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Ernährung & Gesundheit

21. Oktober 2017 | 07:41 Uhr

Mit Bewegung gegen den Schmerz

vom

Immer mehr Menschen leiden unter Rückenschmerzen / Krankengymnastik bietet oft bessere Heilungschancen als eine Operation

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Eckernförde | Entspannt liegt Frauke Bock auf der Liege im Therapieraum der Imland-Klinik. Physiotherapeutin Astrid Eickhoff steht neben ihr und drückt leicht auf die rechte Schulter. Dort hatte die 59-Jährige noch vor einigen Wochen starke Schmerzen. Die Diagnose lautete damals: Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule. Jetzt geht es ihr besser, und sie hat die Therapie fast überstanden. Ohne Operation.

Alles fing im Januar mit Schmerzen im Arm an. Die Surendorferin konnte nicht mehr Trompete spielen und fehlte zehn Wochen lang im Orchester. Jede Bewegung wurde zur Qual. In ihrem Beruf war die Erzieherin nicht eingeschränkt. Lediglich eine Woche lang war sie krank geschrieben. Länger wollte sie nicht zu Hause bleiben. "Da wäre ich verrückt geworden", erzählt sie. Als die Beschwerden immer stärker wurden, suchte die 59-Jährige einen Orthopäden auf. Der verschrieb ihr drei Wochen lang Cortison. Doch das half nicht. Auch das anschließende Tapen - das Aufbringen elastischer Klebebänder auf die Haut - blieb ohne Erfolg. Der Orthopäde und ein Radiologe sahen eine Operation als letzte Lösung, aber das lehnte Bock entschieden ab. "Ich hatte ja nur Schmerzen im Oberarm und wollte es deshalb erst einmal mit der konservativen Therapie versuchen", sagt sie. "Wenn es nach drei Monaten nicht besser geworden wäre, hätte ich mich wahrscheinlich doch operieren lassen."

Bock wird in der Imland-Klinik in Eckernförde ambulant behandelt. Dr. Steffen Oehme, Arzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, stellte fest, dass ein starker Druck auf den Nerv an der Halswirbelsäule den Schmerz erzeugte. Außerdem hatte die Patientin neurologische Ausfälle. Schuld an der Verletzung war unter anderem die schlechte Haltung der Surendorferin. Seltsam, findet sie: "Ich bin sehr sportlich und bewege mich viel. Dass ich einmal Rückenprobleme haben würde, hätte ich nicht für möglich gehalten." Nach den Untersuchungen wurde sie an die beiden Physiotherapeutinnen Astrid Eickhoff und Ute Hansen verwiesen, mit denen sie im Krankenhaus eine Therapie begann.

Um einen Bandscheibenvorfall zu behandeln, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Neben der Krankengymnastik kann der Rücken auch durch Tapes, Akupunktur oder aber eine Operation geheilt werden. Oehme ist jedoch kein Freund von chirurgischen Eingriffen und empfiehlt diese nur, wenn es keine andere Lösung mehr gibt. "Es ist besser, es erst einmal mit Massagen oder Dehnübungen zu versuchen", betont er. Und fügt sofort hinzu: "Dafür brauchen die Patienten aber viel Geduld."

Geduld hat Frauke Bock. Anfangs kam sie zwei bis drei Mal pro Woche ins Krankenhaus und machte dort Übungen mit den beiden Physiotherapeutinnen. Massagen und Traktionen einerseits sowie Muskeltraining, Koordination und Gelenkstabilisierungen andererseits standen auf dem Programm. Auf die richtigen Bewegungen komme es an, erklärt Eickhoff. Brustschwimmen eigne sich zum Beispiel nicht so gut: Dadurch werde der Nacken zu sehr verspannt. In der Therapie sitzt Frauke Bock manchmal auf einem Ball und "trainiert" mit einem SMS-Band. Oder zieht mit beiden Armen ein Band auseinander, um ihre Muskeln zu kräftigen.

Vorbeugen könne man den Bandscheibenvorfall laut Hansen "mit regelmäßiger Bewegung". Dabei sei die Sportart egal - solange man nicht auf dem Sofa sitze. Mangelnde Bewegung und Übergewicht seien nämlich die Hauptgründe für Schmerzen im Rücken. Aber auch Stress kann die Beschwerden verursachen.

In Schleswig-Holstein fehlen jeden Tag im Durchschnitt 4600 Berufstätige aufgrund von Rückenleiden. 60 bis 80 Prozent der 30- bis 60-Jährigen leiden an der Volkskrankheit. Oft seien die Schmerzen chronisch oder psychisch bedingt. Das bestätigt auch Oehme. Wer eine aufrechte und positive Haltung hätte, würde damit schon seinem Körper helfen. Auch eine optimistische Einstellung könne einiges bewirken.

Frauke Bock hat jedenfalls gute Fortschritte gemacht - und wird dafür auch von Eickhoff und Hansen gelobt. "Sie hat gut mitgearbeitet und sich immer an unsere Anweisungen gehalten", sagen die beiden erfreut. Und sie habe auch zu Hause trainiert, wie sie selbst erzählt. Außerdem habe sie bei der Gartenarbeit "einen Gang zurück geschaltet" und sei langsamer Rad gefahren.

Fleiß und die Ausdauer haben sich ausgezahlt: Jetzt muss die 59-Jährige nur noch ein Mal pro Woche zur Behandlung in die Klinik. Und wenn alles weiterhin gut läuft, schließt sie die Therapie schon bald ab.

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