Reizdarm-Syndrom : Mit einem Restaurantbesuch fing alles an

Reizdarm - oft sitzt der Knoten im Kopf: Ängste stehen im Hintergrund, berichtet Regina Dieckmann. Foto: Althaus
Reizdarm - oft sitzt der Knoten im Kopf: Ängste stehen im Hintergrund, berichtet Regina Dieckmann. Foto: Althaus

Erst nach einer achtjährigen Arzt-Odyssee stand die Diagnose fest: Regina Dieckmann leidet an einem Reizdarm. Vom Leben mit der verheerenden Diagnose.

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26. April 2012, 10:38 Uhr

Krempdorf | "Angefangen hat es nach einem Restaurantbesuch", berichtet Regina Dieckmann aus Krempdorf, 48 Jahre alt, über ihr Reizdarmsyndrom. Das war vor über 20 Jahren. Heute hat sie gelernt damit zu leben, doch dahin war es ein langer Weg.
Nach dem Verzehr von Tintenfisch ringen habe sie Durchfall bekommen, der nie wieder weggegangen sei. Zunächst begann für Dieckmann eine Arzt-Odyssee, die acht Jahre dauerte. Kein Mediziner habe etwas feststellen können: "Ich war sauer. Ich wusste ja, da muss was sein", sagt sie. Der Reizdarm, so weiß sie heute, ist eine Ausschlussdiagnose. Erst nach Magen- und Darmspiegelung, Ultraschall, Blutuntersuchungen und verschiedenen Tests wurde ihr bei einem Reha-Aufenthalt bescheinigt: Es kann nur noch der Reizdarm sein.
"Egal, wo ich war, ich habe nur noch den Blick auf die Toilette gehabt"
In dieser Zeit habe sie sich weitestgehend vom sozialen Leben zurückgezogen. Der plötzlich auftretende Durchfall zwang sie dazu. Kinobesuche, Treffen mit Freunden und der Weg zur Arbeit wurden zum Albtraum: "Egal, wo ich war, ich habe nur noch den Blick auf die Toilette gehabt."
So kam es, dass sie sich einer eineinhalbjährigen Behandlung unterziehen musste: Einmal die Woche traf sie sich mit einem Verhaltenstherapeuten. Sie sollte sich bewusst schwierigen Situationen aussetzen: ins Kino gehen, Bus fahren. Danach schrieb sie sogenannte "Angstberichte". "So lernt man eigentlich", sagt Dieckmann, "dass einem gar nichts passiert".
Traumata und Stress können die Usache sein
Dabei habe sich auch herausgestellt, dass ein psychisches Motiv mitverantwortlich für die Krankheit sei: Ängste aus ihrer Kindheit. Bei den meisten Betroffenen stünden geistige Motive im Hintergrund, wie Kindstod oder Kriegserlebnisse, berichtet sie aus Erfahrung. Denn von 2004 bis Anfang 2012 leitete sie eine Selbsthilfegruppe "Reizdarm" in Itzehoe. Gelegentlich zogen die Teilnehmer die Ernährungsberaterin Christiane Schäfer aus Hamburg zu Rate, die bei diesem Thema "sehr kompetent" sei.
Aus persönlichen Gründen hat Dieckmann die Treffen mittlerweile aufgegeben, zehrt aber immer noch davon. Sie habe erlebt, wie sich Menschen hochrappeln und mehr Lebensqualität bekommen. Ihr selbst habe eine kohlenhydratarme Ernährung sehr geholfen. Sie nehme Medikamente zur Belebung der Darmflora. Wichtig sei aber auch, die eigene Lebensführung umzustellen, Stress zu vermeiden und sich mehr Ruhepausen zu gönnen.

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