Ernährung : Mit Mama in der Küche kochen

Kinder müssen vorsichtig an die Küchenarbeit, vor allem wenn es um Schneidearbeiten geht, herangeführt werden. Foto: dpa
Kinder müssen vorsichtig an die Küchenarbeit, vor allem wenn es um Schneidearbeiten geht, herangeführt werden. Foto: dpa

Kinder helfen gerne beim Zubereiten von Mahlzeiten und lernen dabei viel über Lebensmittel – allerdings lauern am Herd auch Gefahren.

shz.de von
03. Juni 2013, 12:03 Uhr

Kiel | Im Sandkasten backen sie Kuchen und rühren in der Matschsuppe – schon Kleinkinder kochen leidenschaftlich gerne. Natürlich am liebsten zu Hause in der Küche. Die ist für sie ein Abenteuer: Es duftet, es dampft, Obst und Gemüse in leuchtenden Farben werden zubereitet und am Ende schmeckt es wunderbar. "Kinder lernen den Umgang mit Lebensmitteln: Wie riecht eine Paprika, wie fühlt sich eine Mohrrübe an, und wie sieht der Apfel von innen aus?", erklärt Gudrun Köster aus Kiel. Das gemeinsame Kochen mit Kindern mache Lust auf das anschließende Essen, ist sich die Ernährungswissenschaftlerin von der Verbraucherzentrale sicher.
Bananen würfeln, Kartoffeln waschen, Käse reiben – bei vielen Aufgaben können Kinder schon früh mithelfen. Das nimmt den Eltern nicht nur Arbeit ab. Es ist auch eine Möglichkeit, gemeinsame Zeit mit dem Nachwuchs zu verbringen. Natürlich können Einjährige noch keine Kartoffeln schälen und Dreijährige nicht die heißen Nudeln abschütten. Aber beim Kochen mit Kindern gilt: Jeder leistet einen kleinen Beitrag, damit es am Ende allen schmeckt.
"Mit vier oder fünf Jahren können die meisten schon gut Gemüse oder Obst schnibbeln", erläutert Kösters Kollege Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Kann der Nachwuchs noch nicht gut mit dem Messer umgehen, sollten Eltern nicht ständig sagen: "Lass mich das machen, das kannst du noch nicht."

Es gibt Möglichkeiten, Kinder einzubinden

Stattdessen können Eltern vorschlagen den Salat zu waschen, Salatsauce umzurühren oder einfach den Tisch zu decken. Zwiebeln lassen sich mitunter auch ohne Messer aus der Schale holen. Auch das Kneten von Teig macht kleinen Kindern riesig Spaß.
Natürlich sollte man Dreijährigen nicht direkt das scharfe Küchenmesser in die Hand drücken. Doch sie können schon gut mit dem Sieb experimentieren, die Kartoffeln waschen oder die Sahne in den Topf schütten. Größere belegen den ausgerollten Teig für die selbst gemachte Pizza oder schnibbeln den Obstsalat als Nachtisch.

Die Neugier siegt

Das Mitkochen und -schneiden sollten Erwachsene aber nicht einfordern: "Wenn Kinder daran kein Interesse haben, sollten Eltern es nicht durchdrücken", rät Valet. Sie könnten aber in regelmäßigen Abständen immer wieder erzählen, was sie kochen und Sohn oder Tochter fragen, ob sie mithelfen möchten. Meist siege dann die Neugier - spätestens, wenn es ums Probieren geht. "Beim Mithelfen in der Küche könnten Eltern nebenbei erklären, wo die Lebensmittel herkommen und was man aus ihnen machen kann", ergänzt Köster. Denn oft fehle Kindern das Wissen darüber.
Mit elektrischen Geräten sollten Kinder nicht alleine hantieren. Sind die Arbeiten erledigt, sollte immer sofort der Stecker gezogen werden. Manche Fünfjährige können zum Beispiel schon einen Mixer halten - mit beiden Händen am Griff, damit nicht aus Versehen ein Finger in die Schüssel rutscht. Achtung: Hat das Kind lange Haare sollten diese zusammengebunden werden, damit sie sich nicht im Rührgerät verfangen. Zudem sollten Eltern unbedingt dabeibleiben, die Schüssel fest halten und beherzt eingreifen, wenn der Mixer losgelassen wird.
Kinder sollten über Gefahrenquellen aufgeklärt werden. Ob sie mit Messern, elektrischen Gräten und vor allem ob sie mit heißen Speisen hantieren dürfen, sollten die Eltern von Fall zu Fall entscheiden. Der Spruch, Messer, Scher, Feuer Licht sind für kleine Kinder nicht, ist zwar kein Evangelium kommt aber auch nicht von ungefähr.

Tomaten sind nur für "Fortgeschrittene"

Beim Umgang mit dem Messer sollte der Nachwuchs lernen, stets vom Körper weg zu schneiden. Klare Ansage: Wird mit dem Messer herumgefuchtelt ist es weg. Üben kann man Anfangs mit einem Buttermesser oder einem nicht so scharfen Tafelmesser. Bananen zum Beispiel lassen sich gut damit schneiden. Weiter geht es mit Paprika. Möhren sind schön lang, so dass Kinder das Ende gut festhalten können, ohne mit der Hand in die Nähe des Messers zu kommen. Allerdings kosten die Kraft, weil sie hart sind. Tomaten hingegen sind nur für "Fortgeschrittene", denn sie sind glitschig und das Messer kann leicht abrutschen.
Auch wenn Kinder schon früh daran gewöhnt werden, in der Küche mitzumachen: Der Backofen und heiße Töpfe und Pfannen sind tabu! Nudeln ins sprudelnde Wasser, Kuchen raus holen, Pommes ins Frittierfett, das sind Aufgaben die auch bei jungen Schulkindern noch die Eltern übernehmen sollten. Doch auch wenn sie nicht selbst an die Töpfe dürfen – Kinder in der Küche müssen lernen: Vorsicht, das ist heiß! Denn nicht nur Töpfe oder Pfannen sind heiß, auch am Backofen oder an Herdplatten können sich Kinder schwer verbrennen, selbst wenn sie schon abgeschaltet sind. Bei kochenden Speisen auf dem Herd sollten Kinder in der Küche nicht allein gelassen werden, auch nicht, wenn es an der Haustür schellt. Und "Griffe von Pfannen und Töpfe sollten immer nach hinten in Richtung Küchenwand gedreht werden", rät Köster.

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