Studie der Barmer : Magersucht und Bulimie: Essstörungen in Schleswig-Holstein nehmen zu

Mit einer harmlosen Diät fängt es manchmal an. Psychische Probleme können zur Magersucht führen.  
Mit einer harmlosen Diät fängt es manchmal an. Psychische Probleme können zur Magersucht führen.  

Eine Analyse über fünf Jahre verzeichnet einen Zuwachs von Essstörungen. Es sind längst nicht nur Frauen betroffen.

shz.de von
20. Mai 2018, 04:26 Uhr

Biologische Aspekte, persönlichkeitsbedingte Faktoren, gesellschaftliche Einflüsse und das soziale Umfeld - diese vier Faktoren sind es, die am häufigsten eine Essstörung bedingen. Zu den bekanntesten Essstörungen gehören die Magersucht bzw. Anorexie und die Ess-Brech-Sucht, kurz Bulimie. Häufig verbleiben diese Krankheiten lange unbemerkt, wenn sie ohne einen starken Gewichtsverlust verlaufen.

Die Krankenkasse Barmer vermutet, dass Essstörungen in Schleswig-Holstein zunehmen. Anlass zu dieser Vermutung geben die Versicherungsnehmer: Innerhalb von fünf Jahren ist die Zahl der Versicherten der Barmer in Schleswig-Holstein, bei denen eine Essstörung diagnostiziert wurde, um rund 27 Prozent angestiegen. Dies belegt eine aktuelle Analyse der Krankenkasse zu den Jahren 2011 bis 2016.

Mehr weibliche Betroffene, aber größerer Anstieg bei Männern

Natürlich kann die Studie dadurch, dass sie sich auf Barmer-Versicherte beschränkt, keine absolut verlässliche Aussage treffen, wohl aber eine Tendenz angeben. So wurde eine Essstörung im Jahr 2016 in Schleswig-Holstein bei insgesamt 2.378 weiblichen sowie 409 männlichen Barmer-Versicherten diagnostiziert. Es sind also fast sechs mal mehr Frauen betroffen als Männer. Geht es jedoch um die prozentuale Zunahme der Fälle, sieht es andersherum aus: Innerhalb von fünf Jahren nahm der Anteil betroffener Frauen um 22,6 Prozent zu, während er bei Männern um 57,3 Prozent anstieg. Ärztliche Hilfe wiederum suchen vor allem Frauen auf.

Die Darstellungsweise von Frauen in den Medien kann zu übersteigerten Ansprüchen an das eigene Selbst führen, warnen Experten.
Stephen Morrison
Die Darstellungsweise von Frauen in den Medien kann zu übersteigerten Ansprüchen an das eigene Selbst führen, warnen Experten.
 

Die Zahl der betroffenen Versicherten stieg dabei von 2011 bis 2016 unterschiedlich stark an – bei Anorexie um 30,6 Prozent und bei Bulimie um 7,7 Prozent. Magersucht und Ess-Brech-Sucht kommen am häufigsten bei 20- bis 39-Jährigen vor. Häufig werden Essstörungen jedoch auch als sonstige oder nicht näher bezeichnete Essstörung angegeben, weil sie nicht eindeutig zugeordnet werden können oder auch Mischformen sind. Hier nahm die Zahl der betroffenen Versicherten um 31,4 Prozent zu.

Schwierige Diagnose

Essstörung kommen in jedem Lebensalter und jeder Lebensphase vor. Sie zu diagnostizieren, ist nicht ganz einfach. Mal davon abgesehen, dass Außenstehende die Krankheit kaum erkennen können, wenn keine akute Gewichsveränderung zu beobachten ist, nehmen die Betroffenen selbst häufig ihr Essverhalten nicht als gestört wahr. „Magersucht, Ess-Brech-Sucht oder andere Formen von Essstörungen führen unbehandelt meist zu ernsthaften und langfristigen körperlichen und seelischen Gesundheitsschäden. Die Erkrankungen sollten daher multiprofessionell behandelt werden. Mediziner, Psychotherapeuten, Ernährungsberater und Sozialpädagogen arbeiten dafür Hand in Hand. Außerdem ist ein aufmerksames persönliches Umfeld gefragt“, erklärt Dr. Bernd Hillebrandt, Landesgeschäftsführer der Barmer für Schleswig-Holstein. Spezielle Online-Trainings können zudem helfen, Essstörungen vorzubeugen oder die Wartezeit auf einen Therapieplatz zu überbrücken, so die Barmer.

(Mit Material der Krankenkasse Barmer)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen