Herzveränderungen : "Mit leichtem Herz lebt es sich leichter"

Rauchen, besonders in jungen Jahren, erhöht das  Herzinfarkt-Risiko im Alter. Foto: sh:z
Rauchen, besonders in jungen Jahren, erhöht das Herzinfarkt-Risiko im Alter. Foto: sh:z

Viele der möglichen organischen Veränderungen innerhalb dieses Systems sind auf die gleichen Ursachen zurückzuführen.

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06. April 2011, 05:27 Uhr

Ganz bewusst können wir unseren Herzschlag zum Beispiel über die Atmung beeinflussen: Der Herzbeutel, der das Herz im Brustkorb vollständig umschließt, ist an seiner unteren Seite mit dem Zwerchfell verwachsen, so dass dessen Bewegungen bei der Atmung auf das Herz übertragen werden. Was passiert, wenn das Herz nicht intakt ist? Rein mechanisch sorgt das Herz dafür, dass Blut - und mit diesem Sauerstoff und Nährstoffe - zu den Organen befördert wird. Wegen dieses unmittelbaren Zusammenhangs von Herzfunktion und Blutkreislauf spricht man bei Störungen meist von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Viele der möglichen organischen Veränderungen innerhalb dieses Systems sind auf die gleichen Ursachen zurückzuführen. Wenn der "Motor" nicht richtig läuft, kann das unterschiedliche Ursachen und zum Teil lebensbedrohliche Folgen haben. Knapp die Hälfte aller Todesfälle in Deutschland lassen sich auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückführen, das sind mehr als 400.000 jedes Jahr. Zwar sind die Zahlen in den vergangenen Jahren leicht rückläufig, alarmierend ist aber, dass inzwischen immer mehr Frauen betroffen sind. Größte Risiken sind die Lebensführung und die Veranlagung. Dafür wird in erster Linie das Rauchen verantwortlich gemacht: Heute rauchen Frauen viel häufiger und früher im Leben als noch vor 30 Jahren. "Rauchen steht in der Reihe von Risikofaktoren ganz weit oben" warnt Professor Machraoui.
Vorbeugen hilft nicht immer
Weitere weitgehend Lebensstilbedingte Ursachen für Herz-Kreislauferkrankungen sind ein erhöhter Cholesterinspiegel, erhöhter Blutdruck, Diabetes, Übergewicht und psychosozialer Stress. Der immer wieder in die Diskussion gebrachte Zusammenhang zwischen Depressionen und Herzkrankheiten hält Professor Machraoui aus medizinischer Sicht für nicht belegt. "Mit leichtem Herzen lebt es sich sicher leichter, aber medizinisch ist das bislang nicht nachweisbar", so der Kardiologe.
Nicht in jedem Fall lassen sich Herzerkrankungen durch einen gesunden Lebensstil vermeiden. Bei angeborenen Erkrankungen wie einem Herzklappenfehler, familiärer Veranlagung, Entzündungen und Störungen des Hormon- und Mineralhaushalts liegt die Herzgesundheit nicht mehr in der eigenen Hand.
Kardiologie bietet umfangreiche Hilfe
Die Kardiologie bietet heute umfangreiche Hilfe fürs Herz durch viele lebensverlängernde Möglichkeiten, die gleichzeitig die Lebensqualität deutlich verbessern. "Kardiologen und Herzchirurgen sollten möglichst in engem Kontakt zueinander arbeiten, um im Notfall alle Verfahren ausschöpfen zu können", sagt Machraoui. Eine ganze Reihe von minimal-invasiven Verfahren (Operationstechniken mit kleinem Schnitt und Eingriff), die inzwischen zum Standardrepertoire der Kardiologie gehören, können Leben retten: Bei Angina pectoris (Brustschmerz) und Herzinfarkt erweitert der Arzt die verengten Herzkranzgefäße mit Hilfe von Gefäßstützen - den Koronarstents. Zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen werden Herzschrittmacher, automatisch arbeitende Elektroschockgeräte (ICD, sogenannte Defibrillatoren, kurz "Defis") implantiert oder Verödungsverfahren (Hochfrequenz-Ablation) mit meist sehr guten Ergebnissen angewendet.
Eine Herzschwäche, die weder mit Medikamenten noch durch die klassischen operativen Möglichkeiten beherrscht werden kann, wird mittels eines aufwendigen Dreikammer-Schrittmachers (CRT) behandelt. Durch Einsetzen von "Schirmchen" (PFO-Okkludern) kann die bei Kindern relativ häufig auftretende offene Verbindungen zwischen den Vorhöfen - ebenfalls in einem minimal-invasiven Verfahren - verschlossen werden.
"Wirkstoffe helfen natürlich nur so lange, wie sie eingenommen werden"
Die bei Herzerkrankungen begleitend oder alleinig einzunehmenden Medikamente müssen meist bis zum Lebensende eingenommen werden. "Das fällt vielen schwer, weil die Patienten sich mit den Tabletten gesund fühlen und denken, man bräuchte sie nun nicht mehr," weiß Professor Machraoui. "Aber das ist falsch: Die Wirkstoffe helfen natürlich nur so lange, wie sie eingenommen werden"."
Die Zeit spielt bei schweren Herzerkrankungen eine entscheidende Rolle. Beim Infarkt kann es beispielsweise zum plötzlichen Herzstillstand oder zu schweren Rhythmusstörungen kommen. Kommt der Patient zu spät zum Arzt, kann wertvolles Herzgewebe absterben. Der Notarzt ist frühestens nach zehn Minuten vor Ort. "Das kann zu spät sein", warnt der Flensburger Kardiologe. "Jeder Mensch sollte daher in der Lage sein, im Notfall eine Herzdruckmassage durchzuführen. Das können sogar Kinder, wenn sie es gezeigt bekommen", sagt Machraoui und plädiert für die Aufnahme einer praktischen Unterweisung im Schulunterricht.

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