Neues Register im Kampf gegen Krebs

Landesweite Datensammlungen sollen Aufschlüsse darüber geben, wie und wo Tumor-Erkrankungen am besten behandelt werden

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06. Mai 2015, 09:36 Uhr

„Sie haben Krebs.“ – Jedes Jahr werden rund 19  000 Schleswig-Holsteiner von ihrem Arzt mit dieser niederschmetternden Diagnose konfrontiert. Bundesweit erkranken rund 500  000 Menschen neu. Krebs gilt als eine der am schwierigsten zu behandelnden Krankheiten, mit jährlich fast 224  000 Sterbefällen ist sie nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache. Jetzt soll die Behandlung systematisch verbessert werden: Das Kieler Kabinett hat in dieser Woche grünes Licht für ein neues klinisches Krebsregister gegeben, in dem alle Patientendaten erfasst werden.

Ein sogenanntes epidemiologisches Krebsregister gibt es in Schleswig-Holstein schon seit 1998. Darin sind die Häufigkeit und Verteilung der Erkrankungen nach Regionen, Alter, Geschlecht sowie die Überlebenszeit der Patienten erfasst. Das darauf basierende neue Register, das unter Regie des Sozialministeriums in diesem Jahr aufgebaut werden und 2016 den Betrieb aufnehmen soll, geht darüber hinaus: In einem bundesweit einheitlichen Datensatz werden sämtliche Angaben zum Krankheitsverlauf – von der Diagnose über Therapie und Nachsorge bis zur Heilung (oder zum Tod) – fortlaufend gespeichert und ausgewertet. Übermittelt werden sie von Praxen und Krankenhäusern.

Ziel des integrierten klinisch-epidemiologischen Registers sei eine bessere Krebsbekämpfung, sagte Gesundheitsministerin Kristin Alheit. „Krebsregister sind ein Instrument der Qualitätssicherung und dienen der Weiterentwicklung der onkologischen Versorgung.“ Grundlage ist das vom Bundestag 2013 beschlossene Krebsfrüherkennungs- und Registergesetz (KFRG), das die Bundesländer zur Einrichtung solcher flächendeckenden Datensammlungen bis 2017 verpflichtet.

Bei wie vielen Menschen kommt es nach einer Operation zum erneuten Auftreten des Tumors? Gibt es Anbieter von Früherkennungsuntersuchungen, die häufiger als andere Tumore übersehen haben? Und: In welchen Kliniken ist der Anteil leitliniengerechter Behandlungen besonders niedrig? Aus den Antworten auf solche Fragen versprechen sich Mediziner, Krankenkassen und Politiker Aufschlüsse über die besten Heilmethoden – und die Vergleichbarkeit der Behandlungsqualität von Ärzten und Kliniken. Die Rückmeldung der vom Register ausgewerteten Daten an die behandelnden Mediziner soll die Zusammenarbeit von Ärzten verschiedener Fachrichtungen erleichtern und „Anreize zur Qualitätsoptimierung“ geben. „Gibt es deutliche Unterschiede der Ergebnisse, die nicht durch die Krankheitsschwere oder Besonderheiten der Patienten, zum Beispiel Begleiterkrankungen, zu erklären sind, können die betroffenen Leistungserbringer mögliche Defizite erkennen und auf sie reagieren“, erklärt Ministeriumssprecher Christian Kohl.

Auf die Auswertungen reagieren will auch die Politik. So sollten die Daten, die Transparenz über die Versorgung von Krebskranken im Land ermöglichen, auch in die künftige Krankenhaus-Planung einbezogen werden. Niveau-Unterschiede sollen abgebaut werden, um allen Patienten die gleichen Chancen auf Heilung zu ermöglichen. Auch die Patienten bekommen die Informationen über das gesamte Versorgungsgeschehen.

Erfasst werden die Daten von der Vertrauensstelle bei der schleswig-holsteinischen Ärztekammer. Dort würden, um den Datenschutz zu gewährleisten, personen- und krankheitsbezogene Informationen getrennt – und nur letztere zur Auswertung an die Registerstelle beim Institut für Krebsepidemiologie an der Uni Lübeck weitergeleitet. Der Meldung widersprechen können Patienten nicht, jedoch der Speicherung ihres Namens und der Anschrift. „Der Gesetzentwurf für die Krebsregistrierung ist in enger Abstimmung mit dem Landeszentrum für Datenschutz er¬rbeitet worden“, betont Kohl.

Für eine Meldung an das Register erhalten die Klinik beziehungsweise der Arzt 18 Euro. Für den Aufbau veranschlagt das Ministerium in Kiel rund 900  000 Euro, die vom Land finanziert werden sollen. Die Kosten für den laufenden Betrieb sollen zu 90 Prozent die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen, zehn Prozent die Länder. Erwartet werden Betriebskosten von rund 2,7 Millionen Euro ab 2016. Der Kabinettsentwurf wird in den nächsten Monaten im Landtag beraten.

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