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Fragen und Antworten : Meilenstein beim Klonen

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Zukunftsmusik, die viele Fragen aufwirft: US-Forschern ist ein großer Durchbruch in der Genforschung gelungen: Krankheiten wie Parkinson könnten heilbar werden.

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2013 | 11:06 Uhr

Berlin | Biologen der Oregon Health & Science University in Portland (USA) ist es nach eigenen Angaben gelungen, menschliche Klon-Embryonen herzustellen und Stammzellen daraus zu gewinnen. Patienten muss in jedem Fall noch sehr lange auf mögliche angewandte Therapien warten. Fragen und Antworten zum Thema Klonen.
Was ist der Meilenstein an der neuen Technik?
Nachdem das Klonschaf Dolly 1997 weltweit von den Titelblättern blickte, erschien es möglich, mit demselben Verfahren Menschen zu klonen. Doch selbst die Herstellung wenige Tage alter menschlicher Embryonen erwies sich als kompliziert. Nun haben Forscher einen menschlichen Embryo per Klontechnik auf mindestens 150 Zellen heranreifen lassen und daraus sogar embryonale Stammzellen entnommen. Damit erscheint es möglich, mittels Klontechnik Gewebe mit patienteneigenem Erbgut zu gewinnen, das nicht abgestoßen wird.
Wie sicher sind die Ergebnisse?
Ein südkoreanisches Team behauptete 2004, die ersten geklonten menschlichen Embryonen und 2005 embryonale Stammzellen mit Patienten erbgut produziert zu haben. Beide Arbeiten musste das Fachjournal "Science" 2006 als Fälschung zurückziehen. Später verkündeten weitere Forscher ähnliche Erfolge, die von der Fachwelt allesamt nicht bestätigt wurden. Dass es sich nun erneut um eine Fälschung oder schlicht um einen Laborfehler handelt, ist möglich, erscheint aber unwahrscheinlich. Die Forscher haben lange an Affen experimentiert und ihre neue Technik sehr exakt beschrieben. Um alle Zweifel auszuräumen, muss die Technik aber von anderen Forschern erfolgreich erprobt werden.
Laufen bald Klon-Menschen durch unsere Straßen?
"Das ist unwahrscheinlich", sagt Teamleiter Shoukhrat Mitalipov. Er verweist auf jahrelange Affenversuche seines Teams, bei denen es nicht gelungen sei, Nachkommen zu gewinnen. Zudem seien menschliche befruchtete Eizellen besonders empfindlich. Die verwendete Technik ist außerdem nicht in jedem Labor möglich.
Wann können Krankheiten damit geheilt werden?
Bis zu einer Therapie für Patienten wird es voraussichtlich noch viele Jahre bis Jahrzehnte dauern, wenn es sie überhaupt einmal geben sollte. Seit 1998 versuchen Forscher, mit Stammzellen von Embryonen aus Befruchtungskliniken Therapien zu entwickeln. Bislang ist keine Therapie marktreif.
Welche Krankheiten könnten am ehesten geheilt werden?
Besonders wahrscheinlich hält Mitalipov eine Therapie für Parkinson-Patienten, weil bei ihnen nur eine einzige Zellart nicht mehr richtig funktioniere, die ersetzt werde müsste. Allerdings sei es noch nicht einmal gelungen, die nun hergestellten embryonalen Stammzellen in die bei Parkinson benötigten Nervenzellen umzuwandeln.
Kommen deutsche Forscher durch gesetzliche Verbote in Rückstand?
In Deutschland dürfen Forscher weder Klon-Embryonen noch embryonale Stammzelllinien herstellen. Dennoch hat der Gesetzgeber es ihnen erlaubt, in Ausnahmefällen bestimmte, importierte Stammzelllinien zu nutzen, die aus übrigge bliebenen Embryonen von Befruchtungskliniken stammen. Ob Deutschland die Gesetze nun an den neuesten Stand der Wissenschaft anpasst, bleibt abzuwarten.

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