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Ernährung : Mehr als nur süß? Funktioneller Zucker verspricht gesundes Plus

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Funktioneller Zucker sieht aus wie normaler Zucker, verspricht aber viel mehr. Sinnvoll oder bloße Gewissensberuhigung? Experten sind sich uneins.

Als Kariesverursacher und Lieferant leerer Kalorien verschrien, hat herkömmlicher Zucker ein Imageproblem. Ein Alternativprodukt ist Isomaltulose, ein sogenannter funktioneller Zucker. Seine angepriesene Wirkung: Er sei besonders zahnfreundlich, halte die Blutzuckerkurve niedrig und die gelieferte Energie sei länger nutzbar. «Die Bakterien im Mundbereich können diesen Zucker nicht zu sich nehmen», erläutert Zuckerforscher Jürgen Seibel von der Universität Würzburg. «Es ist Zucker, der weniger Karies auslöst, aber er hat auch eine andere Süße.» Manche Ernährungsexperten sind trotzdem skeptisch.

So äußert die Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, Antje Gahl, Zweifel. «Es ist nur eine andere Form von Zucker», sagt sie. «Funktionelle Zucker haben ihre Vorteile, aber auch sie werden zu Einfachzucker abgebaut und können dann ansetzen.» Die beste Methode sei es, bei herkömmlichen zuckerhaltigen Lebensmitteln maßzuhalten. Der Ernährungsreferent der Verbraucherzentrale Hessen, Hartmut König, hat ähnliche Bedenken: «Wir sagen grundsätzlich zu funktionellen Lebensmitteln: Solche Produkte brauchen wir bei einer ausgewogenen Ernährung mit hohem Frischeanteil nicht.»

Die Mannheimer Südzucker-Tochter Beneo produziert Isomaltulose und vertreibt sie an die Industrie - nach eigenen Angaben neben dem japanischen Produzenten Mitsui als einziger Hersteller weltweit. «Wenn jemand es nicht schafft, sich ausgewogen zu ernähren, ist es doch schön, wenn es eine Alternative gibt, die den Weg erleichtert», sagt eine Beneo-Sprecherin. Käufer des als Palatinose vermarkteten Produkts seien unter anderem Online-Anbieter für Sportlernahrung und Hersteller von Getränken und Süßigkeiten für Kinder.

Der Unternehmenssprecherin zufolge wächst der Markt für Isomaltulose in Deutschland zwar stetig, ist aber noch klein. «Die Supermärkte bieten sicher noch nicht das breiteste Angebot an funktionellem Zucker.» In Westeuropa gebe es einen großen Wunsch nach einem natürlichen Ursprung von Produkten - deshalb seien Verbraucher bei neuen Angeboten häufig skeptisch. Palatinose werde aber aus Rüben hergestellt und sei ebenso natürlich wie Haushaltszucker, sagt die Sprecherin. Lediglich der Herstellungsprozess sei leicht verändert, was dazu führe, dass die beiden Moleküle dieses Zweifachzuckers (Disaccharids) stabiler miteinander verbunden seien.

Im Alltag fällt gesunde Ernährung vielen schwer. Die täglichen kleinen Sünden können das Gewissen belasten. Hier setzen funktionelle Lebensmittel an, indem sie die Sehnsucht der Verbraucher erfüllen, gesünder als gesund zu leben, wie der Geschäftsführer des Frankfurter Zukunftsinstituts, Andreas Steinle, sagt. «Sie beruhigen das schlechte Gewissen.»

Die Wirkung sei in vielen Fällen eher eine psychologische. Es komme immer auf die gesamte Lebensweise eines Menschen an, sagt Steinle. «Ein einzelnes Produkt kann mich nicht gesünder oder kränker machen.» Wie erfolgreich funktionelle Lebensmittel seien, hänge stark von der Vermarktung ab. «Wenn man es schafft, das mit einer Lifestyle-Anmutung zu versehen, steigt auch die Nachfrage.»

Beneo über Palatinose (pdf)

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erstellt am 10.Okt.2013 | 13:16 Uhr

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