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Neues Angebot: Praktische Hilfe für pflegende Angehörige

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itzehoe | Mehr als 80 000 Menschen in Schleswig-Holstein sind pflegebedürftig, 60 Prozent von ihnen werden von der Familie im häuslichen Umfeld betreut. Ein harter Job. "Es gibt viele Möglichkeiten, die Angehörigen zu entlasten, aber das wissen die meisten gar nicht", sagt Karina Trede. Das zu ändern, ist Aufgabe der Pflegetrainerin und ihrer Kollegin Michaela Haack im Klinikum Itzehoe. Es beteiligt sich am Modellprojekt "Familiale Pflege" in Kooperation mit der AOK Nordwest und der Universität Bielefeld, und zwar als einziges im Bereich Westküste und Unterelbe, so AOK-Regionaldirektor Alf Jark.

Die Besonderheit: "Den Angehörigen kommt eine entscheidende Rolle zu", sie seien die Hauptadressaten, sagt Stephan Seifen von der Uni Bielefeld. Im Bundesvergleich sei die häusliche Pflege in Schleswig-Holstein "relativ unterentwickelt". Jark erhofft sich eine Stärkung, deshalb finanziert die AOK das Angebot. Dadurch ist es für die Teilnehmer kostenlos, unabhängig von der Pflegekasse, der sie angehören.

Die Ausgangslage: Ein Patient - wegen der besonderen Anforderungen sind Kinder bisher nicht erfasst - ist nach dem Krankenhaus-Aufenthalt pflegebedürftig. Entscheidungen müssen oft unvorbereitet und schnell getroffen werden. Dabei leiste die "Familiale Pflege" gute und praktische Hilfe zum richtigen Zeitpunkt, so Jark. Sie setzt bereits am Krankenbett an mit der Suche nach einer individuellen Lösung. Diese soll die Lebensqualität der Patienten und der Pflegenden erhöhen. Dafür biete das Projekt eine Kombina tion aus Organisation und Anleitung in der Pflege, so Heiderose Killmer, Pflegedienstleitung im Klinikum.

Bei der Beratung wird die gesamte Familie mit einbezogen. Rollen werden geklärt, ein pflegerisches Netzwerk wird gebildet, um die Verantwortung zu verteilen. Das Projekt wirke der Vereinsamung der Pflegenden entgegen, so Irmgard Laibida, Pflegedirektorin im Klinikum. Dazu trägt auch das Angebot eines Gesprächskreises bei.

Die Pflegetrainerinnen achten auch darauf, ob das häusliche Umfeld stimmt und die richtigen Hilfsmittel vorhanden sind. Und vor allem schulen sie die Angehörigen, ob im Klinikum oder zu Hause, bei Themen wie Lagerung, Mobilisation, Hygiene oder Hilfe bei Essen und Trinken. All das kann bis zu sechs Wochen nach Entlassung aus dem Krankenhaus in Anspruch genommen werden, wenn eine Pflegestufe vorliegt. Unabhängig davon werden ständig dreiteilige Pflegekurse angeboten, kostenlos und für jeden offen.

In drei Schulungen wurden Michaela Haack und Karina Trede auf die Aufgabe vorbereitet. Der nächste große Schritt ist die Weiterbildung im Bereich Demenz in 2014.

Die Unterstützung durch die "Familiale Pflege" sei wichtig, um den "Drehtüreffekt" zu verhindern, dass Patienten schnell wieder im Klinikum landen, so Irmgard Laibida. Das Vorhaben sei das i-Tüpfelchen auf bestehende Strukturen wie das Case Management, betont Genia Dohnke, Projektbegleiterin im Klinikum. Und es sei sehr niedrigschwellig, unterstreicht Alf Jark: "Keine Anträge, keine Genehmigungen, keine Kosten."Infos: 04821/7722233.

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erstellt am 01.Aug.2013 | 04:59 Uhr

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