Interview : "Mein altes Herz sah aus wie ein löchriger Käse"

'Heute freue ich mich auf jeden Tag', sagt der herztransplantierte Christian Petermann. Foto: Eick
"Heute freue ich mich auf jeden Tag", sagt der herztransplantierte Christian Petermann. Foto: Eick

Mit seinem neuen Herzen begann für den jungen Sylter Christian Petermann ein neues Leben.

shz.de von
06. April 2011, 04:38 Uhr

Christian Petermann wurde wegen einer nicht erkannten Lungenentzündung lebensbedrohlich herzkrank. Das war vor neun Jahren. Heute ist er 28 Jahre alt und lebt seit sechs Jahren mit einem neuen Herzen. Nordisch gesund sprach mit dem freundlichen jungen Westerländer über seine Zeit vor und nach der Transplantation.
Wie lange mussten Sie auf Ihr neues Herz warten?
Einen Monat, nachdem ich auf die Warteliste gesetzt worden war. Ich stand an zweiter Stelle, die Dringlichkeit war enorm hoch.

Erinnern Sie sich an den Anruf der Transplantationsstelle?
Daran erinnere ich mich sehr genau: Ich stand gerade in der Polizeistelle von Westerland, um mein Fahrrad als vermisst zu melden. Der Anruf hat mich kalt erwischt, am liebsten hätte ich alles verschoben. Aber dann war kein langes Hin und Her möglich. Ich wurde mit Blaulicht nach Kiel ins UKSH gefahren. Dort bin ich nervlich fast zusammengebrochen - habe noch einmal mit meiner Mutter telefoniert und los gings. Das war an einem Mittwoch. Danach fehlen in meiner Erinnerung fast zwei ganze Tage. Am Montag darauf bin ich allerdings schon herumspaziert. Zwei Wochen war ich im Krankenhaus, dann ging es wieder nach Hause.

Sie hatten Glück?
Ja, allerdings. Das Herz war das richtige für mich. Ich musste zwar nach zwölf Tagen wieder in die Klinik, weil ich Probleme mit Wasseransammlungen im Körper bekam. Aber zum Glück ließ sich das wieder einrenken. Ich halte es nicht mehr so gut längere Zeit im Krankenhaus aus.

Müssen Sie öfter zur Kontrolle?
Im ersten Jahr musste ich monatlich zum Check, inzwischen reicht vierteljährlich. Ich hatte einfach enormes Glück, dass das Spenderherz so gut zu meinem Körper passt.

Haben Sie andere Patienten kennen gelernt, bei denen es weniger glatt lief?
Ja. Da war ein siebzehnjähriges Mädchen. Acht Mal hieß es, ein Spenderherz wäre gefunden. Jedes Mal kam kurze Zeit später die Nachricht, dass es doch nicht passt. Sie musste lange Zeit im Krankenhaus verbringen - angeschlossen an alle die Schläuche. Eine Schwester hat mich gefragt, ob ich mit ihr sprechen wolle, und ich habe das gerne gemacht. Ich konnte ihr allein durch meinen verhältnismäßig guten Zustand ein bisschen Hoffnung geben. Inzwischen hat sie auch ein neues Herz und studiert. Wir haben noch Kontakt.

Haben Sie sich von Ihrem alten Herzen in irgendeiner Form verabschiedet?
Ich habe Bilder davon gesehen: Es sah aus wie ein löchriger Käse. Mein armes Herz war total kaputt. Es hätte mich nicht viel länger am Leben halten können. Erstaunlich genug, dass es die Jahre davor überhaupt noch durchgehalten hat.

Und Ihr neues Herz? Wie kommen Sie damit zurecht?
Ich bin dankbar und zufrieden. Während meiner Herzkrankheit habe ich zum Glauben gefunden. Gott lenkt unsere Bahn. Ich komme sehr gut zurecht damit.

Wie geht es Ihnen mit der Arbeit?
Ich habe vor meiner Krankheit in der Gastronomie gearbeitet, und das auch sehr gerne. Die Ärzte sagen, dass das jetzt zu stressig für mich ist. Ich bekomme Invalidenrente und kann mir in der Saison ein wenig im Radverleih dazuverdienen. Das ist recht knapp und ich würde gerne mehr arbeiten. Nicht fürs Geld, hauptsächlich fürs Lebensgefühl.

Und Sport?
Oja, sehr gerne! Ich fahre Inlineskates, Rad und jogge. Die Ärzte sagen, leichter Ausdauersport ist sehr gut für mich und ich fühle mich auch gut dabei. Außerdem wohne ich ja hier auf dieser schönen Insel, da muss man einfach raus!

Gibts ein Lebensmotto?
Ich freue mich jeden Morgen auf den neuen Tag!

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