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Männergesundheit : Männer in den Wechseljahren

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Viele Männer leiden unter Testosteronmangel, ohne es zu wissen. Dabei beeinflusst das Sexualhormon das gesamte Wohlbefinden.

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2013 | 10:09 Uhr

Flensburg | Sie sind nicht allein "Frauensache": Auch Männer kommen in die Wechseljahre - und haben mit einem sich verändernden Hormonhaushalt zu kämpfen. "Es ist ein normaler Alterungsvorgang: Etwa ab dem 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronsspiegel kontinuierlich", sagt Dr. med. Ludwig Bässe, Allgemeinmediziner in Flensburg. "Ist er zu niedrig, zeigen sich ähnliche Symptome wie bei Frauen, die unter einem Eisenmangel leiden: Die Patienten fühlen sich müde und schlapp, können sich nur schwer konzentrieren oder sind leicht reizbar."
Weitere Folgen: Libido und Erektionsfähigkeit lassen nach; die Muskelmasse verringert sich, während das Fettgewebe zunimmt. Auch Osteoporose, Blutarmut und Depressionen können ihre Ursache in einem Mangel des Sexualhormons haben. Weil der Rückgang der Hormonproduktion langsam vonstatten geht, zeigen sich diese Symptome jedoch meist erst ab einem Alter von 50 Jahren. Etwa zwölf Prozent der Männer in Deutschland sind Schätzungen zufolge betroffen. Doch die Dunkelziffer liegt weitaus höher, vermutet Ludwig Bässe.

Der Mangel ist Männern oft nicht bekannt


Eine neue Studie der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit ergab bei 5.700 Probanden sogar eine Testosteronmangel-Quote von etwa 50 Prozent. "Viele Männer leiden darunter, ohne es zu wissen", sagt Bässe. "Denn bei den Früherkennungsuntersuchungen, die von der Krankenkasse bezahlt werden, ist ein Hormontest nicht vorgesehen." Liegen jedoch Anhaltspunkte - wie die genannten Symptome - vor, überprüft der Arzt den Spiegel anhand einer Blutuntersuchung. "Kaum ein Mann" komme von sich aus auf die Idee, dass mit seinen Hormonen etwas nicht stimmt, sagt Bässe.
Zwar seien die Patienten heute insgesamt offener im Umgang mit früher kaum thematisierten Erkrankungen wie etwa Depressionen oder Burn-out. "Aber es ist problematisch, dass Männer nach wie vor zu wenig sensibilisiert sind für ihre Gesundheit - und zu selten zum Arzt gehen." Während manche Männer noch mit 70 einen Testosteronspiegel im Normbereich aufweisen, leiden andere schon mit 50 unter einem deutlichen Mangel. Die Ursachen dafür sind zum Teil genetisch bedingt. In solchen Fällen kann der Arzt mit Medikamenten helfen, die den Körper künstlich mit Hormonen versorgen. Üblich ist eine Behandlung mit einem Gel, das auf die Haut aufgetragen wird, oder mit Drei-Monats-Spritzen.

Zusätzlich sollten Männer auch auf ihren Lebensstil achten


Doch auch äußere Faktoren spielen eine Rolle, sagt Bässe. "Ständige Diäten, psychischer und/oder körperlicher Stress, Drogen und Alkohol können einen Hormonmangel begünstigen." Ebenso wie Übergewicht: Bauchfett verwandelt Testosteron in Östrogen, also in weibliche Hormone - mit dem Wachsen des Bauchumfangs sinkt der Testosteronspiegel. Großen Einfluss habe also auch der Lebensstil, betont Bässe. Regelmäßige Bewegung und Sport, aber auch eine vielseitige und abwechslungsreiche Ernährung seien wichtig. Obst, Gemüse und Fisch sollten auf jeden Fall auf dem Speiseplan stehen.
Studien zufolge besteht auch ein Zusammenhang zwischen Testosteronmangel, Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2: Mit wachsendem Testosteronmangel nimmt die Insulinresistenz - also die Unempfindlichkeit der Körperzellen gegen Insulin - zu. Die Folge: Der Körper muss mehr davon produzieren. Ein gefährlicher Teufelskreis, denn der hohe Insulinspiegel wiederum führt zu einem weiteren Absinken des Testosteron - und begünstig die Entstehung von Diabetes mellitus und Übergewicht. Untersuchungen zeigen, dass etwa jeder zweite Mann, der an dieser Form der Diabetes erkrankt ist, einen zu niedrigen Testosteronspiegel aufweist.
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