"Kenn dein Limit" : Mädchen reagieren, Jungen trinken weiter

Der automatische Griff zur Flasche: Alkoholkonsum ist unter deutschen Jugendlichen zur Gewohnheit geworden. Foto: dapd
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Der automatische Griff zur Flasche: Alkoholkonsum ist unter deutschen Jugendlichen zur Gewohnheit geworden. Foto: dapd

Eine Party ohne "Vorglühen"? Das ist für Jugendliche nicht mehr möglich. Präventionskampagnen sollen den Alkoholkonum nun bremsen.

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17. September 2012, 09:15 Uhr

Alkohol ist schon bei Kindern und jungen Jugendlichen die beliebteste Droge. 110.000 Jungen im Alter von 12 bis 15 Jahren - das sind 6,7 Prozent der Altersgruppe - trinken einmal im Monat fünf oder mehr Gläser Bier, Wein, Cocktails oder Alkopops. Sie gehören damit zu den sogenannten Rauschtrinkern. Bei den Mädchen liegt der Anteil in dieser Altersgruppe, die gesetzlich Alkohol gar nicht kaufen darf, etwas niedriger (4,5 Prozent).
Die gute Nachricht, die Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) am Montag stolz verkündeten, lautet trotzdem: Die ganz jungen Menschen und die Mädchen im Jugendalter trinken weniger als früher. Die sinkenden Zahlen seien auch ein Erfolg der seit drei Jahren laufenden Präventions-Kampagne "Alkohol? Kenn dein Limit".
Der wöchentliche Absturz
Die schlechte Nachricht in den Statistiken: Besonders junge Männer trinken trotz teurer Plakate und Kinospots praktisch unverändert weiter. Von den 16- bis 17-jährigen männlichen Jugendlichen, die am meisten trinken, hat fast die Hälfte (45 Prozent) einmal im Monat einen Rausch (2008: 48,5 Prozent). Bei den Mädchen sind es nur 22 Prozent, viel weniger als 2008 (34 Prozent).
Noch schlimmer ist es bei den 18- bis 25-jährigen Männern: Im dritten Jahr der Präventions-Kampagne tranken 40 Prozent einmal pro Woche Alkohol. 2008 waren es noch weniger (37,1 Prozent). Ein Ergebnis, das der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung offenbar so unangenehm ist, dass die Direktorin Elisabeth Pott von einem "Ausreißer" spricht, der "noch genauer untersucht" werden müsse.
Die Chance der frühen Aufklärung
Bahr zeigt sich trotzdem überzeugt: "Die Kampagne ist gut sichtbar und kommt gut an." Er weist auch die Kritik der letzten Wochen zurück. Prävention und Aufklärung würden sich nur auf die Jugendlichen konzentrieren, hieß es da. Vernachlässigt würden die Erwachsenen, die nach der Arbeit, auf Partys, öffentlichen Festen oder zu Hause ebenso heftig saufen.
Der Minister meint aber, Kinder und Jugendliche seien leichter und längerfristiger zu beeinflussen. "Bringen Sie mal einen 50-Jährigen vom Trinken ab." Zudem seien die gesundheitlichen Schäden im Gehirn von Jugendlichen größer. 26.000 junge Menschen zwischen 10 und 20 Jahren seien 2010 volltrunken ins Krankenhaus eingeliefert worden. "Das zeigt, dass wir hier etwas tun müssen."
Weniger ist mehr
Dass gleichzeitig die "Kenn dein Limit"-Kampagne, die mit 50 Millionen Euro zum großen Teil vom Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) bezahlt wird, verbesserungswürdig ist, zeigen die neuen Motive. Jungen und Mädchen werden nun mit unterschiedlichen Motiven angesprochen ("Anflirten oder Abstürzen", "Gemeinsam chillen oder betrunken stressen"). Im Vordergrund steht das Feiern mit gemäßigtem Alkoholkonsum. Oder wie Bahr es ausdrückt: "Wir sagen nicht Abstinenz, sondern verantwortungsvoller Umgang."
Die 22-jährige Julia Meische zieht im Auftrag der Kampagne durch Clubs und Kneipen. Die frühere Barkeeperin spricht trinkende junge Leute an. "Jetzt kümmere ich mich um die, die ich vorher abgefüllt habe." Sie weise auf eine Grenze hin, ab der Trinken keinen Spaß mehr macht. "Aber wir können es nur anstoßen", sagt sie. "Natürlich hören die nicht auf zu trinken. Aber sie trinken weniger."

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