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Ernährung & Gesundheit

12. Dezember 2017 | 13:23 Uhr

Männer meiden Psychotherapie

vom

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2013 | 04:59 Uhr

Kiel | Männer sind genauso von psychischen Erkrankungen betroffen wie Frauen. Aber viele verschweigen ihre Erkrankungen, nehmen meist gar nicht oder zu spät psychotherapeutische Hilfe in Anspruch. "Das müssen wir ändern mit spezifischen Angeboten für Männer und mit mehr Aufklärung der Bevölkerung", sagt Barbara Lubisch, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung.

So hat der Kieler Psychologe Johannes Vennen vor einigen Jahren begonnen, seine Praxis männerspezifisch auszurichten. Er setzt auf eine "Männerquote". "Psychologische Beratung, Psychotherapie und Coaching für Männer und Väter" und "Psychotherapie mit Männerkompetenz", heißt es auf seiner Homepage. Als weiteres "Lockmittel" dient Technik: "Ich stelle eine Online-Diagnostik zur Verfügung, und Smartphones können zur Aufnahme von Sitzungen und Tablet-PCs zur Visualisierung benutzt werden", erläutert der Psychotherapeut.

Doch Vennen zählt bundesweit zu den Ausnahmen. Es sei alarmierend, dass Männer in der ambulanten Therapie deutlich unterrepräsentiert sind, sagt Anne Maria Möller-Leimkühler von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München. "Nur jeder vierte Patient in einer psychotherapeutischen Praxis ist männlich, obwohl sie genauso häufig psychisch krank sind wie Frauen." Und: Die Suizidrate bei Männern liegt dreimal höher als bei Frauen - auch das spreche für akuten Handlungsbedarf.

Depressionen äußerten sich bei Männern anders als bei Frauen, konstatiert Möller-Leimkühler: "Sie streiten ihre Erkrankungen ab, sind aggressiv und impulsiv, neigen zu Sucht- und Risikoverhalten und reagieren feindselig oder werden hyperaktiv." Vor allem Männer mit niedrigem sozioökonomischem Status und Ältere seien überdurchschnittlich von Depressionen betroffen, erklärt Anne Starker vom Robert-Koch-Institut (RKI).

Depressionen bei Männern würden oft nicht erkannt, weil - vereinfacht gesagt - die Screening-Methoden die Symptome, die Männer bei einer Depression zeigen, nicht berücksichtigen. "Um Psychotherapien an den ,Mann zu bringen, müssten Hausärzte besser fortgebildet und mit geschlechterspezifischen Screening-Methoden versorgt werden", fordert Möller-Leimkühler.

Bleibt das Problem, dass männergerechte Psychotherapien eher Mangelware sind. "Es wäre denkbar, Akutsprechstunden bei Psychotherapeuten und vermehrt Gruppen- und auch Kurztherapien anzubieten, um einen niedrigschwelligen Zugang zu ermöglichen", schlägt Barbara Lubisch vor. Ganz besonders wichtig sei aber auch Prävention. Die psychische Gesundheit von Männern müsse in der betrieblichen Gesundheitsförderung mehr Gewicht bekommen, betont die Expertin. Das Schweigen soll ein Ende haben.

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