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Wohnen : Nachhaltig und funktional - Design in Zeiten der Globalisierung

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Design verändert sich ständig - denn die Kreativen spiegeln in ihren Entwürfen auch immer die Umstände ihrer Zeit wider. Derzeit bewegen viele die Folgen der Globalisierung und eine möglichst nachhaltige Nutzung der begrenzten Ressourcen.

shz.de von
erstellt am 30.Sep.2013 | 09:21 Uhr

Design geht derzeit durch einen Prozess des Erwachens. Es beschäftigt sich mit dem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und dem Wunsch vieler Kunden nach mehr Individualität. «Durch den technischen Fortschritt und die Globalisierung war der Designer des ausgehenden Jahrhunderts in einem Rausch der Möglichkeiten», erklärt der Designer und Möbelproduzent Nils Holger Moormann. «Heute muss das Design an der Spitze einer Bewegung stehen, die das Ende eines Produkts von Anfang an mitdenkt und die sich der Verantwortungen einer globalisierten Produktion voll bewusst ist.»

Die Möbel sind reduziert in der Formensprache, bestehen oft aus einfachen Materialien wie Sperrholz. Sie sind multifunktional und benutzerfreundlich. So kommt das Bett «Tagedieb» von Moormann ohne Schrauben aus. Es wird mit Hilfe von vier Klammern zusammengesteckt. Beim Tisch «Klopstock» können die Beine durch ein Klickschnappsystem in verschiedene Positionen gebracht werden.

«Die Bedeutung des Designs ist in den vergangenen 15 Jahren kontinuierlich gewachsen», sagt Moormann. Parallel habe es sich vollständig aus seinen Ursprüngen in Architektur und Handwerk emanzipiert. «Daraus erwächst natürlich eine gewaltige Verantwortung», erläutert Moormann. «Der Designer von heute muss also ganzheitlicher und reflektierter arbeiten – ich kenne keinen anderen Beruf, der ein solch breites Aufmerksamkeitsspektrum erfordert.»

Es gibt derzeit keine verbindliche Ästhetik. Das zeigen zum Beispiel Entwürfe des deutschen Designers Konstantin Grcic. Die Sitzmöbel der Familie «Traffic» sind auf das Wesentliche reduziert. Funktion und Konstruktion liegen offen: Ein Drahtgestell, in das Polster eingeschoben werden - mehr braucht es nicht, damit Sessel oder Sofa leicht und doch voluminös wirken.

Ein weiterer Top-Designer aus Deutschland ist Stefan Diez. Er entwickelt einfache, aber nicht zu einfache Formen. Bei der «Houdini»-Familie (e15) sind die Teile aus dünnem Sperrholz. Sie werden von Hand gebogen und zu fließenden, ineinander übergehenden Formen verleimt. Seine scheinbar simplen Stühle «This That Other» sind aus geformtem und mit Eiche furniertem Schichtholz gefertigt.

Viele Projekte der Brüder Ronan und Erwan Bouroullec wirken künstlerisch-experimentell. Und doch sind sie detailliert geplant und auf die Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten. «Die Objekte müssen dem Verbraucher dienen», sagt Erwan Bouroullec. «Ein gutes Produkt sollte verständlich, brauchbar und reproduzierbar sein. Design muss in der Lage sein, die Tiefenströmungen in der Gesellschaft wahrzunehmen, zu verstehen, vorwegzunehmen und zu begleiten.»

Mit zwei Entwürfen für Vitra haben die Franzosen sogar neue Möbelgattungen begründet: Die kleinen Plastikteile «Algues» ergeben einen Raumteiler. Das Sofa «Alcove» schützt mit hohen Lehnen den Besitzer vor Blicken.

Eine der wenigen Designerinnen, die sich durchgesetzt haben, ist Patricia Urquiola. Sie nutzt selten bis nie rechte Winkel, dafür Dreieckskombinationen. Strickmuster und Dekore sind in die Dreidimensionalität übertragen. Die strenge Geometrie ihres Stuhlgestells «Mafalda» (Moroso) wird mit einer gewellten Sitzschale kombiniert. Die Sessel der «Clarissa»-Familie (Moroso) haben eine gepolsterte Rückenlehne, deren Kopfteil fast schon wie eine kuschelige Kapuze wirkt.

Eine neue Ästhetik bringt Oki Sato in das Design. Der Japaner fügt seinen Entwürfen stets eine poetische Note hinzu: «Japanisches Design wird oft als einfach und funktional bezeichnet», sagt Oki Sato. «Für mich ist die Geschichte, die hinter der Form steckt, immer am wichtigsten.» So wirkt das Holz seiner Kollektion «Splinter» (Conde House), als sei es aufgebogen oder vom Baumstamm abgezogen worden.

Die Grenzen zwischen Design und Architektur sowie Design und Kunst sind heute ziemlich aufgelöst. Diese Zwischenräume und Übergänge werden derzeit intensiv genutzt, sagt Stefan Diez. Heute bestehen die Herausforderungen darin, aus den beliebig scheinenden, unendlichen Möglichkeiten das Sinnvolle zu schlüssigen Konzepten zu bündeln. Und zwar so, dass auch der normale Konsument diese versteht. «Ich glaube, Designer können hier eine entscheidende Rolle spielen.»

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