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Meine Geschichte : Mein Leben mit dem Herz einer Fremden

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Sonja Hansen bekam nach langem Leidensweg und vielen Schicksalsschlägen ein passendes Spenderherz. Trotz steter Ungewissheit blickt sie positiv in die Zukunft.

Flensburg | Während Sonja Hansen (Name geändert) ihre Geschichte erzählt, bekommt sie selbst immer wieder eine Gänsehaut. Zu emotional ist ihr Leben bisher verlaufen. Seit 13 Jahren trägt sie ein Herz in sich, das einmal einem anderen Menschen gehörte.
Heute ist Hansen 45 Jahre alt. Wie lange sie noch leben wird, weiß sie nicht, doch was sie sicher weiß, ist, dass sie jeden Moment ihres Lebens genießen möchte. Sie wirkt nicht ängstlich, vielmehr voller Energie während sie spricht. Das war wahrlich nicht immer so. Sie ist gerade 18 Jahre alt, als sie vom Arzt die schockierende Diagnose bekommt. Statt der normalen elf Millimeter ist ihr Herzmuskel 23 Millimeter dick. Der erste Herzkatheter wird gelegt, mittlerweile sind es 13. "Keiner wusste, wie sich mein Leben weiter entwickelt", erinnert sich Hansen.
Ihr Blutdruck lag bei 45/27
Zwei Jahre später ist sie schwanger. Ein Glücksfall, denn seinerzeit ist sie noch nicht so geschwächt, wie sie es in späteren Jahren sein wird. Eineinhalb Jahre später bekommt sie ihr zweites Kind. "Heute sagen die Ärzte, es ist ein Wunder, dass ich die Kinder zur Welt bringen konnte."
Zehn Jahre nach der Diagnose kommt der nächste große Einschnitt in ihrem Leben. Durch die Herzkrankheit bedingt bekommt sie einen Schlaganfall. Ausgerechnet im Urlaub in Österreich. Fern der norddeutschen Heimat. Der zweite Herzkatheter muss gelegt werden. Dann verliert sie noch ihren Job als Chefsekretärin.
Ein halbes Jahr voller Warten und Zittern
Zunächst kämpft sich Sonja Hansen wieder zurück ins Leben. Sie findet einen neuen Arbeitgeber. Doch mit der Zeit wird sie immer schwächer und schwächer. "Beim Skatspielen konnte ich irgendwann nicht mal mehr die Karten halten." Zeitweise lag ihr Blutdruck bei 45/27. Nach einer Operation in Bad Nauheim bei Frankfurt erleidet sie ein Herz-, Lungen- und Nierenversagen. Ihr Herz hat nur noch eine Pumpleistung von 13 Prozent, sie fällt ins Koma. Die Herztransplantation ist dringend.
Ein halbes Jahr steht sie schon auf der Warteliste. Jetzt muss es ganz schnell gehen. Während der Sturm Anatol über Deutschland wütet, wird sie im Hubschrauber in den Norden geflogen. Nach einer Woche - drei Tage steht sie auf der High-Urgent-Liste - erfolgt in der Uniklinik in Kiel der große Eingriff. Ihr Körper stößt das fremde Organ nicht ab. Sie weiß, dass das Herz von einer jungen Frau stammt, die mit Mitte 20 starb. Mehr darf und wird sie nicht wissen.
Eine Selbsthilfegruppe fürs Flensburger Umland
Die emotionale Belastung ist groß - für Sonja Hansen, aber auch für ihre Familie. Obwohl ihr Mann sie immer unterstützt hat, geht drei Jahre nach der Operation ihre Ehe in die Brüche. Ihr Mann hatte schlicht weg keine Kraft mehr.
Heute führt sie wieder ein normales Leben, wie sie sagt. "Ich habe beschlossen: Mein Motor ist kaputt, o.k., dann brauche ich einen neuen." Hansen hat bewusst versucht, die Situation zu versachlichen, hat zu ihrem neuen Herz gesagt: "Du wohnst jetzt hier." Einfach ist das nicht. Deswegen will sie auch Menschen, die ihre Situation teilen, helfen. Sie will eine Selbsthilfegruppe für Organtransplantierte und Patienten, die auf der Warteliste stehen, im Flensburger Umland gründen.
Die Ungewissheit ist stetiger Wegbegleiter
Ein ganz normales Leben ist es dann doch nicht, das Sonja Hansen führt. 26 Tabletten muss sie jeden Tag nehmen. Sie habe keine Beipackzettel, sondern ganze Beipackbücher sagt sie.
Die Überlebensdauer von transplantierten Herzen ist endlich. Wann sie wieder ein neues braucht, weiß sie nicht genau. Vielleicht in zwei Jahren, vielleicht auch etwas später. Trotzdem ist sie dankbar. "Durch die Spende und die geglückte Operation hatte ich die Möglichkeit, meine Kinder zu erziehen."

Interessierte an einer Selbsthilfegruppe können sich per E-Mail über post@nordisch-gesund melden. Die Nordisch-Gesund-Redaktion leitet ihre Kontaktdaten ausschließlich an Sonja Hansen weiter.

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erstellt am 22.Aug.2012 | 11:40 Uhr

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