Mundkrebs - die unterschätzte Gefahr

Auf schlecht heilende Stellen und weiße Flecken im Mund achten / Wer regelmäßig raucht und trinkt, erhöht sein Risiko zu erkranken

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14. Februar 2013, 03:59 Uhr

Kiel | An mehr als jedem zweiten Tag erhält in Schleswig-Holstein ein Patient die Diagnose Mundkrebs. Mundkrebs ist ein Tumor, der in allen Bereichen der Mundschleimhaut einschließlich der Zunge und der Lippen auftreten kann. Gefährlich ist, dass er oft erst zu spät erkannt wird.

Als Dr. Michael Budde im Sommer 2004 im Mund einen kleiner Knubbel an der Wangeninnenseite entdeckt, ahnt er noch nicht, dass dieser Knubbel sein Leben verändern wird. "Zunächst versuchte ich, die wunde Stelle mit Kamille-Spülungen zu behandeln, doch sie verheilte nicht". Auf Anraten seiner Frau stellt sich Budde bei Chefarzt Prof. Dr. Dr. Jörg Wiltfang an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am UK SH, Campus Kiel, vor. Nach Auswertung einer dort entnommenen Gewebeprobe erhält er die niederschmetternde Diagnose: Mundkrebs.

Budde wird sofort operiert. Das Karzinom wird entnommen, die Wunde mit einem Hauttransplantat vom Oberarm abgedeckt. Zudem werden beidseitig die Lymphknoten entfernt. Da sich noch keine Metastasen gebildet haben, kann anschließend auf eine Bestrahlung und eine Chemotherapie verzichtet werden. Zehn Tage bleibt Budde in der Klinik. Danach geht er in regelmäßigen Abständen zur Nachsorge. "Meine Erkrankung hat mich damals komplett aus der Bahn geworfen. Mir wurde die Endlichkeit meines Lebens bewusst. Ich fühlte mich von der Überholspur auf den Standstreifen versetzt. Ich war erst 37 Jahre alt, beruflich lief es super, ich hatte eine Familie gegründet und ein Haus gebaut. Ich hätte nie gedacht, dass gerade ich Mundkrebs bekommen könnte", blickt der Neurochirurg zurück. Nach der OP stellt er seine Lebensgewohnheiten konsequent um. "Vor meiner OP rauchte ich eine Schachtel Zigaretten am Tag, trank viel Kaffee, schlief und bewegte mich zu wenig und versäumte, in meinem schnellen Arbeitsalltag an einer Klinik auf eine gesunde und geregelte Ernährung zu achten", bekennt er. Nun wird er zum Nichtraucher, isst gesund und treibt Sport. Nach zwölf Wochen beginnt er, wieder zu arbeiten, zunächst in Teilzeit später in Vollzeit.

Acht Jahre geht alles gut. Doch im Mai 2012 entdeckt der zweifache Familienvater neben der ersten Operationsstelle einen wunden Fleck. Eine Biopsie bestätigt, dass sich erneut ein Karzinom gebildet hat. Dieses Mal befürchten die behandelnden Ärzte, dass der Krebs Metastasen gestreut haben könnte. Bis die endgültigen Untersuchungsergebnisse vorliegen, beginnt eine Zeit bangen Wartens und Hoffens, die für die gesamte Familie zu einer nervlichen Belastungsprobe wird. Schließlich stellt sich heraus, dass keine Metastasen vorhanden sind. Budde wird ein weiteres Mal von Professor Wiltfang operiert. Nach einer anschließenden Rehabilitationsmaßnahme arbeitet der 45-Jährige momentan in Teilzeit. Er fühlt sich gesundheitlich stabil. Anderen Betroffenen möchte er Mut machen, bei Auffälligkeiten im Mundbereich sofort aktiv zu werden. "Haben Sie keine Angst, zum Arzt oder Zahnarzt zu gehen. Durch das Warten wird die Angst nur noch schlimmer."

Privatdozentin Dr. Katrin Hertrampf freut sich, dass es Michael Budde nach seinen Operationen heute wieder gut geht. Die Zahnärztin an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am UKSH rief im letzten Jahr die Aufklärungskampagne "Gemeinsam gegen Mundkrebs" ins Leben. Nun geht die Kampagne in die zweite Runde. "Wir haben festgestellt, dass Patienten erst sehr spät zu uns kommen, weil die Erkrankung in der Bevölkerung nicht präsent genug ist. Das wollen wir ändern, denn eine frühzeitige Diagnose erhöht die Heilungschancen erheblich." Hertrampf rät deshalb: "Jede Veränderung im Mund, die auffällt und länger als eine Woche unverändert bleibt, zum Beispiel eine Verhärtung oder Verdickung der Mundschleimhaut, sollte man untersuchen lassen. Dies gilt außerdem für leicht blutende oder raue und matt gewordene Oberflächen. Stellen im Mund, die wie ein weißer Fleck oder ein rötlich tiefer liegender Fleck aussehen, sollten ebenfalls abgeklärt werden."

Die Expertin empfiehlt präventiv, die von den Krankenkassen bezahlten Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt halbjährlich oder jährlich wahrzunehmen. Bei diesen Terminen schaut sich der Zahnarzt die Mundschleimhaut gleich mit an.

Auch wenn Nichtraucher und Nichttrinker ebenso erkranken können, sind die Hauptrisikofaktoren für Mundkrebs regelmäßiges Rauchen und regelmäßiger Alkoholkonsum. Die Kombination von beiden erhöht das Risiko deutlich. Zudem steigt es ab einem Alter von 60 Jahren an. Bei Männern ist Mundkrebs mittlerweile die fünfthäufigste Krebserkrankung.

Weitere Infos unter www.mundkrebs.info

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