet. Damals gab es - anders als in den USA - in Deutschland noch kein Register, in dem die genetischen Merkmale von vielen Menschen gespeichert werden. Heute ist die DKMS die weltweit größte Spenderdatei. Oft findet sich in der Datei für einen Patienten aber auch kein Spender - wie es gerade bei dem Sylter Berat (2) der Fall ist. Für ihn wird deshalb am Sonntag, 16. Juni eine Aktion, bei der sich Menschen von 10 bis 16 Uhr in den Räumen der Lebenshilfe per Blutabnahme in die Kartei aufnehmen lassen können. Antworten auf viele Fragen zum Thema Typisierung und Stammzellenspende gibt die Homepage www.dkms.de

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erstellt am 03.Jun.2013 | 06:25 Uhr

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