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Notfallversorgung : Mit Edelstahl gegen den Herzinfarkt

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Viele Menschen können die Beschwerden nicht deuten, wenn sich ein Herzanfall ankündigt. Doch im Ernstfall zählt jede Minute, um gravierende Folgen zu vermeiden.

Peter Hansen (Name geändert) wacht mitten in der Nacht auf, ihm ist übel. Zudem spürt der 62-Jährige ein beklemmendes Drücken in der Brust, das Atmen fällt ihm schwer, kalter Schweiß hat sich auf seiner Stirn gebildet. Als es nach zehn Minuten immer noch nicht besser ist, ruft Hansen den Notarzt. Das ist sein Glück: Schon einige Minuten später wird er vom Notarzt mit Medikamenten behandelt und sofort in die Notaufnahme gefahren. Erste Untersuchungen im Herzkatheterlabor zeigen: Ein Herzkranzgefäß ist durch Blutgerinnsel komplett verschlossen. Das hat den Herzinfarkt verursacht. Mit einem dünnen Ballon und einer feinen Prothese aus Edelstahl wird das Gefäß wieder eröffnet. Hansens Brustschmerzen klingen ab, das EKG normalisiert sich.
So wie Peter Hansen ergeht es jährlich 280.000 Menschen in Deutschland. Männer sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen. Die meisten sind älter als 50 Jahre. Aber auch jüngere können einen Herzinfarkt erleiden. Der Infarkt kann sofort lebensbedrohlich sein, deshalb zählt jede Minute. Denn mit jeder Minute nach einem Infarkt stirbt Herzmuskelgewebe ab. Eine Verschlimmerung durch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) sowie Herz- und Kreislaufversagen kann dann eintreten. Entwickelt sich nach einem Herzinfarkt eine zu große Narbe, können daraus eine Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen resultieren.
Sterblichkeitsrate im Krankenhaus von zwölf auf vier Prozent gesunken
"Viele Patienten warten zu lange, bis sie beim Rettungsdienst anrufen, weil sie die Beschwerden nicht richtig deuten können oder herunterspielen", mahnt Prof. Abderrahman Machraoui, Chefarzt der Medizinischen Klinik der Diako Flensburg. Die Folge könne der sogenannte "plötzliche Herztod" durch Kammerflimmern sein. "Ohne Notfallbehandlung versterben bis zu 50 Prozent aller Patienten an einem akuten Herzinfarkt", so Machraoui. Wer schnell ein Krankenhaus erreicht, habe dagegen sehr gute Überlebenschancen: Die Sterblichkeit im Krankenhaus sank dank der modernen Notfallbehandlung in den letzten Jahren von zwölf auf vier Prozent.
Die Beschwerden, die Hansen hatte, sind durchaus typisch, manchmal strahlt der Druckschmerz auch in den Oberbauch, den Kiefer oder die Arme (meist links) aus. Aber die Anzeichen können auch deutlich schwächer ausfallen. Besonders bei Frauen gibt es häufiger abgeschwächte oder andersartige Beschwerden. Die Betroffenen fühlen sich schlecht, beeinträchtigt, manchmal bekommen sie Todesangst.
Meist stellt sich nach der Notfallversorgung eine stabile Situation ein
Im Herzkatheterlabor sieht es ähnlich wie in einem Operationssaal aus. Nach Abdeckung mit sterilen Tüchern, Desinfektion und örtlicher Betäubung in der Leistengegend wird ein Katheter über die Beinschlagader bis zur Hauptschlagader vorgeschoben. Die beiden dort abgehenden Herzkranzgefäße werden mit Kontrastmittel unter der Röntgenanlage sichtbar gemacht und gefilmt. So kann der Kardiologe feststellen, wo eine Verengung oder ein Verschluss von Herzgefäßen vorliegt. Durch Aufdehnen mit einem Ballon und anschließendem Einlegen eines Stents (Gefäßprothese) kann die Verengung dann beseitigt werden. Ein Stent ist ein aus einem Edelstahlgeflecht bestehendes Röhrchen, das zusammengefaltet auf einem Ballon aufgebracht ist und beim Aufblasen des Ballons gegen die Gefäßwand aufgespannt wird.
In der Diako Flensburg gibt es seit 1998 ein Herzkatheterlabor. Chefarzt Prof. Abderrahman Machraoui und drei kardiologische Oberärzte sichern rund um die Uhr die Notfallversorgung, rund 400 akute Herzinfarkte sind es hier jährlich. "Dank des gut organisierten Rettungsdienstes und der raschen Behandlung im Krankenhaus gehört die Region Flensburg zu den fünf Regionen in Deutschland, in denen die Menschen nach einem Herzinfarkt am schnellsten versorgt werden und die besten Überlebenschancen haben", hebt Machraoui hervor. Das belege eine bundesweite Studie. In den meisten Fällen stelle sich nach der Notfallversorgung eine stabile Situation ein. Manchmal werde allerdings eine Herzbypass-Operation erforderlich, beispielsweise wenn zu viele Herzkranzgefäße betroffen seien.

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erstellt am 08.Mär.2012 | 01:57 Uhr

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